OHB meldet Rekord-Auftragsbestand: Q2-Umsatz steigt, Verlust bleibt – Guidance 2026 für EBITDA-Marge bestätigt

OHB SE

Kurzüberblick

OHB SE hat die Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 sowie die ersten sechs Monate vorgelegt: Der Umsatz legte im zweiten Quartal um 7% auf knapp 329 Mio. Euro zu. Operativ konnte das Unternehmen seine Profitabilität ausbauen, während auf der letzten Linie ein Verlust von rund 5 Mio. Euro anfiel. Der Auftragseingang zeigt laut Management weiter Dynamik, mit einem erwarteten Höhepunkt im zweiten Halbjahr.

Ende Juni belief sich der Auftragsbestand auf 3,3 Mrd. Euro (knapp +8% zum Vorjahr). Für das Gesamtjahr bestätigt OHB die Zielspanne einer bereinigten EBITDA-Marge von (10,5 bis 11,0)%. An der Börse stand die Aktie am 07.08.2026 bei 240,50 Euro und damit 1,69% fester; seit Jahresbeginn liegt sie bei +109,59%.

Marktanalyse & Details

Quartals- und Halbjahreszahlen: Wachstum bei gleichzeitigem Ergebnissdruck

Für die ersten sechs Monate steigerte OHB die Gesamtleistung deutlich: Die Umsatzerlöse kletterten auf 627,9 Mio. Euro (+11%), die bereinigte EBITDA stieg um 31% auf 60,4 Mio. Euro. Auch das bereinigte EBIT nahm um 46% auf 38,9 Mio. Euro zu.

Im zweiten Quartal zeigte sich das Bild noch klarer auf der Umsatzseite: Der Umsatz lag bei 329,2 Mio. Euro nach 307,7 Mio. Euro im Vorjahresquartal (+7%). Die bereinigte EBITDA belief sich auf 33,0 Mio. Euro (Vorjahr: 25,9 Mio. Euro). Währenddessen belasteten jedoch nicht auf gleicher Linie mitgewachsene Posten das Nettoergebnis: Das EBT lag bei (minus) 5,9 Mio. Euro, der Periodenüberschuss bei (minus) 5,1 Mio. Euro und das Ergebnis je Aktie bei (minus) 0,27 Euro.

Auftragsbestand als Stabilitätsanker: 3,3 Mrd. Euro mit Schwerpunkt Raumfahrt

Der Auftragsbestand stieg zum 30. Juni 2026 auf 3,304 Mrd. Euro (von 3,067 Mrd. Euro). Besonders relevant: Der Löwenanteil entfällt auf den Segmentbereich Space Systems mit 2,566 Mrd. Euro. Weitere Beiträge kommen aus Access to Space (440 Mio. Euro) und Digital (298 Mio. Euro).

  • Auftragsbestand: 3,304 Mrd. Euro (knapp +8% zum Vorjahr)
  • Segmentmix: Space Systems 2,566 Mrd. Euro / Access to Space 440 Mio. Euro / Digital 298 Mio. Euro
  • Management erwartet einen Peak des Auftragseingangs im zweiten Halbjahr

Bilanz: Kapitalerhöhung stärkt Liquidität und Eigenkapitalquote

Finanziell hat sich OHB spürbar stabilisiert. Die Bilanzsumme stieg auf 2.113,5 Mio. Euro (rund +35% gegenüber 1.566,4 Mio. Euro zum Jahresende). Die Eigenkapitalbasis wurde von 431,4 Mio. Euro auf 915,6 Mio. Euro ausgeweitet; daraus resultierte zum 30. Juni 2026 eine Eigenkapitalquote von 43,3% (nach 27,5% am 31.12.2025). Auch die Liquidität nahm stark zu: Die Zahlungsmittel beliefen sich auf 526,9 Mio. Euro nach 52,8 Mio. Euro im Vorjahr.

Für Anleger bedeutet das: Die operative Story bekommt einen klareren Finanzierungspuffer. Das reduziert das Risiko, dass Wachstums- oder Projektkosten die Ergebnisentwicklung kurzfristig überproportional drücken.

Strategische Ausrichtung: Raumfahrt- und Verteidigungsprogramme, mehr Internationalisierung

Der Konzern verweist auf den Boom der Raumfahrtindustrie, der unter anderem durch geopolitische Entwicklungen, steigende Verteidigungsbudgets und den Fokus auf technologische Souveränität getrieben wird.

  • Neue Partnerschaften sollen die Position für Vorschläge in zentralen deutschen Verteidigungsinitiativen stärken.
  • Mit Blick auf die Zusammenarbeit Rheinmetall/OHB zielt das Unternehmen auf eine Kommunikationsarchitektur für Sicherheit und kontinuierliche Verfügbarkeit.
  • Im Joint Venture KIRK (mit Helsing; weitere Partner: Hensoldt sowie Kongsberg Defence & Aerospace) soll ein raumgestütztes System für Aufklärung, Zielerfassung und taktische Überwachung entwickelt werden.
  • Internationalisierung: OHB Czechspace tritt beim SOVA-S-Projekt erstmals als Prime Contractor auf; OHB SPACE UK ist im Rahmen der EnVision-Mission beteiligt.

Operativ sticht zudem die Ausbauphase hervor: In Bristol entsteht ein neues Cleanroom-Setup, in dem künftig über 100 Ingenieurinnen und Ingenieure für die Entwicklung, Integration und Tests von institutionellen und kommerziellen Raumfahrt-Projekten arbeiten sollen.

Analysten-Einordnung: Die Kombination aus zweistelligem Wachstum bei Umsatz und bereinigter Ergebnisgröße bei gleichzeitigem Nettoverlust wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Für Anleger deutet das darauf hin, dass das operative Geschäft bereits tragfähiger wird, während Ergebnisbestandteile unterhalb des bereinigten Ergebnisses (etwa Finanzierungseffekte, Bewertungsposten oder zeitliche Kostenallokationen) noch bremsen. Positiv ist dagegen die kräftige Verbesserung der Bilanzkennzahlen durch die Kapitalmaßnahme: Die gestiegene Liquidität und die deutlich höhere Eigenkapitalquote geben mehr Spielraum, um Projekte im zweiten Halbjahr ohne strukturellen Druck durchzuziehen. Entscheidender Prüfstein bleibt damit weniger die bereinigte operative Marge allein, sondern die Frage, wann sich der operative Fortschritt konsistent auch in einer stabileren Ergebnisrechnung widerspiegelt.

Guidance 2026: Marge bestätigt, Wachstumsrichtung bleibt klar

Für 2026 hält OHB am Ausblick fest: Die gesamte operating performance wird bei 1.400 Mio. Euro erwartet. Die bereinigte EBITDA-Marge soll zwischen 10,5% und 11,0% liegen. Mittelfristig peilt der Konzern insgesamt mehr als 4,0 Mrd. Euro operating performance und eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 13% an.

Fazit & Ausblick

OHB liefert ein Bild aus operativem Fortschritt und gleichzeitigem Nettoergebnisdruck: Der Auftragsbestand liegt mit 3,3 Mrd. Euro hoch, die bereinigten Ergebnisgrößen steigen, und die Bilanz wurde durch die Kapitalerhöhung deutlich gestärkt. Für die nächsten Monate dürfte vor allem der angekündigte Peak beim Auftragseingang im zweiten Halbjahr sowie die weitere Entwicklung der Ergebnisumwandlung (bereinigt zu berichtsnah) die Richtung vorgeben.

Nächster Fokus: Quartalsupdate zur Auftragsentwicklung und zur Einlösung der Margenziele in der zweiten Jahreshälfte.

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