Nvidia stellt über 70 % Umsatzwachstum in Aussicht – SpaceX rückt als Treiber in den Fokus
Kurzüberblick
- Nvidia stellte am 28. August mehr als 70 % Umsatzwachstum für das Geschäftsjahr bis Januar 2028 in Aussicht und übertraf damit die Konsenserwartung von rund 45 %.
- SpaceX will bis Ende 2027 nahezu 10 Gigawatt Rechenleistung aufbauen und nach eigenen Angaben ausschließlich Nvidia-Chips für seine Rechenzentren einsetzen.
- Nvidias jüngster Data-Center-Umsatz von 89 Mrd. US-Dollar verteilt sich auf Hyperscaler, souveräne KI-Projekte, Unternehmen, Start-ups und weitere Kundengruppen.
- Die Nvidia-Aktie notierte am 28. August um 23 Uhr bei 187,80 Euro unverändert zum Vortag und lag seit Jahresbeginn 17,2 % im Plus.
Marktanalyse & Details
Umsatzprognose übertrifft die Erwartungen deutlich
Nvidia hat den Ausblick für sein Geschäftsjahr 2028 ungewöhnlich früh konkretisiert. Der Konzern rechnet mit einem Umsatzwachstum von mehr als 70 % für das Geschäftsjahr, das im Januar 2028 endet. Der Analystenkonsens hatte zuvor lediglich rund 45 % Wachstum unterstellt.
Besonders wichtig ist die Einschränkung, dass es sich laut Nvidia um eine durch das Angebot begrenzte Prognose handelt. Das Unternehmen geht demnach davon aus, dass die Nachfrage noch höher ausfallen könnte, wenn ausreichend Chips und Infrastruktur verfügbar wären. Für das laufende Geschäftsjahr erwarten Analysten einen Umsatz von rund 403,5 Mrd. US-Dollar. Für das Geschäftsjahr bis Januar 2029 hält ein Analyst sogar einen Umsatz von 1 Billion US-Dollar für möglich, während der aktuelle Konsens unter 750 Mrd. US-Dollar liegt.
SpaceX gewinnt als Großkunde an Gewicht
SpaceX hat angekündigt, für seine Rechenzentren ausschließlich Nvidia-Beschleuniger einzusetzen. Das Raumfahrtunternehmen plant, bis Ende des kommenden Jahres Rechenkapazitäten von nahezu 10 Gigawatt bereitzustellen. Zudem soll SpaceX einen bedeutenden Anteil von Nvidias kommender Rubin-Plattform abnehmen.
Die Geschäftsbeziehung besteht bereits seit rund zehn Jahren, gewinnt aber deutlich an strategischer Bedeutung. SpaceX stand im zweiten Fiskalquartal für etwa 5 % von Nvidias Umsatz, nach 3 % im vorherigen Quartal. Nvidia ist zugleich Lieferant und Investor: Zum 30. Juni hielt der Chipkonzern Aktien von SpaceX im Wert von rund 21 Mrd. US-Dollar.
Breitere Nachfrage als nur durch einen Kunden
Die SpaceX-Verbindung erklärt einen Teil der hohen Sichtbarkeit, dürfte aber nicht der alleinige Grund für Nvidias Prognose sein. Von den 89 Mrd. US-Dollar Data-Center-Umsatz im jüngsten Quartal entfielen nach Unternehmensangaben 49 Mrd. US-Dollar auf Hyperscaler. Weitere Nachfrage kommt von staatlich getragenen KI-Initiativen, spezialisierten Cloud-Anbietern, Unternehmen, Start-ups und anderen Kunden.
Nvidia beziffert den Auftragsbestand in der Cloud-Industrie inzwischen auf mehr als 2 Billionen US-Dollar. Parallel entstehen neue Finanzierungsmodelle für den Ausbau der KI-Infrastruktur. Eine von Blue-Owl-Fonds angeführte Finanzierung über 2,4 Mrd. US-Dollar ermöglicht IREN den Kauf von Nvidia-Rechenzentrumsausrüstung einschließlich Blackwell-Ultra-GPUs für einen Campus in British Columbia. Die Finanzierung besteht aus einem besicherten Terminkredit über 1,2 Mrd. US-Dollar und besicherten Anleihen über ebenfalls 1,2 Mrd. US-Dollar.
Auch Nvidia selbst hat eine Initiative mit Finanzpartnern angekündigt, die mehr als 500 Mrd. US-Dollar an Drittmitteln für den KI-Infrastrukturausbau mobilisieren soll. Zugleich wird für SpaceX ein Finanzierungsbedarf von 300 bis 500 Mrd. US-Dollar erwartet, um das angestrebte Rechenziel für 2027 zu erreichen. Ob Nvidias Finanzierungsinitiative gezielt auf SpaceX ausgerichtet ist, bleibt offen.
Margen sinken leicht, bleiben aber außergewöhnlich hoch
Nvidia steigerte den Umsatz im jüngsten Quartal um 106 % gegenüber dem Vorjahr und hielt die Bruttomarge bei 75 %. Für das laufende Quartal wird eine Marge von etwa 74 % erwartet. Im weiteren Jahresverlauf könnte sie wegen stark gestiegener Speicherchippreise zeitweise auf 71 % sinken. Für das Geschäftsjahr 2028 stellt Nvidia anschließend wieder eine Bruttomarge von 72 bis 73 % in Aussicht, unter anderem durch geplante Preiserhöhungen.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Nvidias Wachstumsprognose stärker auf einer breit angelegten KI-Investitionswelle als auf einem einzelnen Großkunden beruht. SpaceX ist wegen des exklusiven Bezugs und der geplanten Rechenleistung ein wichtiger strategischer Verstärker, die Umsatzbasis bleibt jedoch über mehrere Kundengruppen verteilt. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung ein starkes Signal für die Nachfrage, aber auch einen neuen Prüfstein: Entscheidend wird, ob Nvidia die Rubin-Produktion hochfahren, Speicherengpässe abfedern und die außergewöhnlich hohen Margen trotz steigender Kosten verteidigen kann. Die Finanzierung der Kunden erweitert zwar den adressierbaren Markt, erhöht aber zugleich die Bedeutung von Verschuldung und Kapitalverfügbarkeit im gesamten KI-Ökosystem.
Aktienkurs verarbeitet den positiven Ausblick
Nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen legte die Nvidia-Aktie am folgenden Handelstag um 8,7 % zu und verzeichnete damit den stärksten Anstieg seit Mai 2024. Einen Teil dieses Gewinns gab sie am darauffolgenden Tag wieder ab. Der Kurs von 187,80 Euro am 28. August um 23 Uhr und die unveränderte Tagesperformance zeigen, dass der Markt die starke Prognose inzwischen gegen Margen-, Bewertungs- und Ausführungsrisiken abwägt.
Fazit & Ausblick
Nvidias Ausblick verschiebt die Debatte von der Frage nach ausreichender KI-Nachfrage hin zur Frage, wie schnell das Angebot wachsen kann. SpaceX liefert einen besonders sichtbaren Großauftrag, ist aber nur ein Baustein der Nachfragebasis. Die nächsten wichtigen Belege sind der Produktionshochlauf der Rubin-Plattform, die Entwicklung der Bruttomarge und die Umsetzung der geplanten Rechenzentrumsinvestitionen bis 2027 und 2028.
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