Strategy stoppt Never Sell Bitcoin: bis zu 1,25 Mrd. BTC verkaufen und Class-A-Aktien für 1 Mrd. zurückkaufen

Strategy Inc. Class A

Kurzüberblick

Strategy Inc., börsennotiert mit der Class-A-Aktie, stellt seine bisherige Bitcoin-Logik auf den Prüfstand: Nach dem deutlichen Rücksetzer bei Kryptowährungen hat das Unternehmen einen neuen Kapitalrahmen beschlossen, der unter anderem den Verkauf von Bitcoin in größerem Umfang erlaubt. Gleichzeitig erhält Strategy ein milliardenschweres Rückkaufprogramm für bevorzugte Wertpapiere und für die Class-A-Aktien.

Im Kern geht es um Liquidität und Dividendenfähigkeit in einem Umfeld, in dem Bitcoin-Kurse stark schwanken und das Verhältnis der Unternehmensbewertung zu den eigenen Bitcoin-Beständen unter Druck gerät. Zum Stichtag 28. Juni nennt Strategy Reserven von rund 2,55 Mrd. US-Dollar; die Class-A-Aktie notiert zuletzt bei 80,75 Euro, nach einem Rückgang von 39,06 Prozent seit Jahresbeginn.

Marktanalyse & Details

Was sich ändert: Digital Credit Capital Framework

Strategy hat ein sogenanntes Digital-Credit-Capital-Framework eingeführt, das fünf Bausteine bündelt: eine verbindliche USD-Reserve-Policy, eine Anpassung der Dividendenlogik bei den bevorzugten Wertpapieren, Rückkäufe der Digital-Credit-Securities, ein Programm zum Rückkauf der Class-A-Aktien sowie eine formalisierte Möglichkeit zur Monetarisierung von Bitcoin.

Damit verschiebt Strategy die Rolle von Kapitalbeschaffung: Statt primär über Ausgaben am Kapitalmarkt Bitcoin zuzukaufen, soll die Gesellschaft aktiver zwischen Emission und Rückkauf wechseln – abhängig davon, wie attraktiv die eigenen Wertpapiere bewertet sind.

Liquidität als Engpass: USD Reserve und Deckungszeit

Der neue Liquiditätspuffer ist zentral für die Planungssicherheit: Strategy beziffert die USD-Reserve zum 28. Juni auf etwa 2,55 Mrd. US-Dollar. Diese Mittel dürfen laut Policy vorrangig zur Bedienung der bevorzugten Dividenden und zur Begleichung von Zinszahlungen auf bestehende Schulden verwendet werden.

  • Erwartete jährliche Zahlungsverpflichtungen (bevorzugte Dividenden plus Zinsen): rund 1,76 bis 1,8 Mrd. US-Dollar
  • Deckung durch USD Reserve: etwa 17,4 Monate
  • Mindest-Reserve laut Policy: mindestens 12 Monate müssen abgedeckt bleiben

Dass das Unternehmen die Reserve-Logik so streng anlegt, wirkt wie ein Schutzmechanismus gegen weitere Marktverunsicherung. Für Anleger ist das relevant, weil es zeigt, dass Strategy den Dividenden- und Zinsdruck nicht nur verbal adressiert, sondern in eine messbare Liquiditätsgrenze übersetzt.

BTC-Monetarisierung: bis zu 1,25 Mrd. US-Dollar

Im Rahmen des neuen BTC-Monetization-Programms kann Strategy Bitcoin zu einem Gesamtvolumen von bis zu 1,25 Mrd. US-Dollar verkaufen. Die Erlöse sollen vor allem der USD-Reserve zufließen, um damit bevorzugte Dividenden und Zinskosten zu finanzieren sowie den Rückkaufprozess zu unterstützen.

Wichtig: Strategy verpflichtet sich nicht automatisch zum Verkauf. Das Programm kann je nach Liquiditätsbedarf, Marktbedingungen, steuerlichen und bilanziellen Faktoren sowie nach Einschätzung des Managements angepasst, ausgesetzt oder beendet werden.

