Oracle muss KI-Wette beweisen: 638 Mrd. Dollar Auftragsbestand und 23,7 Mrd. Cash-Burn

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Kurzüberblick

  • Oracle legt am 10. September nach Börsenschluss die Zahlen für das August-Quartal vor.
  • Im Fokus stehen vertraglich gebundene Umsätze von 638 Mrd. US-Dollar und ein diskutierter Cash-Burn von 23,7 Mrd. US-Dollar.
  • Oracle baut seine KI-Infrastruktur massiv aus und plant für das Geschäftsjahr 2027 Investitionen von rund 95 Mrd. US-Dollar.
  • Die Aktie notiert am 7. September bei 138,02 Euro und liegt seit Jahresbeginn 16,92 Prozent im Minus.

Marktanalyse & Details

Quartalszahlen werden zum Belastungstest für die KI-Strategie

Oracle steht vor einem entscheidenden Termin: Am Donnerstag, dem 10. September, will der Software- und Cloudkonzern nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen veröffentlichen. Anleger richten ihren Blick dabei weniger auf die klassischen Datenbankerlöse als auf Oracle Cloud Infrastructure, den Ausbau der KI-Rechenzentren und die Finanzierung dieses Wachstums.

Die Aktie stieg am 7. September im europäischen Handel um 0,89 Prozent auf 138,02 Euro. Seit Jahresbeginn steht jedoch ein Minus von 16,92 Prozent zu Buche. Die verhaltene Jahresbilanz spiegelt den Zielkonflikt wider: Oracle meldet starkes Cloud-Wachstum, muss dafür aber hohe Investitionen, zusätzliche Verschuldung und einen erheblichen Mittelabfluss schultern.

638 Mrd. Dollar Auftragsbestand sind kein sofortiger Umsatz

Ein zentraler Prüfstein ist der Auftragsbestand von 638 Mrd. US-Dollar, der im Oracle-Kontext als Remaining Performance Obligations bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um vertraglich zugesagte Leistungen, nicht um Umsatz, der kurzfristig vollständig in der Gewinn- und Verlustrechnung ankommt. Entscheidend ist daher, wie schnell Oracle die vereinbarten Cloud- und Infrastrukturleistungen bereitstellen und in Erlöse umwandeln kann.

Dem langfristigen Umsatzpotenzial steht ein Cash-Burn von 23,7 Mrd. US-Dollar gegenüber, der im aktuellen Anlegerfokus steht. Oracle finanziert den Ausbau seiner KI-Infrastruktur zudem über Fremd- und Eigenkapital: Im Geschäftsjahr 2026 nahm der Konzern rund 43 Mrd. US-Dollar an zusätzlicher Verschuldung auf. Für das Geschäftsjahr 2027 sind weitere rund 40 Mrd. US-Dollar über eine Kombination aus Schulden und Eigenkapital vorgesehen.

Cloud-Wachstum liefert die bullische Gegenthese

Operativ gibt es Argumente für eine Fortsetzung der Wachstumsstory. Oracle Cloud Infrastructure legte im jüngsten Geschäftsjahresquartal währungsbereinigt um 93 Prozent zu. Für das August-Quartal wurde beim Cloud-Umsatz eine Wachstumsbandbreite von 58 bis 65 Prozent in Aussicht gestellt. Morgan Stanley hält ein Wachstum von 63 Prozent für erreichbar und verweist dabei auf die Nachfrage nach GPU-as-a-Service, also der Vermietung von KI-Rechenleistung.

  • Oracle könnte von höheren Preisen für KI-Infrastruktur und der anhaltend starken Nachfrage nach Rechenkapazität profitieren.
  • Das Wachstum der abgegrenzten Umsätze im Cloud-Anwendungsbereich übertraf zuletzt zweimal in Folge das ausgewiesene Umsatzwachstum.
  • Die Buchungen bei NetSuite beschleunigten sich zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres.
  • Das Gesundheitsinformationsgeschäft Cerner zeigt laut Analysteneinschätzung Anzeichen einer Rückkehr zum Wachstum.

Hohe Investitionen erhöhen die Anforderungen an den Cashflow

Oracle plant für das Geschäftsjahr 2027 Investitionen von rund 95 Mrd. US-Dollar, vor allem in Rechenzentren und KI-Kapazitäten. Damit muss der Konzern nicht nur neue Kunden gewinnen, sondern auch beweisen, dass die Infrastruktur schnell genug ausgelastet wird. Verzögerungen beim Bau von Rechenzentren oder eine langsamere Umwandlung des Auftragsbestands in Umsatz könnten die Profitabilität und den freien Cashflow erheblich belasten.

Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass der Markt am Donnerstag einen Dreifachbeleg erwartet: starkes OCI-Wachstum, eine nachvollziehbare Umwandlung des Auftragsbestands in künftige Erlöse und einen glaubwürdigen Finanzierungsplan. Bernstein sieht Oracle in einer frühen Investitionsphase und bewertet die Aktie mit Outperform sowie einem Kursziel von 325 US-Dollar. Morgan Stanley und Piper Sandler erkennen ebenfalls Aufwärtspotenzial bei Cloud-Umsatz und Software-as-a-Service, verweisen aber auf die zeitliche Unsicherheit zwischen Infrastrukturinvestitionen und deren Erlösbeitrag. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass ein gutes Cloud-Wachstum allein möglicherweise nicht ausreicht: Ebenso wichtig sind Aussagen zu Kapitalausgaben, Verschuldung, freiem Cashflow und zur Auslastung der neuen Rechenzentren.

Fazit & Ausblick

Die Oracle-Zahlen am 10. September dürften die Debatte über die KI-Wette des Konzerns verschärfen. Ein überzeugender Ausblick auf OCI, steigende Margen und eine bessere Cashflow-Perspektive könnte den Bewertungsdruck mindern. Bleibt Oracle dagegen konkrete Fortschritte bei der Monetarisierung des 638-Mrd.-Dollar-Auftragsbestands schuldig, dürfte der hohe Investitions- und Finanzierungsbedarf die Aktie erneut anfällig für starke Schwankungen machen.

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