Vonovia unter Druck: Linke will in Berlin an Vergesellschaftung festhalten
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Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp will in möglichen Berliner Koalitionsverhandlungen auf der Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne bestehen.
- Vonovia-Chef Luka Mucic lehnt eine Vergesellschaftung ab und sieht den Konzern als Teil der Lösung für Berlins Wohnungsnot.
- Vonovia und Deutsche Wohnen besitzen in Berlin zusammen gut 130.000 Wohnungen; rund 1.000 neue Einheiten befinden sich derzeit im Bau.
- Die Vonovia-Aktie notierte am 18. September bei 17,67 Euro und lag damit seit Jahresbeginn 27,91 Prozent im Minus.
Marktanalyse & Details
Vergesellschaftung wird zum politischen Prüfstein
Die Berliner Linke hält nach der Wahl an ihrer zentralen Forderung fest: Große Wohnungsbestände sollen vergesellschaftet werden. Elif Eralp erklärte, sie werde diese Position auch in möglichen Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen vertreten. Damit dürfte die Eigentumsfrage zu einem wesentlichen Streitpunkt bei der Regierungsbildung werden.
Für Vonovia ist Berlin besonders relevant. Der Konzern besitzt gemeinsam mit der Tochter Deutsche Wohnen gut 130.000 Wohnungen in der Hauptstadt. In der politischen Debatte geht es insgesamt um rund 220.000 Wohnungen großer Immobilienkonzerne. Eine Umsetzung würde daher unmittelbar das Geschäftsmodell und die Eigentumsstruktur des Unternehmens in einem wichtigen deutschen Markt berühren.
Vonovia verweist auf Neubau und Modernisierung
Vor der Wahl betonte Vorstandschef Luka Mucic, Vonovia müsse und könne Teil der Lösung der Berliner Wohnungsnot sein. Nach seinen Angaben befinden sich derzeit rund 1.000 neue Wohnungen des Konzerns in Berlin im Bau; seit 2013 seien etwa 6.000 Einheiten fertiggestellt worden. Gleichzeitig räumte Mucic ein, dass dies angesichts des Gesamtbedarfs nur einen begrenzten Beitrag darstelle.
Ende Juni lag die durchschnittliche Bestandsmiete bei Vonovia in Berlin bei 8,26 Euro je Quadratmeter. Bei Neuvermietungen betrug der Durchschnitt 10,80 Euro je Quadratmeter. Mucic verwies zudem auf energetische Modernisierungen, die langfristig die Nebenkosten durch bessere Dämmung und effizientere Verfahren dämpfen könnten.
Rechtliche und finanzielle Unsicherheit bleibt
Vonovia lehnt eine Vergesellschaftung ab. Mucic argumentiert, dass dadurch das Wohnungsproblem nicht gelöst werde und stattdessen bessere Rahmenbedingungen für Neubau geschaffen werden müssten. In der Berliner Wahldebatte wurden mögliche Entschädigungskosten von 20 bis über 30 Milliarden Euro genannt. Die genaue finanzielle Belastung wäre jedoch von der rechtlichen Ausgestaltung und der Bewertung der betroffenen Bestände abhängig.
Auf Bundesebene ist zudem ein gesetzliches Verbot der Enteignung großer Mietwohnungsbestände auf Landesebene politisch vereinbart worden, die konkrete Umsetzung steht jedoch noch aus. Zusätzlich belastet eine Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen Vonovia wegen der Gestattungsvereinbarungen für Balkonkraftwerke die öffentliche Debatte über die Rechte von Mietern. Ein Verhandlungstermin ist bislang nicht bekannt.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass der politische Risikoaufschlag für Vonovia in Berlin vorerst bestehen bleibt, selbst wenn eine Vergesellschaftung noch keineswegs beschlossen ist. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung vor allem mehr Unsicherheit über regulatorische Rahmenbedingungen, mögliche Entschädigungsfragen und die öffentliche Wahrnehmung des Konzerns. Die Aktie lag zuletzt bei 17,67 Euro und damit 27,91 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau; der unveränderte Tageskurs zeigt allerdings nicht, dass die politische Nachricht am Freitag bereits zu einer neuen Kursbewegung geführt hätte. Entscheidend werden nun die Berliner Koalitionsverhandlungen, die Ausgestaltung eines möglichen Bundesgesetzes und die Frage sein, ob Politik und Wohnungswirtschaft beim Neubau messbare Fortschritte erzielen.
Fazit & Ausblick
Mit Eralps Festhalten an der Vergesellschaftung bleibt Vonovia ein zentraler Akteur im Berliner Wahl- und Koalitionskonflikt. Kurzfristig dürften politische Signale und die Regierungsbildung den Kurs stärker beeinflussen als der laufende Neubau. Anleger sollten insbesondere den Fortgang der Koalitionsverhandlungen, die rechtliche Umsetzung des geplanten Enteignungsverbots und den weiteren Verlauf der Balkonkraftwerk-Klage beobachten.
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