Oracle-Aktie steigt nach Q1-Zahlen: KI-Cloud treibt Umsatz und hebt FY27-Prognose

Oracle Corp AI Generated

Kurzüberblick

  • Oracle steigerte den Umsatz im fiskalischen ersten Quartal um 30 Prozent auf 19,3 Milliarden US-Dollar.
  • Der Umsatz mit Cloud-Infrastruktur sprang dank der KI-Nachfrage um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden US-Dollar.
  • Der vertraglich gesicherte Auftragsbestand erreichte 664 Milliarden US-Dollar, nachdem Oracle mehr als 30 Milliarden US-Dollar an neuen KI-Verträgen abschloss.
  • Oracle hob die Prognose für das Geschäftsjahr 2027 auf mindestens 90 Milliarden US-Dollar Umsatz und 8,10 US-Dollar bereinigten Gewinn je Aktie an.

Marktanalyse & Details

Oracle übertrifft die Erwartungen deutlich

Oracle hat am 10. September starke Zahlen für das fiskalische erste Quartal vorgelegt. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 19,3 Milliarden US-Dollar und lag damit über der Markterwartung von 19,14 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 1,92 US-Dollar und übertraf die Prognose von 1,74 US-Dollar. Auf GAAP-Basis verdiente Oracle 1,56 US-Dollar je Aktie. Der Nettogewinn erhöhte sich um 60 Prozent auf 4,70 Milliarden US-Dollar.

Zum wichtigsten Wachstumstreiber entwickelte sich erneut das Cloud-Geschäft. Der gesamte Cloud-Umsatz legte um 62 Prozent auf 11,6 Milliarden US-Dollar zu. Besonders dynamisch wuchs die Cloud-Infrastruktur, deren Umsatz um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden US-Dollar stieg. Damit übertraf Oracle auch die Schätzung von 7,19 Milliarden US-Dollar.

KI-Aufträge treiben den Auftragsbestand

Der vertraglich gesicherte Auftragsbestand, bei Oracle als Remaining Performance Obligations bezeichnet, stieg auf den Rekordwert von 664 Milliarden US-Dollar. Allein im ersten Quartal schloss der Konzern zusätzliche KI-Cloud-Verträge im Volumen von mehr als 30 Milliarden US-Dollar ab. Oracle erwartet, etwa die Hälfte des aktuellen Auftragsbestands innerhalb der nächsten 36 Monate als Umsatz zu verbuchen.

Für die operative Umsetzung meldete Oracle die Auslieferung von 850 Megawatt KI-Kapazität mit mehr als 300.000 Grafikprozessoren seit dem Ende des vorherigen Quartals. Die im ersten Quartal ausgelieferte Kapazität lag dabei nahezu dreimal so hoch wie im gesamten vierten Quartal.

Cashflow bleibt der entscheidende Prüfstein

Die Wachstumsbeschleunigung geht weiterhin mit hohen Investitionen einher. Oracle investierte im ersten Quartal 28,5 Milliarden US-Dollar in Sachanlagen und hält für das Geschäftsjahr 2027 an einem Investitionsrahmen von 90 bis 95 Milliarden US-Dollar fest. Rund 11,36 Milliarden US-Dollar der Quartalsinvestitionen wurden nach Unternehmensangaben durch Vorauszahlungen von Kunden finanziert.

Der freie Cashflow lag bei minus 5,40 Milliarden US-Dollar und damit deutlich besser als der erwartete negative Wert von 9,56 Milliarden US-Dollar. Der operative Cashflow erreichte zugleich den Rekordwert von 23,0 Milliarden US-Dollar. Oracle schloss außerdem die bereits angekündigte Platzierung von Eigenkapital im Umfang von 20 Milliarden US-Dollar vollständig ab. Diese Maßnahme stärkt die Finanzierung der Expansion, kann bestehende Aktionäre durch eine höhere Aktienzahl jedoch verwässern.

Die Bruttomarge geriet wie erwartet unter Druck, weil der Ausbau der Rechenzentren und das Infrastrukturgeschäft geringere Margen als klassische Softwareprodukte aufweisen. Genau hier liegt das zentrale Spannungsfeld der Oracle-Story: Der Umsatz wächst sehr schnell, doch die Kapitalintensität des KI-Geschäfts verändert die bisherige Cashflow-Struktur des Konzerns.

Analysten-Einordnung und Marktreaktion

Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Oracle bei der Umwandlung des KI-Auftragsbestands in tatsächliche Erlöse Fortschritte macht und die Nachfrage nicht mehr ausschließlich von einzelnen Großkunden abhängt. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung zunächst eine bessere Visibilität beim künftigen Umsatz. Entscheidend bleibt jedoch, ob Vorauszahlungen und kundenseitige Hardwarebeiträge den hohen Kapitalbedarf dauerhaft abfedern. Sollten sich Rechenzentrumsprojekte verzögern oder die Margen stärker sinken, könnte der positive Effekt des Auftragsbestands auf Gewinn und freien Cashflow geringer ausfallen als erhofft.

Nach dem regulären Handel legte die Oracle-Aktie zeitweise um rund sechs Prozent zu, nachdem sie im Börsenhandel zuvor deutlich nachgegeben hatte. In der Euro-Notierung lag der Kurs am 11. September um 11:15 Uhr bei 139,88 Euro und damit 0,11 Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn bleibt die Aktie mit 15,8 Prozent im Minus. Die Quartalszahlen liefern somit ein mögliches Signal für eine Trendwende, beseitigen die Sorgen über Verschuldung, Verwässerung und Investitionsrisiken aber noch nicht vollständig.

Fazit & Ausblick

Oracle erwartet für das Geschäftsjahr 2027 nun mindestens 90 Milliarden US-Dollar Umsatz und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 8,10 US-Dollar, nach zuvor 8,05 US-Dollar. Für das zweite Quartal stellt der Konzern ein Umsatzwachstum von 30 bis 34 Prozent sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 1,85 und 1,93 US-Dollar in Aussicht. Im weiteren Jahresverlauf sollten Anleger vor allem auf die tatsächliche Umwandlung des Auftragsbestands, den freien Cashflow und die Entwicklung der Bruttomarge achten. Im Oktober will Oracle zudem einen neuen Beschleuniger für agentische KI-Anwendungen vorstellen.

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