Novo Nordisk unter Druck: Viking und Roche greifen den Abnehm-Markt an
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Viking Therapeutics ließ seine Aktie nach positiven VK2735-Daten um 35 Prozent steigen und rückt damit näher an Novo Nordisk und Lilly heran.
- Viking meldete nach 21 Wochen einen Gewichtsverlust von 16 bis 19 Prozent, während die Placebo-Gruppe keine Gewichtsabnahme verzeichnete.
- Roche erzielte mit dem Adipositas-Kandidaten Enicepatide bei übergewichtigen oder adipösen Typ-2-Diabetikern bis zu 15,5 Prozent Gewichtsverlust nach 48 Wochen.
- Die Novo-Nordisk-ADR notiert bei 34,34 Euro, liegt 0,35 Prozent im Tagesminus und hat seit Jahresbeginn 21,87 Prozent verloren.
Marktanalyse & Details
Neue Konkurrenz für Wegovy und Zepbound
Der Markt für Medikamente gegen Adipositas wird bislang vor allem von Novo Nordisk und Eli Lilly dominiert. Die positiven Studiendaten von Viking Therapeutics zeigen jedoch, dass sich diese faktische Doppelspitze auflösen könnte. Das Unternehmen entwickelt mit VK2735 einen dualen Agonisten, der gleichzeitig GLP-1- und GIP-Rezeptoren aktiviert. Damit zielt der Wirkstoff auf denselben Mechanismus wie Lillys Tirzepatid-Präparate Zepbound und Mounjaro.
In der aktuellen Studie verloren die Teilnehmer nach 21 Wochen zwischen 16 und 19 Prozent ihres Körpergewichts. Die Gewichtsabnahme hatte zu diesem Zeitpunkt noch kein Plateau erreicht. In einer explorativen Gruppe wurden bei fortgesetzter Behandlung nach 33 Wochen sogar 22 Prozent erreicht. VK2735 wird wie Wegovy und Zepbound einmal wöchentlich unter die Haut gespritzt; zusätzlich arbeitet Viking an einer oralen Darreichungsform.
Roche meldet Fortschritte bei Typ-2-Diabetes
Auch Roche erhöht den Wettbewerbsdruck. Der duale Agonist Enicepatide erzielte in einer Studie mit übergewichtigen oder adipösen Menschen mit Typ-2-Diabetes nach 48 Wochen bis zu 15,5 Prozent Gewichtsverlust. Bei der höchsten Dosis sank der Blutzucker im Mittel um 2,65 Prozent. Besonders relevant ist, dass die Gewichtsabnahme ebenfalls noch nicht auf ein Plateau hindeutete.
Die Ergebnisse sind wegen unterschiedlicher Studiendauern, Patientengruppen und Versuchsbedingungen nicht direkt mit den Daten von VK2735, Wegovy, Zepbound oder CagriSema vergleichbar. Dennoch bewerten Analysten Enicepatide als ernstzunehmenden Wettbewerber. Vontobel-Analyst Stefan Schneider verwies auf die schwierige Behandlung von Typ-2-Diabetikern mit Übergewicht oder Adipositas. Citi-Analyst Graham Parry sieht bei Enicepatide trotz fehlender direkter Vergleichsstudie eine gute Position gegenüber Mounjaro und dem in Entwicklung befindlichen CagriSema.
Pipeline soll den Patentdruck abfedern
Novo Nordisk versucht, die Zweifel an seiner langfristigen Wachstumsstory mit einer breiteren Pipeline zu beantworten. Auf dem Kapitalmarkttag stellte der Konzern mehr als fünf neue Medikamente mit Blockbuster-Potenzial bis 2030 in Aussicht. Für die Pipeline erwartet Novo Nordisk bis 2035 einen Umsatzbeitrag von mehr als 150 Milliarden dänischen Kronen. Zudem sieht das Unternehmen mindestens fünf Phase-3-Programme in den Bereichen Adipositas und Diabetes.
Ein Schwerpunkt liegt auf oralen GLP-1-Präparaten. Novo Nordisk erklärte, seine Produktionskapazität könne künftig zehnmal mehr Menschen mit oralen GLP-1-Medikamenten versorgen. Gleichzeitig meldete der Konzern am Vortag einen Phase-3-Erfolg für CagriSema. Das Präparat muss damit jedoch auch frühere Zweifel an seiner Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Tirzepatid ausräumen.
Analysten-Einordnung
Die neuen Studiendaten sind für Novo Nordisk vor allem strategisch relevant: Sie zeigen, dass die Konkurrenz nicht nur über niedrigere Preise, sondern auch über Wirkstoffprofile und anhaltende Gewichtsabnahme angreifen kann. Dies deutet darauf hin, dass Novo Nordisk seine Marktposition künftig stärker durch differenzierte Nachfolgeprodukte, orale Präparate und eine schnellere Vermarktung verteidigen muss. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass die Bewertung nicht allein von den aktuellen Umsätzen von Wegovy und Ozempic abhängt, sondern zunehmend von der Qualität und dem Zeitplan der Pipeline.
Zusätzlichen Druck erzeugt der bevorstehende Patentauslauf von Ozempic und Wegovy in den USA und Europa zu Beginn des kommenden Jahrzehnts. Vorstandschef Mike Doustdar räumte ein, dass das Unternehmen das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen müsse. Novo Nordisk prüft deshalb auch Zukäufe, wobei der größte strategische Nutzen derzeit bei externen Vermögenswerten im Adipositas-Bereich gesehen wird.
Fazit & Ausblick
Novo Nordisk bleibt ein führender Anbieter im Adipositas-Markt, muss seine Dominanz aber gegen eine wachsende Zahl klinisch fortgeschrittener Wettbewerber verteidigen. Entscheidend werden die weiteren Daten zu CagriSema und den nächsten Pipeline-Kandidaten sowie der kommerzielle Erfolg oraler GLP-1-Präparate. Die angekündigten Blockbuster bis 2030 und mehr als 150 Milliarden dänische Kronen Pipeline-Umsatz bis 2035 bieten langfristige Chancen, können den aktuellen Vertrauensverlust an der Börse aber erst durch belastbare Fortschritte ausgleichen.
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