UBS startet CoreWeave mit Buy und 120-Dollar-Kursziel – Verschuldung bleibt Risiko
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- UBS startet die Beobachtung von CoreWeave mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 120 US-Dollar.
- Die Analysten sehen eine starke Nachfrage nach KI-Rechenleistung und steigende Erlöse je Gigawatt.
- CoreWeave hat eine Wandelanleihe über 4,2 Milliarden US-Dollar mit 2,875 Prozent Zins und Fälligkeit 2033 abgeschlossen.
- Die Einschätzungen am Markt gehen weit auseinander: Neben zwei Kaufempfehlungen steht eine Verkaufsempfehlung mit 54 US-Dollar Kursziel.
Marktanalyse & Details
UBS setzt auf KI-Nachfrage und bessere Auslastung
UBS hat die Beobachtung von CoreWeave mit einem Buy-Rating und einem Kursziel von 120 US-Dollar aufgenommen. Die Investmentbank verweist auf anhaltend starke Signale aus dem Markt für KI-Rechenleistung. Zudem dürfte der Umsatz je Gigawatt nach Einschätzung der Analysten weiter steigen.
Die vorsichtige Konsensstimmung spiegelt sich laut UBS in der Bewertung wider: CoreWeave wird derzeit nur mit etwa dem Dreifachen des für 2027 erwarteten Umsatzes bewertet. UBS bezeichnet die Kaufempfehlung deshalb als bewusst nicht konsenskonform. Als zentrale Belastungsfaktoren gelten die hohe Verschuldung und das Kreditrisiko.
Finanzierung stärkt Liquidität, erhöht aber den Kapitaldruck
CoreWeave hat am 22. September eine Privatplatzierung von Wandelanleihen im Gesamtnennbetrag von 4,2 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Nach Abzug der Kosten fließen dem Unternehmen rund 4,14 Milliarden US-Dollar netto zu. Die Anleihen verzinsen sich mit 2,875 Prozent und laufen bis 2033.
- Der anfängliche Wandlungspreis liegt bei rund 97,85 US-Dollar je Aktie.
- Ein Teil der Mittel wird für Capped-Call-Transaktionen eingesetzt, um eine mögliche Verwässerung zu begrenzen.
- Der Cap-Preis dieser Transaktionen liegt bei 199,70 US-Dollar je Aktie.
- Die verbleibenden Mittel dienen allgemeinen Unternehmenszwecken.
Für Anleger entsteht damit ein gemischtes Bild: Die Finanzierung verschafft CoreWeave zusätzlichen Spielraum für den Ausbau der Infrastruktur, erhöht aber zugleich die langfristigen Verpflichtungen. Der niedrige Kupon ist zwar günstiger als bei mehreren bestehenden Hochzinsanleihen des Unternehmens, die Wandlung kann bei stark steigender Aktie dennoch zu einer Verwässerung führen.
Vertraglich gesicherte Kapazität wächst
CoreWeave meldete zudem neue kurzfristige Kundenverträge mit einer Laufzeit von etwa drei bis sechs Monaten. Die annualisierten Erlöse liegen dabei bei ungefähr 40 Millionen US-Dollar je Megawatt benötigter Leistung. Anfang des dritten Quartals kamen außerdem mehr als 25 Milliarden US-Dollar an Netto-Kundenverpflichtungen hinzu, die im Auftragsbestand zum 30. Juni noch nicht enthalten waren.
Die vertraglich gebundene Leistung stieg nach Unternehmensangaben von rund 3,7 Gigawatt Ende Juni auf etwa 4,2 Gigawatt am 11. August. Das unterstützt die These, dass die Nachfrage nach spezialisierten KI-Clouddiensten weiterhin hoch ist. Gleichzeitig bleibt entscheidend, ob CoreWeave diese Nachfrage mit dauerhaft profitablen Verträgen und ausreichend hoher Auslastung in Cashflows umwandeln kann.
Analysten-Einordnung: ungewöhnlich große Bandbreite
Neben UBS hat auch BTG Pactual CoreWeave mit Buy und einem Kursziel von 125 US-Dollar eingestuft. Dem steht die Verkaufsempfehlung von Rothschild & Co Redburn mit einem Kursziel von 54 US-Dollar gegenüber. Die skeptische Sicht argumentiert, dass die Kreditmärkte die Risiken der kapitalintensiven Expansion stärker berücksichtigen als der Aktienmarkt. Genannt werden insbesondere die Verschuldung, mögliche sinkende GPU-Preise und das Risiko, dass große Cloudanbieter oder KI-Labore Rechenkapazitäten früher selbst aufbauen.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass CoreWeave derzeit weniger an der Nachfrage als an der Finanzierung und den langfristigen Stückkosten gemessen wird. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass ein Buy-Rating nur dann nachhaltig gerechtfertigt ist, wenn steigende Erlöse je Gigawatt und neue Kundenverträge die Zinslast, Investitionen und mögliche Verwässerung übertreffen. Die große Differenz zwischen 54, 120 und 125 US-Dollar zeigt zudem, wie stark die Bewertung von Annahmen zu GPU-Preisen, Auslastung und Kapitalzugang abhängt.
Die CoreWeave-Aktie notierte am 22. September im europäischen Handel bei 75,84 Euro und lag damit unverändert zum Vortag. Seit Jahresbeginn ergibt sich ein Plus von 18,87 Prozent. Ein direkter Vergleich mit den in US-Dollar formulierten Kurszielen ist wegen des Wechselkurses nur eingeschränkt möglich.
Fazit & Ausblick
CoreWeave verbindet eine wachsende Nachfrage nach KI-Infrastruktur mit einem deutlich höheren Finanzierungsbedarf. In den kommenden Quartalen werden vor allem die Umwandlung der Kundenverpflichtungen in Umsatz und Cashflow, die Entwicklung der Verschuldung sowie die tatsächliche Profitabilität der neuen Kapazitäten entscheidend sein. Die nächsten Quartalszahlen dürften daher stärker auf Margen, Liquidität und Kapitalbedarf als allein auf das Umsatzwachstum geprüft werden.
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