Smartbroker Holding steigert operatives H1-EBITDA auf 2,2 Mio. Euro – Neukunden hinter Plan
Kurzüberblick
- Smartbroker Holding steigert den Halbjahresumsatz 2026 um 9,6 Prozent auf 35,4 Mio. Euro, bleibt damit aber knapp unter der Schätzung von 36,0 Mio. Euro.
- Das operative EBITDA nach Kundengewinnungskosten steigt von 0,1 Mio. Euro im Vorjahr auf 2,2 Mio. Euro; der Konzernfehlbetrag sinkt auf 2,9 Mio. Euro.
- Smartbroker+ wickelt 4,7 Mio. Trades ab und verwaltet 17,5 Mrd. Euro Kundenvermögen, während rund 31.000 Bruttoneukunden unter den Erwartungen bleiben.
- Smartbroker bestätigt für 2026 einen Umsatz von 67 bis 72 Mio. Euro und ein operatives EBITDA zwischen einem Verlust von 1,5 Mio. und einem Gewinn von 1,5 Mio. Euro.
Marktanalyse & Details
Operatives Ergebnis dreht deutlich ins Plus
Die Smartbroker Holding hat im ersten Halbjahr 2026 Umsatz und Ergebnis verbessert. Die Erlöse stiegen von 32,3 Mio. auf 35,4 Mio. Euro. Damit lag der Umsatz zwar unter der Schätzung von 36,0 Mio. Euro, nach Angaben des Unternehmens jedoch über dem eigenen Plan.
Besonders deutlich fiel die Verbesserung beim operativen EBITDA nach Kundengewinnungskosten aus: Die Kennzahl erhöhte sich von 0,1 Mio. auf 2,2 Mio. Euro. Der Konzernfehlbetrag verringerte sich von 5,2 Mio. auf 2,9 Mio. Euro, bleibt damit aber negativ. Die Eigenkapitalquote von 75 Prozent und liquide Mittel von 19,0 Mio. Euro geben dem Unternehmen zugleich finanziellen Spielraum für Produktentwicklung und Marketing.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Smartbroker derzeit vor allem von höherer Aktivität bestehender Kunden und der Profitabilität des Mediengeschäfts profitiert. Der Ergebnissprung ist operativ klar positiv, darf aber nicht mit einem nachhaltigen Nettogewinn gleichgesetzt werden. Für Anleger bleibt entscheidend, ob die Gesellschaft das verbesserte EBITDA halten kann, ohne dafür beim Wachstum der Kundenbasis zu stark zu bremsen.
Trading-Aktivität steigt, Neukundengewinnung bleibt Schwachstelle
Über Smartbroker+ wurden im Berichtszeitraum rund 4,7 Mio. Trades ausgeführt, mehr als 60 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Juni erreichte die Zahl der Ausführungen mit 860.000 einen Monatsrekord. Das betreute Kundenvermögen wuchs zum 30. Juni um 43 Prozent auf rund 17,5 Mrd. Euro. Im Durchschnitt entfielen damit mehr als 61.000 Euro auf einen Kunden.
Dem starken Geschäft mit Bestandskunden steht jedoch eine schwache Neukundendynamik gegenüber. Rund 31.000 Bruttoneukunden lagen unter dem für das Jahresziel erforderlichen Niveau. Zudem stiegen die Marketingkosten pro Neukunde von etwa 120 auf rund 160 Euro. Das Unternehmen hat deshalb die Marketingleitung neu besetzt und die Kanalstrategie sowie die Erfolgsmessung neu ausgerichtet. Erste Effekte werden ab September erwartet.
Zum Halbjahresende betreute die Smartbroker AG mehr als 285.000 Kunden. Die Kombination aus wachsendem Kundenvermögen und höherer Handelsaktivität stärkt die Ertragsbasis, während die Kosten für neue Kunden den Weg zur Profitabilität erschweren.
