Novartis-Aktie fällt: Pelacarsen verfehlt Herzschutz-Ziel in Phase III
Kurzüberblick
- Pelacarsen verfehlte in der Phase-III-Studie Lp(a)Horizon trotz gesenkter Lipoprotein(a)-Werte den primären Herzschutz-Endpunkt.
- Die Novartis-Aktie gab am 7. September im Schweizer Handel zeitweise fast 4 Prozent nach; auch Ionis und Amgen standen unter Druck.
- Die Zürcher Kantonalbank strich risiko-adjustierte Umsatzannahmen von bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar für Pelacarsen aus ihrem Modell.
- Vontobel verdoppelte im Gegenzug die Umsatzprognose für Remibrutinib auf 2 Milliarden US-Dollar und erwartet deshalb nur eine begrenzte Kurszielsenkung.
Marktanalyse & Details
Pelacarsen scheitert am entscheidenden Studienziel
Der gemeinsam von Ionis und Novartis entwickelte Wirkstoff Pelacarsen konnte in der Phase-III-Studie Lp(a)Horizon zwar den Spiegel des Lipoproteins(a) senken. Das entscheidende Ziel wurde jedoch verfehlt: Die Behandlung zeigte keinen ausreichenden Schutz vor Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulärem Tod.
Für Novartis ist der Rückschlag besonders relevant, weil Pelacarsen als potenzieller Wachstumstreiber im Bereich kardiovaskulärer Erkrankungen galt. Eine reine Verbesserung eines Laborwerts reicht für die Marktzulassung und die kommerzielle Bewertung nicht aus, wenn sich daraus kein nachweisbarer klinischer Nutzen ableiten lässt.
Analysten reduzieren Umsatzpotenzial
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass der Markt den wirtschaftlichen Wert von Pelacarsen nach dem Studienfehlschlag weitgehend neu bewerten muss. Die Zürcher Kantonalbank nahm risiko-adjustierte Umsatzerwartungen von bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar vollständig aus ihrem Modell. Vontobel hatte zuvor sogar einen Spitzenumsatz von 2 Milliarden US-Dollar unterstellt.
Vontobel sieht bei Novartis jedoch einen teilweisen Ausgleich durch Remibrutinib. Die Bank erhöhte ihre Umsatzschätzung für das jüngst erfolgreiche Medikament von 1 auf 2 Milliarden US-Dollar. Dadurch fällt die erwartete Kurszielsenkung trotz des Pelacarsen-Rückschlags nur moderat aus.
- Ionis verlor im Vergleich zum US-Handel vor dem langen Feiertagswochenende rund 10 Prozent.
- Amgen gab etwa 5 Prozent nach, da der Pelacarsen-Misserfolg die Erwartungen an das ähnliche Mittel Olpasiran belastet.
- Bei Novartis steht neben dem entfallenden Umsatzpotenzial auch die Frage nach der künftigen Kapitalallokation im kardiovaskulären Bereich im Mittelpunkt.
Technologie-Deal stärkt langfristige Produktstrategie
Unabhängig vom Rückschlag bei Pelacarsen vereinbarte Novartis Anfang September mit Alteogen die Nutzung der Hybrozyme-Technologie. Damit sollen für mehrere Produkte subkutane Darreichungsformen entwickelt und vermarktet werden. Novartis erhält Optionen auf exklusive Rechte. Bei Ausübung aller Optionen und Erreichen sämtlicher Meilensteine könnten an Alteogen mehr als 3,2 Milliarden US-Dollar zuzüglich umsatzabhängiger Lizenzgebühren fließen.
Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass der Pelacarsen-Fehlschlag zwar kurzfristig die Pipeline-Bewertung belastet, Novartis aber zugleich an der Verbesserung von Verabreichungsformen und an der Absicherung künftiger Produktchancen arbeitet. Entscheidend bleibt, ob Remibrutinib die entstandene Lücke tatsächlich wirtschaftlich schließen kann.
Fazit & Ausblick
Der Pelacarsen-Rückschlag ist für Novartis ein klarer Rückschlag in der kardiovaskulären Pipeline, weil der Wirkstoff trotz sinkender Lp(a)-Werte keinen belegten klinischen Herzschutz zeigte. Im weiteren Jahresverlauf werden daher die Entwicklung von Remibrutinib, die Bewertung der übrigen Pipeline und die nächsten Schritte bei der Hybrozyme-Kooperation besonders wichtig. Eine nachhaltige Erholung der Aktie dürfte davon abhängen, ob andere Wachstumstreiber den wegfallenden Pelacarsen-Beitrag kompensieren können.
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