Uber unter Mizuho-Kaufen-Idee: AV-Risiko nur langfristig – Robotaxi- & Drohnenpläne geben Rückenwind

Uber Technologies Inc. AI Generated

Kurzüberblick

Die Aktie von Uber steht nach einer neuen Einordnung des Mizuho-TMT-Teams wieder stärker im Fokus: Trotz anhaltender Skepsis rund um den Wettbewerb im Bereich autonomer Fahrzeuge sehen die Analysten das AV-Thema eher als langfristiges Risiko statt als Belastung für die kurzfristigen Ergebnisse. Gleichzeitig verweist die Bank auf solide Signale im Kerngeschäft Mobility sowie auf eine Ausweitung von Partnerschaften, die Ubers Plattform statt eigener massiver Vorleistungen in den Vordergrund rücken.

Für Anleger ist die Ausgangslage dabei nicht rosig: Uber handelt bei 64,42 € (19.08.2026, 15:14), rund -0,75% zum Vortag und mit -7,32% seit Jahresbeginn. Gerade deshalb dürfte die Frage zählen, ob die operativen Fortschritte ausreichen, um das AV-Narrativ spürbar zu entschärfen – und wann neue Produkt- und Rollout-Meilensteine sichtbar werden.

Marktanalyse & Details

Warum Mizuho Uber trotz AV-Sorgen als Kauf-Setup einordnet

Mizuho-Analyst Jordan Klein beschreibt die Diskussion um mögliche Marktanteilsverluste durch autonomen Wettbewerb als ein Narrativ, das sich über Jahre abspielen könnte – während Quartalszahlen für Bear-Argumente häufig nicht schnell genug „widerlegt“ würden. Im Kern lautet die These: AV-Disruption bleibt zunächst ein „long-duration risk“, während operative Kennzahlen im Mobilitätsgeschäft stabil wirken können.

Auch Lloyd Wamsley stellt die strukturellen Hürden bei großflächigen Robotaxi-Einsätzen heraus – etwa infrastruktur-, regulator- und prozessseitig. Gleichzeitig verweist das Team darauf, dass sich das AV-Ökosystem über Partnerschaften sogar stärken kann: Beispielsweise durch Kooperationen mit WeRide und Pony.ai, die den Ausbau der Plattformposition in mehreren Märkten unterstützen sollen.

Robotaxi-Offensive: Von Europa bis Japan – Partnerschaften als Hebel

Aktuell verdichtet sich das Bild, dass Uber stark über Partner skaliert:

  • Pony.ai: Ausbau der strategischen Kooperation auf den Einsatz von mehr als 2.000 Robotaxis in Europa. Startpunkt bleibt das kommerzielle Angebot in Zagreb, hinzu kommen vier weitere Städte (Rollout in Phasen). Zudem sind Vorhaben für den Mittleren Osten genannt.
  • Asset-light-Logik: Vehicle Funding und Ownership können je nach Markt bei unterschiedlichen Partnern liegen – das reduziert die Gefahr, dass Uber den AV-Aufbau vollständig selbst kapitalintensiv vorfinanzieren muss.
  • Tokyo-Pilot: Uber Japan setzt für Ende 2026 auf einen Robotaxi-Pilot mit dem taxioperierenden Partner Hinomaru Kotsu. Dieser übernimmt u. a. Depotbetrieb, Wartung, Inspektionen, Laden und die Fahrzeugverfügbarkeit; Uber stellt die Kundenzugänge über die App. In der Pilotphase sollen erfahrene Fahrer als Safety Operator im Hintergrund agieren, bevor vollständig fahrerlose Schritte – abhängig von regulatorischer Freigabe – folgen.

Regionale Dynamik bei AV-Partnern: WeRide als weiterer Projektbaustein

Im Umfeld der WeRide-Kooperationen wurden für das zweite Quartal weichere Bestellvolumina im Mittleren Osten mit regionalen Konfliktfaktoren verknüpft. Das Management erwartet dennoch eine Erholung auf 15–20 Bestellungen pro Fahrzeug und Tag im vierten Quartal; zudem soll die Flotte bis Jahresende etwa auf 800 Fahrzeuge zulegen. Gleichzeitig bleibt die AV-Ride-Preisrange mit 0,90–1,10 USD pro Kilometer stabil.

Analysten-Einordnung: Die Mizuho-Argumentation deutet darauf hin, dass der Markt aktuell zu stark von einem „Alles oder Nichts“-Zeithorizont beim AV-Wettbewerb geprägt ist. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung vor allem: Wenn Robotaxi-Rollouts wie geplant über Partnerschaften laufen und Uber im Kerngeschäft Mobility gleichzeitig Margen stabil halten kann, kann sich das Bewertungsnarrativ schrittweise drehen – auch wenn AV-Verlagerungen kurzfristig möglicherweise nicht vollständig „durch die Zahlen“ sichtbar werden. Entscheidend wird daher weniger der Quartalsvergleich, sondern die belegbare Umsetzung in mehreren Regionen (Rollout-Tempo, regulatorische Durchläufe, operative Partnerfähigkeit).

Drohnen-Lieferung als zweites Skalierungsfeld: Zipline-Kooperation

Parallel baut Uber eine weitere Zukunftsschiene auf: Mit Zipline wird eine strategische Partnerschaft zur skalierenden Drohnenzustellung in den USA vereinbart. Die ersten Einsätze sollen später in diesem Jahr starten. Kunden von Uber Eats sollen Bestellungen dann innerhalb von Minuten über die autonome Drohnenlogistik erhalten können. Zusätzlich nennt Uber einen strategischen Investment-Ansatz in Zipline und das Ziel, bis Ende 2029 auf eine Million Drohnenlieferungen pro Tag zu kommen.

Produktentwicklung: „Uber Family“ könnte „Tween“-Rides vorbereiten

Ergänzend arbeitet Uber offenbar an einer Ausweitung im Familienprofil: Für Kinder zwischen 10 und 12 Jahren könnte ein „Tween“-Modus geprüft werden, bei dem ein erwachsener Nutzer eine vertrauenswürdige Kontaktperson für das Kind hinterlegen kann. Wichtiger Hinweis: Das Vorhaben ist laut Unternehmensstatement kein live ausgerolltes Produkt; aktuell gibt es ein Teen-Produkt nur für 13 bis 17 Jahre.

Fazit & Ausblick

Uber bleibt damit gleichzeitig in einem operativen Verbesserungsmodus (Mobility-Effekt über Partnerschaften) und in einer langfristigen Technologie-Story (Robotaxi und Drohnen). Die nächsten relevanten Prüfsteine für die These „AV ist eher langfristig als kurzfristig“ dürften die sichtbaren Rollout-Fortschritte in Europa (Pony.ai), der weitere Pilot-Fahrplan in Tokyo sowie die ersten Schritte der Drohnenbereitstellung in den USA sein.

Für Anleger: Achten Sie in den kommenden Quartalen besonders auf Hinweise zur Margenstabilität im Kerngeschäft, auf regulatorische Meilensteine sowie auf das Tempo der Partnerschaftsumsetzung – denn dort entscheidet sich, ob das Bear-Narrativ weiter an Überzeugung verliert oder wieder Fahrt aufnimmt.

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