Pyrum treibt Tyre-to-Tyre-Projekt vor: Altreifen werden in Europa zu rCB und TPO

Pyrum Innovations AG AI Generated

Kurzüberblick

Pyrum Innovations treibt gemeinsam mit Pirelli, Synthos und BASF ein europaweites „Tyre-to-Tyre“-Projekt voran. Die Partner wollen Alt- und Ausschussreifen in recycelte Rohstoffe umwandeln, die anschließend wieder in die Herstellung neuer Produkte zurückfließen – mit dem Ziel, die Abhängigkeit von neuen (virgin) Rohstoffen zu reduzieren.

Das Projekt startet in Europa; gesammelte Altreifen (u. a. aus Deutschland) sowie Ausschussreifen aus dem Umfeld der Produktion werden in eine industrielle Prozesskette eingebunden. Pyrum liefert dabei den entscheidenden Schritt: Über Pyrolyse entstehen zwei Sekundärrohstoffe (Recovered Carbon Black, rCB, sowie Reifenpyrolyseöl, TPO), die über mehrere Stationen bis hin zu neuen Reifenkomponenten zurückgeführt werden. Für Pyrum-Aktionäre ist das Vorhaben auch vor dem Börsenhintergrund relevant: Die Aktie notiert aktuell bei 24,80 EUR (+0,81% am Tag), während die Entwicklung seit Jahresbeginn bei -11,43% liegt.

Marktanalyse & Details

Industrie-Ökosystem und Materialfluss

Die Initiative setzt nicht auf „ein Unternehmen ersetzt ein anderes“, sondern auf einen abgestimmten Kreislauf entlang einer Wertschöpfungskette. Kerngedanke: Altreifen sollen ihren inneren Materialwert möglichst vollständig behalten und als zertifizierte Inputs in neue Herstellprozesse zurückkehren.

  • Sammlung & Aufbereitung: Nutzung von Altreifen aus Deutschland sowie Ausschussreifen aus der Pirelli-Umgebung.
  • Pyrum-Zwischenprodukte: Umwandlung per Pyrolyse (thermische Zersetzung ohne Sauerstoff) in rCB und TPO.
  • Weiterverarbeitung: rCB wird aufbereitet und in der europäischen Produktion von Pirelli als teilweiser Ersatz für neuen Ruß eingesetzt; TPO wird an BASF geliefert.
  • Zurück in den Reifen: BASF speist TPO (zusammen mit fossilen Feedstocks) in chemische Produktionsprozesse ein; Synthos nutzt die Zirkular-Komponenten zur Herstellung von ISCC-PLUS-zertifiziertem Synthesekautschuk, den Pirelli wieder in die Reifenfertigung zurückführt.

Rolle von Pyrum: Pyrolyse, rCB & TPO unter Zertifizierung

Für Pyrum ist besonders die Kombination aus technologischer Umwandlung und Zertifizierungslogik zentral. Die Sekundärrohstoffe werden dem ISCC-PLUS-Umfeld zugeordnet, sodass Rückverfolgbarkeit entlang der Kette möglich ist. Das schafft eine Voraussetzung dafür, dass recycelte Inputs nicht nur technisch nutzbar sind, sondern auch bei Abnehmern in ein regulatorisch und markenseitig akzeptiertes Produktlabeling eingebettet werden können.

Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Pyrum verstärkt von „Komponentenlogik“ statt reiner Entsorgungs-/Recyclingbetrachtung profitieren will. Für Anleger bedeutet die Struktur vor allem potenziell stabilere Abnehmerpfade entlang mehrerer Wertschöpfungsstufen. Gleichzeitig bleibt der entscheidende Prüfstein die Skalierung: Ob rCB- und TPO-Inputs dauerhaft wirtschaftlich konkurrenzfähig bleiben (gegenüber virgin-Alternativen) und ob die verfügbaren Mengen schrittweise in einem Rhythmus wachsen, der die Auslastung und Margen von Pyrum stützt.

Warum das für den Markt relevant ist

Die Reifenindustrie steht unter Druck, Kreislaufanteile messbar zu erhöhen. Das Projekt adressiert dabei zwei typische Hürden: erstens die technische Wiederverwendbarkeit (von Altreifen zurück in Produktbestandteile) und zweitens die Nachweisbarkeit über Zertifizierung und Rückverfolgbarkeit.

Mit dem „Tyre-to-Tyre“-Ansatz wird zudem ein klares Signal gesetzt: Kreislaufwirtschaft gelingt in der Praxis am ehesten über integrierte Industrieverbünde, in denen jeder Partner einen spezifischen Teil der Transformation übernimmt.

Fazit & Ausblick

Das „Tyre-to-Tyre“-Projekt schafft für Pyrum eine strategisch belastbare Position innerhalb eines europäischen Kreislaufnetzwerks – insbesondere, weil Pyrolyse-Ergebnisse (rCB und TPO) direkt in die Fertigungslogik großer Industriepartner zurückgespeist werden sollen. Anleger sollten in den kommenden Unternehmensupdates vor allem auf Hinweise zu Kapazitätsausbau, verbindlichen Mengen-/Abnahmebedingungen sowie der wirtschaftlichen Einordnung der zertifizierten Sekundärrohstoffe achten.

Als nächster Impuls für die Bewertung dürfte der Blick auf die nächsten Quartalsberichte und operative Projektmeilensteine gelten – dort entscheidet sich, ob der Verbundansatz schon kurzfristig in greifbaren Kennzahlen (Auslastung, Ertragspotenzial) sichtbar wird.

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