UBS stuft adidas-Aktie auf Neutral ab: Analyst sieht Bruttomargendruck trotz Rekordumsatz
Kurzüberblick
Die US-Investmentbank UBS hat die Aktie von adidas (ADDYY) am Dienstag von „Buy“ auf „Neutral“ herabgestuft und das Kursziel drastisch von 219 auf 173 Euro gesenkt. Analyst Robert Krankowski zeigt sich zwar langfristig konstruktiv für die Marke unter CEO Bjørn Gulden, warnt jedoch vor zunehmenden Gegenwind für die Bruttomarge in den Jahren 2027 und 2028. Die Abstufung erfolgt nur wenige Tage, nachdem der Sportartikelkonzern mit einem Rekordquartalsumsatz und einer angehobenen Jahresprognose überzeugt hatte – und unterstreicht die wachsende Skepsis am Markt hinsichtlich der künftigen Ertragsdynamik.
Marktanalyse & Details
UBS-Argumente: Margendruck und fehlende Katalysatoren
Der Downgrade durch UBS kommt überraschend, denn adidas meldete Ende Juli für das zweite Quartal 2026 einen währungsbereinigten Umsatzanstieg von 14 Prozent auf 6,74 Milliarden Euro – ein Rekordwert. Die Bruttomarge verbesserte sich um 0,8 Prozentpunkte auf 52,5 Prozent, getragen durch volle Preisverkäufe und einen besseren Vertriebskanalmix. Allerdings sieht UBS-Analyst Krankowski das operative Ergebniswachstum in den kommenden Jahren gefährdet. Er rechnet für 2027/28 mit einer Bruttomarge, die rund 100 Basispunkte unter den Konsensschätzungen liegt. Höhere Fracht- und Beschaffungskosten sowie US-Zölle würden den Spielraum einengen. Da operative Hebel auf der Kostenseite allein nicht ausreichen, um substanzielle Gewinnsteigerungen zu erzielen (UBSe EBIT 2028 liegt rund 8 Prozent unter Konsens), erwartet die Bank eine Seitwärtsbewegung der Aktie.
Rekordquartal und Insider-Käufe als positive Signale
Trotz der negativen Analystenstimmen lieferte adidas starke operative Kennzahlen: Das DTC-Geschäft (Direct-to-Consumer) wuchs um 25 Prozent, der E-Commerce legte sogar um 27 Prozent zu. Das Betriebsergebnis stieg um 5 Prozent auf 574 Millionen Euro, was allerdings unter den Erwartungen einiger Analysten lag, die etwa 611 Millionen Euro prognostiziert hatten. Der Gewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen verbesserte sich um 6 Prozent auf 398 Millionen Euro (EPS: 2,10 Euro).Für Anleger bedeutet diese Entwicklung: Die fundamentale Geschäftsentwicklung ist robust, doch die steigenden Kosten und die hohen Marketinginvestitionen von über 200 Millionen Euro im Rahmen der WM-Kampagnen belasten die operative Marge – diese sank im Quartal auf 8,5 Prozent nach 9,2 Prozent im Vorjahr. Ein positives Signal sendete zudem ein Insider-Kauf: Ein Mitglied des Managements erwarb am 31. Juli 3.200 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 158,93 Euro, was einem Gesamtvolumen von rund 508.569 Euro entspricht. Solche Käufe deuten auf Vertrauen in die langfristige Entwicklung hin.
Umsatzprognose angehoben, CFO-Wechsel eingeleitet
Vorstandschef Bjørn Gulden hob die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf ein währungsbereinigtes Wachstum von 9 bis 10 Prozent (zuvor: hoher einstelliger Bereich) an. Die Prognose für das Betriebsergebnis bleibt mit rund 2,3 Milliarden Euro unverändert. Der Grund: adidas investiert massiv in Marketing, um die Markendynamik nachhaltig zu stärken. Zudem wurde ein Führungswechsel angekündigt: Birgit Kretschmer wird zum Jahresende die Nachfolge von CFO Harm Ohlmeyer antreten, der nach fast 30 Jahren im Unternehmen ausscheidet.
Fazit & Ausblick
Die UBS-Abstufung zeigt, dass selbst ein Rekordquartal und eine angehobene Prognose nicht ausreichen, um alle Analysten von einer ungetrübten Wachstumsstory zu überzeugen. Der Margendruck durch steigende Kosten und Zölle sowie die hohen Investitionen in die Marke könnten die Gewinnentwicklung kurzfristig begrenzen. Die Aktie notierte zuletzt bei rund 80 Euro (Tagesperformance: -1,84 Prozent) und damit weit unter dem neuen UBS-Kursziel von 173 Euro. Anleger sollten die Entwicklung der Bruttomarge und die Ergebnisse der anstehenden Quartalszahlen im Fokus behalten. Der nächste wichtige Termin ist die Veröffentlichung der Q3-Zahlen im Oktober 2026.
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