Zusätzlich ordnet das Unternehmen die eigene BTC-Aktivität neu ein: In der Spanne vom 22. bis 28. Juni gab es laut den vorliegenden Angaben keine neuen Bitcoin-Käufe. Strategy hält weiterhin 847.363 Bitcoin mit einem kumulierten Kaufpreis von rund 64,10 Mrd. US-Dollar.

Buybacks: bis zu 1 Mrd. US-Dollar je Programm

Strategy hat zwei Rückkaufprogramme autorisiert: bis zu 1 Mrd. US-Dollar für bevorzugte Wertpapiere und bis zu 1 Mrd. US-Dollar für die Class-A-Aktien. Die Gesellschaft beschreibt die Rückkäufe als Teil eines aktiven Kapitalmanagements – also dann, wenn die eigenen Instrumente aus Sicht des Unternehmens attraktiv bewertet sind.

Dass Buybacks bei sinkendem Kurs gleichzeitig als Signal und als Mechanik gegen Verwässerung wirken können, ist in solchen Phasen besonders wichtig. Allerdings hängt der Effekt davon ab, ob Strategy parallel tatsächlich Kapital über Verkäufe oder andere Finanzierungswege ersetzt.

Dividendensteuerung bei den Preferreds: STRC auf 12,00%

Parallel erhöht Strategy den jährlichen Dividenden-Satz für seine Variable Rate Series A Perpetual Stretch Preferred Stock (STRC) auf 12,00%. Die Anpassung gilt für semi-monatliche Zeiträume mit Record Dates ab dem 1. Juli 2026.

Diese Maßnahme zielt laut Unternehmensangaben darauf ab, die Liquidität der Dividendenzahlung zu stärken und das Vertrauen in die Digital-Credit-Securities zu verbessern. Gleichzeitig bleibt der Zielkonflikt bestehen: Bei schwachem Bitcoin-Markt kann ein höherer Dividendenreiz allein nicht die strukturelle Finanzierungslücke schließen.

mNAV unter 1: Warum die Kritik lauter wird

Ein zentraler Auslöser der Debatte ist das eigene mNAV-Schwellen-Argument: Die Kennzahl, die auf das Verhältnis der Unternehmensbewertung zum Wert der Bitcoin-Bestände zielt, fiel zuletzt unter 1. In der Praxis bedeutet das: Der Markt bewertet Strategy zeitweise niedriger als den Bitcoin-Buchwert, der im Unternehmen gebunden ist. Das reduziert Handlungsspielräume, weil neue Kapitalaufnahme zur Fortsetzung der Strategie bei gleichzeitigem Kursdruck schwerer wird.

Analysten-Einordnung

Die Kombination aus Reserve-Policy, potenzieller BTC-Monetarisierung und Buybacks deutet darauf hin, dass Strategy den kurzfristigen Liquiditätsdruck priorisiert, um den Status der Preferred-Dividenden nicht weiter zu destabilisieren. Für Anleger bedeutet das zwar mehr Planbarkeit im Zahlungsversprechen – gleichzeitig steigt aber die Wahrscheinlichkeit, dass in Stressphasen nicht nur bilanziell, sondern real BTC verkauft wird. Genau diese Erwartung kann das Sentiment gegenüber der gesamten Bitcoin-Proxy-These beeinflussen: Wenn der Markt den Verkaufspfad als wahrscheinlicher einpreist, könnte die Class-A-Aktie stärker an die Entwicklung von Bitcoin und an die Frage gebunden bleiben, wie schnell die mNAV-Schwelle wieder stabilisiert wird.

Fazit & Ausblick

Strategy versucht, die Kluft zwischen Bitcoin-Wertbindung und Dividendenverpflichtungen über ein regelbasiertes Liquiditätskonzept zu überbrücken. Der entscheidende Prüfstein für die Class-A-Aktie dürfte sein, ob die USD-Reserve ausreichend bleibt und ob die angekündigte Disziplin bei der Kapitalemission tatsächlich dazu führt, dass Verwässerungsrisiken sinken.

In den kommenden Wochen werden Anleger vor allem darauf achten, ob und in welchem Umfang die BTC-Monetarisierung tatsächlich genutzt wird, wie sich die Rückkäufe auf das Kursbild auswirken und wie der Dividenden-Reset bei STRC ab dem 1. Juli 2026 von den Märkten aufgenommen wird.

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