Mediengeschäft bleibt wichtigster Ertragsanker
Die Finanzportale der Gruppe erzielten im ersten Halbjahr 1,5 Mrd. Seitenaufrufe. Die monatlichen Nutzer stiegen auf 4,9 Mio., nach 4,1 Mio. im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz des Media-Geschäfts erhöhte sich auf 14,4 Mio. Euro, das EBITDA auf 3,8 Mio. Euro.
Die EBITDA-Marge verbesserte sich dabei von 23,7 auf 26,4 Prozent. Damit liefert das Mediensegment einen wesentlichen Beitrag zur Ergebnisverbesserung und kann zugleich als Reichweitenkanal für das Brokerage sowie das geplante Altersvorsorgedepot dienen.
Altersvorsorgedepot soll Wachstum ab 2027 beschleunigen
Smartbroker hat am 8. September die Voranmeldung für ein Altersvorsorgedepot gestartet. Der gesetzliche Marktstart ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen. Das Standardangebot soll dauerhaft ohne Depotgebühr, Sparplankosten und eigene Orderprovisionen auskommen. Zusätzlich ist eine Erstattung der laufenden ETF-Kosten in den Standarddepots zunächst für drei Jahre vorgesehen.
Die ETF-Kostenerstattung gilt nach den Angebotsbedingungen bis zu einem Anlagevolumen von 25.000 Euro. Für eine Fortsetzung nach dem dritten Jahr ist unter anderem eine aktive Nutzung des Hauptdepots mit mindestens 15 Trades pro Kalenderjahr erforderlich. In der freien Depotvariante tragen Kunden die laufenden Produktkosten selbst; marktübliche Spreads und mögliche Zuwendungen bleiben ebenfalls bestehen.
Mit drei standardisierten Weltindex-Varianten und einer freien Auswahl positioniert sich Smartbroker im entstehenden Wettbewerb preisaggressiv. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass das Altersvorsorgedepot zwar ein starkes Akquisitionsargument werden kann, die Gebührenfreiheit aber zugleich den Margendruck im Brokerage erhöht. Der Erfolg wird daher nicht allein von niedrigen Preisen, sondern von der Fähigkeit abhängen, daraus dauerhaft Kunden und profitables Handelsvolumen zu gewinnen.
PFOF-Verzicht belastet die Prognose nicht zusätzlich
Seit dem 1. Juli 2026 verzichtet Smartbroker auf Erlöse aus Zahlungen für die Weiterleitung von Orderaufträgen. Nach Unternehmensangaben wird der Ergebniseffekt durch früh eingeleitete Kostenoptimierungen weitgehend ausgeglichen. Der Wegfall erklärt zugleich, warum die Jahresprognose trotz des höheren Handelsvolumens kein Umsatzwachstum vorsieht.
Die Aktie notierte am 9. September 2026 um 16:02 Uhr bei 8,02 Euro und lag damit 4,43 Prozent im Tagesplus. Seit Jahresbeginn hat der Kurs jedoch 45,26 Prozent verloren. Die positive Tagesreaktion ändert damit wenig am übergeordneten Vertrauensproblem, das sich aus der schwachen Kursentwicklung und der noch nicht gelösten Neukundengewinnung ergibt.
Fazit & Ausblick
Smartbroker Holding liefert im ersten Halbjahr einen operativen Fortschritt: Das EBITDA steigt deutlich, das Mediengeschäft wächst profitabel und Smartbroker+ profitiert von aktiven Bestandskunden. Gleichzeitig bleibt die Neukundengewinnung der zentrale Risikofaktor. Für das zweite Halbjahr müssen die neue Marketingorganisation, die geplanten Produktneuerungen und die Kampagnen zum Altersvorsorgedepot die Akquisitionsdynamik verbessern. Die bestätigte Prognose von 67 bis 72 Mio. Euro Umsatz und einem operativen EBITDA zwischen minus 1,5 Mio. und plus 1,5 Mio. Euro bleibt erreichbar, lässt aber nur begrenzten Spielraum für weitere Verzögerungen beim Kundenwachstum.
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