Salesforce dreht die KI-Erzählung: Agentforce-ARR steigt um 240 Prozent

Salesforce Inc. AI Generated

Kurzüberblick

  • Salesforce übertraf die Erwartungen im zweiten Quartal nur knapp, während ein unrealisierter Bewertungsgewinn von 2,7 Mrd. USD aus der Anthropic-Beteiligung das Ergebnis stützte.
  • Der jährlich wiederkehrende Umsatz von Agentforce stieg binnen eines Jahres um 240 Prozent auf mehr als 1,5 Mrd. USD.
  • Salesforce hob den Umsatzausblick für FY2027 auf bis zu 46,4 Mrd. USD an; die verbleibenden Leistungsverpflichtungen legten um 14 Prozent zu.
  • Nach einem Kurssprung von 22,6 Prozent infolge der Quartalszahlen notierte die Aktie am 1. September bei 220,05 Euro und damit 0,86 Prozent im Tagesminus.

Marktanalyse & Details

Salesforce stellt sich gegen das KI-Verdrängungsszenario

Die Salesforce-Aktie steht exemplarisch für die Neubewertung von Softwareunternehmen im Zeitalter künstlicher Intelligenz. Über Monate belastete die These, KI-Agenten könnten menschliche Nutzer ersetzen, Sitzplatz-basierte Abonnements entwerten und viele klassische Unternehmensprogramme überflüssig machen. Der Quartalsbericht von Salesforce liefert nun Argumente für eine differenziertere Betrachtung.

Das zweite Quartal war operativ solide, aber nicht in jeder Hinsicht spektakulär. Bereinigt um einen unrealisierten Bewertungsgewinn von 2,7 Mrd. USD aus der Anthropic-Beteiligung fiel der Abstand zu den Erwartungen gering aus. Entscheidend war deshalb weniger der reine Ergebnisüberraschungseffekt als der Ausblick auf die künftige Nachfrage.

Agentforce wächst schnell, bleibt aber noch ein kleinerer Baustein

Der jährlich wiederkehrende Umsatz von Agentforce erhöhte sich im Jahresvergleich um 240 Prozent auf mehr als 1,5 Mrd. USD. Damit gewinnt das Geschäft mit KI-Agenten deutlich an Dynamik. Gleichzeitig ist die Größenordnung im Verhältnis zum gesamten Salesforce-Konzern noch begrenzt. Für die Investmentthese kommt es daher darauf an, ob Agentforce dauerhaft als Zusatzverkauf wächst oder bestehende CRM-Umsätze verdrängt.

  • Die Bereiche Sales, Service und Slack verzeichneten weiterhin Wachstum gegenüber dem Vorjahr.
  • Der Netto-Neuauftragswert erreichte den höchsten Stand seit vier Jahren.
  • Die aktuellen verbleibenden Leistungsverpflichtungen stiegen um 14 Prozent und geben Einblick in die künftige Umsatzbasis.
  • Für FY2027 erwartet Salesforce nun bis zu 46,4 Mrd. USD Umsatz.

Anthropic-Partnerschaft stärkt die Plattformstrategie

Mit Claudeforce soll das KI-Modell Claude direkt in CRM-Arbeitsabläufe integriert werden. Die vertiefte Zusammenarbeit mit Anthropic zielt damit nicht auf eine Ablösung der Salesforce-Plattform, sondern auf deren Erweiterung. Genau diese Kombination aus proprietären Kundendaten, bestehenden Workflows und zusätzlichen KI-Funktionen ist der Kern der aktuellen Gegenargumentation zum Software-Verdrängungsszenario.

Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass der Markt inzwischen stärker zwischen verschiedenen Software-Geschäftsmodellen unterscheidet. Sicherheits- und Datenanbieter profitieren unmittelbar von steigenden KI-Risiken, während Plattformanbieter wie Salesforce ihre Produkte aktiv umbauen müssen. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass nicht allein das KI-Wachstum zählt, sondern vor allem dessen Wirkung auf Vertragsvolumen, Kundenbindung und wiederkehrende Umsätze. Das Plus von 240 Prozent bei Agentforce ist ein starkes Signal, stammt jedoch von einer noch vergleichsweise kleinen Basis. Der nur knappe bereinigte Quartals-Beat bleibt deshalb ein wichtiger Gegenpol zur positiven Wachstumsstory.

Bewertung und Kursentwicklung

Die Aktie stieg am Tag nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen um 22,6 Prozent. Am 1. September um 11:55 Uhr kostete sie an der Lang & Schwarz Exchange 220,05 Euro, mit einem Tagesminus von 0,86 Prozent und einer Jahresperformance von minus 2,83 Prozent. Trotz der Erholung liegt der Kurs weiterhin rund 30 Prozent unter dem Rekordhoch aus dem Jahr 2024.

Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für das kommende Jahr erhöhte sich durch die Rally von 13 auf 16. Damit liegt Salesforce weiterhin unter dem erwarteten KGV des S&P 500 von 19. Der Bewertungsabschlag könnte weiteres Aufholpotenzial signalisieren, setzt aber voraus, dass sich das Umsatzwachstum tatsächlich beschleunigt und die höheren KI-Investitionen in profitable Zusatzumsätze umschlagen.

Fazit & Ausblick

Salesforce hat die KI-Debatte mit dem Quartalsbericht nicht endgültig entschieden, aber die eigene Position deutlich verbessert. Die nächsten wichtigen Prüfsteine sind die Entwicklung der Agentforce-Verträge, das Wachstum der verbleibenden Leistungsverpflichtungen und die kommenden Quartalszahlen. Zusätzliche Aufmerksamkeit dürfte der für Oktober erwartete Dreamforce-Kongress auf die KI-Produktstrategie und mögliche neue Kunden- oder Umsatzimpulse lenken.

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