Oracle-Aktie vor Quartalszahlen: Bernstein sieht 325 US-Dollar dank KI-Investitionszyklus
Kurzüberblick
- Bernstein bestätigt für Oracle die Einstufung „Outperform“ und ein Kursziel von 325 US-Dollar.
- Oracle Cloud Infrastructure wuchs im jüngsten Geschäftsjahresquartal währungsbereinigt um 93 Prozent und soll im Geschäftsjahr 2027 weiter beschleunigen.
- Der geplante Kapitaleinsatz von 95 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2027 macht Finanzierung, Cashflow und Verschuldung zum entscheidenden Risiko.
- Oracle veröffentlicht am 8. September die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027; die Aktie liegt in Euro seit Jahresbeginn 23,86 Prozent im Minus.
Marktanalyse & Details
Bernstein setzt auf den KI-Investitionszyklus
Bernstein-Analyst Mark Moerdler sieht Oracle am Beginn eines umfangreichen Investitionszyklus, der Umsatz, Ergebnis und freien Cashflow deutlich beschleunigen könnte. Seine These: Oracle könnte sich langfristig zum drittgrößten Hyperscaler hinter den führenden Cloud-Anbietern entwickeln. Das Kursziel von 325 US-Dollar basiert auf einem Ausgangskurs von 145,30 US-Dollar und signalisiert damit mehr als eine Verdopplung, falls sich die Erwartungen erfüllen.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Bernstein die derzeit hohen Investitionen nicht primär als Belastung, sondern als Vorleistung für einen größeren Cloud- und KI-Umsatz betrachtet. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung jedoch keinen risikofreien Aufwärtstrend: Das Kursziel hängt entscheidend davon ab, dass Oracle die zusätzliche Rechenzentrumskapazität rechtzeitig in Umsatz und Cashflow umwandelt.
OCI liefert den zentralen Wachstumstreiber
Oracle Cloud Infrastructure, kurz OCI, legte im zuletzt gemeldeten vierten Geschäftsquartal währungsbereinigt um 93 Prozent zu. Nach Einschätzung des Analysten wächst das Segment damit schneller als der Konzernumsatz und könnte im Geschäftsjahr 2027 weiter an Dynamik gewinnen. Zugleich verschiebt sich der Umsatzmix: Rückläufige Lizenzgeschäfte verlieren an Gewicht, während wachstumsstärkere Cloud- und Software-as-a-Service-Angebote wie Fusion und NetSuite einen größeren Anteil einnehmen.
Diese Mischung verbessert grundsätzlich die langfristige Wachstumsperspektive, erhöht aber zunächst den Investitionsbedarf. OCI erzielt zudem niedrigere Bruttomargen als etablierte Softwarebereiche. Oracle muss daher beweisen, dass das höhere Volumen langfristig die Margenbelastung ausgleichen kann.
Finanzierung bleibt der entscheidende Prüfstein
Oracle plant im Geschäftsjahr 2027 Investitionen von rund 95 Milliarden US-Dollar. Im Geschäftsjahr 2026 nahm der Konzern bereits 43 Milliarden US-Dollar über Fremdfinanzierung auf. Für das Geschäftsjahr 2027 sind weitere rund 40 Milliarden US-Dollar aus einer Kombination von Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung vorgesehen.
- Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen belaufen sich auf 638 Milliarden US-Dollar und bilden einen erheblichen Auftragsbestand.
- Entscheidend ist, wie schnell dieser Auftragsbestand als Umsatz verbucht wird und wann daraus tatsächlich liquide Mittel entstehen.
- Bernstein erwartet, dass sich Oracles zusätzlicher Finanzierungsbedarf demnächst dem Ende nähert.
Die hohe Verschuldung und der Umfang der geplanten Investitionen erklären, warum die Aktie trotz des Cloud-Wachstums umstritten und volatil bleibt. Der in Euro ausgewiesene Kurs liegt aktuell bei 126,48 Euro und damit seit Jahresbeginn 23,86 Prozent niedriger. Ein direkter Vergleich mit dem Kursziel in US-Dollar ist wegen Wechselkurseffekten allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig.
Regulatorische und operative Risiken
Neben der Bilanz steht auch Oracles Lizenzpolitik unter Beobachtung europäischer Wettbewerbsbehörden. Derzeit läuft nach vorliegenden Angaben keine formale Untersuchung gegen das Unternehmen; Behörden sammeln zunächst Informationen von Marktteilnehmern. Sollte daraus ein Verfahren entstehen, könnten Zugangs- und Vertragsbedingungen im Cloud-Geschäft zusätzlichen Druck erzeugen.
Operativ baut Oracle seine KI-Infrastruktur zugleich weiter aus. Eine vertiefte Zusammenarbeit mit HPE soll die Netzwerkinfrastruktur in Oracles KI-Rechenzentren skalieren. Das stärkt die technische Basis für OCI, ändert aber nichts daran, dass die Kapitalbindung und die Monetarisierung der Kapazitäten die wichtigsten Bewertungsfragen bleiben.
Fazit & Ausblick
Das Bernstein-Kursziel von 325 US-Dollar ist vor allem eine Wette auf eine erfolgreiche Umwandlung des KI-Investitionszyklus in profitables Cloud-Wachstum. Die Zahlen am 8. September werden zeigen, ob OCI weiter schneller wächst, wie sich die Margen entwickeln und ob Oracle beim Cashflow Fortschritte macht. Bleibt die Finanzierungslast hoch oder verzögert sich die Umwandlung des Auftragsbestands in Umsatz, dürfte das ambitionierte Kursziel unter Druck geraten.
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