VERBUND senkt Halbjahresgewinn 2026: EBITDA minus 24,9 % durch schwache Wasserführung und niedrigere Preise

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Kurzüberblick

Die VERBUND AG hat die Ergebnisse für das erste Halbjahr 2026 (Quartale 1 bis 2) vorgelegt. Der Konzern verzeichnete dabei einen deutlichen Rückgang der Ertragskennzahlen: Haupttreiber waren eine deutlich unterdurchschnittliche Wasserführung sowie niedrigere Absatzpreise für die Eigenerzeugung aus Wasserkraft.

Die Zwischenberichte wurden am 30.07.2026 veröffentlicht. An der Börse notiert VERBUND aktuell bei 58,3 EUR (Stand 30.07.2026, 08:15 Uhr), am Handelstag mit leichtem Plus, jedoch bleibt die Aktie seit Jahresbeginn im Minus. Die Marktreaktion dürfte vor allem davon abhängen, ob sich die Ergebnisbelastung im zweiten Halbjahr durch bessere Erzeugungs- und Preisbedingungen abmildern lässt.

Marktanalyse & Details

Finanzkennzahlen: Gewinnrückgang zieht sich über die Ergebnisebene

Im Vergleich zum Vorjahr fiel das EBITDA um minus 24,9 % auf 1.061,5 Mio. EUR. Auch das Konzernergebnis gab spürbar nach: Es sank um minus 35,4 % auf 518,1 Mio. EUR. Bereinigt um Einmaleffekte lag das Konzernergebnis bei 537,8 Mio. EUR und damit minus 31,4 % unter dem Vorjahreswert.

  • Umsatzerlöse: 3.593,8 Mio. EUR (minus 11,0 %)
  • Operatives Ergebnis: 714,0 Mio. EUR (minus 35,9 %)
  • Ergebnis je Aktie (EPS): 1,49 EUR (Rückgang um 35,4 %)
  • Cashflow aus operativer Tätigkeit: 875,2 Mio. EUR (minus 34,6 %)
  • Free Cashflow vor Dividenden: 218,9 Mio. EUR (minus 71,6 %)
  • Free Cashflow nach Dividende: -1.076,8 Mio. EUR (negativ)
  • Gearing: 36,2 % (deutlich höher als zuvor)

Operative Gründe: Wasserführung trifft Ergebnisse, während Wind & PV zulegen

Der Rückgang der Wasserkrafterzeugung ist klar messbar: Der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke lag bei 0,68, damit 8 Prozentpunkte unter dem Vorjahr (0,76) und 32 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Erzeugung aus Wasserkraft sank dadurch insgesamt um 1.210 GWh bzw. 9,8 % auf 11.191 GWh.

Gleichzeitig gibt es eine positive Gegenbewegung im Bereich der neuen Erneuerbaren: Der Erzeugungskoeffizient aus Wind und Photovoltaik erreichte 0,82 (18 Prozentpunkte unter Plan, jedoch 4 Prozentpunkte über dem Vorjahr mit 0,78). Die Erzeugung aus Windkraft und Photovoltaik stieg um 109 GWh auf 1.173 GWh.

Den Ergebniseffekt verstärkte zusätzlich die Vermarktung: Der durchschnittliche Absatzpreis für die Eigenerzeugung aus Wasserkraft fiel um 31,0 EUR/MWh auf 86,2 EUR/MWh. VERBUND ordnet den Rückgang damit ein, dass im ersten Halbjahr 2025 hohe Absatzpreise unter anderem auf vorzeitige Limit-Verkäufe im Jahr 2023 zu hohen Großhandelspreisen zurückzuführen waren.

Segmentwirkung und Flexibilität: Teilkompensation reicht nicht

Das Segment Wasser litt infolge geringerer Erzeugung und niedrigerer Strompreise deutlich. Auch das Segment Neue Erneuerbare lag preisbedingt unter dem Vorjahresniveau. Dämpfend wirkten allerdings Verbesserungen in anderen Bereichen: In den Segmenten Netz und Absatz sowie in den sonstigen Segmenten trugen unter anderem bessere operative Ergebnisse im Gas-Fernleitungsnetz, höhere Beiträge aus dem Endkundengeschäft sowie eine positive Entwicklung im thermischen Bereich bei.

Die Flexibilitätsprodukte steuerten im ersten Halbjahr 2026 136,4 Mio. EUR bei, nach minus 16,7 % zum Vorjahr.

Analysten-Einordnung: Hohe Abhängigkeit von Hydrologie bleibt der zentrale Risikofaktor

Dies deutet darauf hin, dass der Ergebnisverlauf 2026 weiterhin besonders sensibel gegenüber der tatsächlichen Wasserführung und dem realisierten Preisniveau für Wasserkraft ist. Zwar liefert der Ausbau bzw. die Performance im Wind- und PV-Bereich eine wichtige Stabilisierung, jedoch konnte sie die Ertragslücke im ersten Halbjahr nicht vollständig schließen. Für Anleger bedeutet diese Konstellation: Der Blick sollte weniger nur auf die absolute Erzeugungsmenge, sondern vor allem auf die Kombination aus Wasserkoeffizient, Vermarktungspreisen und der Entwicklung der Margen im thermischen Bereich im Jahresverlauf gerichtet sein.

Guidance 2026: Zielkorridor bleibt, Auszahlung in Bandbreite

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet VERBUND ein EBITDA zwischen rund 2.100 Mio. EUR und 2.400 Mio. EUR. Das berichtete Konzernergebnis soll zwischen rund 1.000 Mio. EUR und 1.150 Mio. EUR liegen; das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis wird zwischen 1.050 Mio. EUR und 1.200 Mio. EUR erwartet.

Für die Dividendenplanung nennt das Unternehmen eine Ausschüttungsquote von 45 % bis 55 % des Konzernergebnisses (bereinigt um Einmaleffekte).

Fazit & Ausblick

Nach dem schwachen ersten Halbjahr rückt für VERBUND vor allem das zweite Halbjahr in den Fokus: Entscheidend wird sein, ob sich die Wasserführung gegenüber dem bisherigen Verlauf normalisiert und wie stabil die erzielbaren Preise im Strommarkt ausfallen. Anleger sollten außerdem beobachten, ob die positiven Impulse aus Wind und Photovoltaik sowie die Ergebnisbeiträge aus Netz, Absatz und thermischer Erzeugung die witterungsbedingten Schwankungen weiterhin überkompensieren können.

Der nächste konkrete Prüfstein für die Guidance wird der weitere Geschäftsverlauf im Herbst 2026 sein, wenn die Entwicklung der Erzeugung (Wasser, Wind/PV) sowie der Vermarktungs- und Preisniveaus in den Quartalen 3 bis 4 transparent werden.

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