Novo Nordisk stoppt zwei Ziltivekimab-Studien – Semaglutid punktet bei Kindern
Kurzüberblick
- Novo Nordisk beendet zwei Ziltivekimab-Studien zu Herzinsuffizienz vorzeitig, weil ein unabhängiges Komitee eine geringe Wahrscheinlichkeit für ein abweichendes Ergebnis sah.
- Eine weitere Ziltivekimab-Studie nach Herzinfarkt läuft planmäßig weiter; Ergebnisse werden im ersten Halbjahr 2027 erwartet.
- Die Phase-3-Studie STEP Young erreichte bei Kindern zwischen sechs und unter zwölf Jahren ihr primäres Ziel mit einmal wöchentlich verabreichtem Semaglutid.
- In der Semaglutid-Gruppe waren nach 68 Wochen 40,4 Prozent nicht mehr als adipös eingestuft, gegenüber keinem Kind unter Placebo.
Marktanalyse & Details
Ziltivekimab verliert an Bedeutung
Novo Nordisk hat zwei weitere klinische Studien mit dem experimentellen Herz-Kreislauf-Wirkstoff Ziltivekimab vorzeitig beendet. Die Untersuchungen sollten unterschiedliche Behandlungsergebnisse bei Patienten mit Herzinsuffizienz prüfen. Ein unabhängiges Datenüberwachungskomitee kam zu dem Schluss, dass nur eine geringe Wahrscheinlichkeit für ein anderes Ergebnis als in der bereits gescheiterten Studie besteht.
Im Juli hatte Ziltivekimab in einer späten Studie das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse nicht stärker reduziert als ein Placebo. Dazu zählten Tod, nicht tödlicher Herzinfarkt und nicht tödlicher Schlaganfall. Eine Studie mit Patienten in der Erholungsphase nach einem Herzinfarkt wird hingegen fortgesetzt. Die Resultate sollen im ersten Halbjahr 2027 vorliegen.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Novo Nordisk die kurzfristigen Wachstumshoffnungen im kardiovaskulären Bereich zurückstellen muss. Der Rückschlag betrifft damit nicht nur ein einzelnes Studienprogramm, sondern die strategische Diversifizierung über das etablierte Diabetes- und Adipositasgeschäft hinaus. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung ein höheres Risiko, dass die Bewertung weiterhin stark von Semaglutid und der erfolgreichen Ausweitung dieser Wirkstoffplattform abhängt.
Semaglutid zeigt Wirkung bei Kindern
Gleichzeitig meldete Novo Nordisk einen Erfolg für die Phase-3-Studie STEP Young. Untersucht wurde einmal wöchentlich verabreichtes Semaglutid in Kombination mit einer kalorienreduzierten Ernährung und mehr körperlicher Aktivität bei Kindern im Alter von sechs bis unter zwölf Jahren mit Adipositas. Mehr als 85 Prozent der Teilnehmer hatten zu Studienbeginn eine schwere Adipositas der Klasse II oder III.
Nach 68 Wochen erreichte die Semaglutid-Gruppe eine überlegene Verringerung des Body-Mass-Index gegenüber der Placebo-Gruppe und damit den primären Studienendpunkt. 40,4 Prozent der behandelten Kinder waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als adipös eingestuft. In der Placebo-Gruppe traf dies auf kein Kind zu. Beide Gruppen erhielten parallel Maßnahmen zur Änderung des Lebensstils.
Der Studienerfolg erweitert das potenzielle Einsatzgebiet von Semaglutid auf eine jüngere Patientengruppe. Zugleich handelt es sich zunächst um Ergebnisse einer klinischen Studie; für die kommerzielle Bedeutung sind weitere regulatorische Schritte und die langfristige Bewertung von Wirksamkeit und Sicherheit entscheidend.
Aktienreaktion und strategischer Fokus
Die Novo-Nordisk-ADR notierte am 7. September bei 39,28 Euro und lag damit 0,76 Prozent unter dem Vortag. Seit Jahresbeginn ergibt sich ein Minus von 10,63 Prozent. Die Kursdaten bilden die gleichzeitigen positiven und negativen Nachrichten nur eingeschränkt ab, da die Meldungen zu STEP Young und den Ziltivekimab-Studien unterschiedliche Erwartungen an das Unternehmen beeinflussen.
Positiv ist die mögliche Verstärkung der Adipositas-Franchise durch die pädiatrische Anwendung. Negativ wiegt dagegen, dass der geplante Ausbau in der Herz-Kreislaufmedizin erneut an klinischen Grenzen stößt. Die im September angekündigte geplante Quantenchip-Fertigungsstätte der Novo Nordisk Foundation in Kopenhagen ist für das operative Arzneimittelgeschäft der Aktie nur von nachgeordneter Bedeutung.
Fazit & Ausblick
Novo Nordisk erhält mit STEP Young ein wichtiges Signal für die Ausweitung von Semaglutid auf Kinder, muss bei Ziltivekimab aber zwei weitere Studienrückschläge verkraften. Im Fokus stehen nun die regulatorische Entwicklung der pädiatrischen Anwendung sowie die Ergebnisse der verbliebenen Ziltivekimab-Studie nach Herzinfarkt im ersten Halbjahr 2027. Bis dahin bleibt die Abhängigkeit vom Diabetes- und Adipositasgeschäft der zentrale Bewertungsfaktor.
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