Oracle übertrifft Q1-Erwartungen: KI-Cloud treibt Rekordumsatz und hebt FY27-Ausblick
Kurzüberblick
- Oracle steigert den Umsatz im ersten Geschäftsquartal um 30 Prozent auf 19,35 Milliarden US-Dollar.
- Der bereinigte Gewinn je Aktie erreicht 1,92 US-Dollar und übertrifft die Erwartung von 1,74 US-Dollar.
- Der Cloud-Umsatz wächst um 62 Prozent, während die Cloud-Infrastruktur um 121 Prozent zulegt.
- Oracle hebt die Prognose für das Geschäftsjahr 2027 auf mindestens 90 Milliarden US-Dollar Umsatz und 8,10 US-Dollar bereinigten Gewinn je Aktie an.
Marktanalyse & Details
KI-Cloud treibt Umsatz und Gewinn
Oracle hat im ersten Geschäftsquartal den Umsatz auf 19,35 Milliarden US-Dollar erhöht. Das entspricht einem Wachstum von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und lag über der Markterwartung von 19,13 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie betrug 1,92 US-Dollar nach erwarteten 1,74 US-Dollar. Auf GAAP-Basis erzielte Oracle 1,56 US-Dollar je Aktie.
Der GAAP-Nettogewinn stieg auf 4,70 Milliarden US-Dollar und damit um 60 Prozent. Das bereinigte Nettoergebnis erhöhte sich um 34 Prozent auf 5,80 Milliarden US-Dollar. Wichtigster Wachstumstreiber war das Cloud-Geschäft: Der gesamte Cloud-Umsatz wuchs um 62 Prozent auf 11,6 Milliarden US-Dollar. Die Cloud-Infrastruktur legte sogar um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden US-Dollar zu.
Auftragsbestand erreicht Rekordniveau
Oracles verbleibende Leistungsverpflichtungen, kurz RPO, stiegen um 209 Milliarden US-Dollar auf den Rekordwert von 664 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen erwartet, dass etwa die Hälfte dieses Volumens innerhalb der kommenden 36 Monate als Umsatz verbucht wird. Im ersten Quartal schloss Oracle zudem zusätzliche KI-Verträge im Wert von mehr als 30 Milliarden US-Dollar ab, ohne dafür weiteres Kapital bereitstellen zu müssen.
Die operative Umsetzung beschleunigt sich ebenfalls. Seit dem Ende des vierten Quartals hat Oracle 850 Megawatt KI-Kapazität mit mehr als 300.000 Grafikprozessoren an Kunden geliefert. Allein im ersten Quartal lag die Auslieferung nahezu dreimal so hoch wie im gesamten vierten Quartal und entsprach 73 Prozent der im vergangenen Geschäftsjahr ausgelieferten Kapazität.
Höhere Prognose, aber steigender Kapitalbedarf
Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet Oracle nun mindestens 90 Milliarden US-Dollar Umsatz sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von 8,10 US-Dollar. Für das zweite Quartal stellt der Konzern ein Umsatzwachstum von 30 bis 34 Prozent und einen bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 1,85 und 1,93 US-Dollar in Aussicht.
Parallel bekräftigte Oracle seine Investitionsplanung von 90 bis 95 Milliarden US-Dollar für das Geschäftsjahr 2027. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Investitionen nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt anfallen werden. Die Bruttomarge ging wie erwartet zurück, weil der Ausbau der Rechenzentren und der wachsende Anteil infrastrukturlastiger Umsätze zunächst auf die Profitabilität drücken.
Oracle hat außerdem eine zuvor angekündigte Aktienemission am Markt im Umfang von 20 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal vollständig abgeschlossen. Diese Maßnahme stärkt zwar die Finanzierung der KI-Expansion, kann für bestehende Aktionäre jedoch eine Verwässerung bedeuten.
Analysten-Einordnung
Dies deutet darauf hin, dass Oracle die Nachfrage nach KI-Rechenleistung zunehmend in konkrete Verträge, Kapazitäten und Umsätze umwandelt. Der hohe RPO-Bestand verbessert die Visibilität, ist aber noch kein bereits realisierter Umsatz. Entscheidend wird daher sein, wie schnell Oracle die Aufträge in Erlöse überführt und gleichzeitig die Margen trotz des massiven Investitionsprogramms stabilisiert.
Für Anleger bedeutet diese Entwicklung ein zweischneidiges Bild: Die Cloud-Dynamik und die angehobene Prognose sprechen für eine stärkere Wachstumsphase. Dem stehen hohe Investitionen, der Rückgang der Bruttomarge und die abgeschlossene Aktienemission gegenüber. Zum angegebenen Kurszeitpunkt am 10. September 2026 notierte die Oracle-Aktie bei 139,72 Euro, mit einem Tagesplus von 0,26 Prozent. Seit Jahresbeginn lag sie damit noch 15,89 Prozent im Minus.
Fazit & Ausblick
Oracle liefert mit kräftigem Cloud-Wachstum, einem deutlich übertroffenen Gewinn und einer angehobenen Jahresprognose ein überzeugendes Quartal ab. Der nächste wichtige Prüfstein ist das zweite Geschäftsquartal: Dann muss der Konzern zeigen, dass die hohe Auftragsbasis tatsächlich in Umsatzwachstum umschlägt und die Belastungen durch Rechenzentrumsinvestitionen unter Kontrolle bleiben.
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