Micron-Wachstum bremst: Stifel sieht dank hoher Speicherpreise weiteres Aktienpotenzial
Aktien im Artikel
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- Stifel erwartet für Micron Technology ein langsameres Wachstum der DRAM-Auslieferungen, sieht darin aber keinen grundlegenden Nachfrageeinbruch.
- Die anhaltende Speicherknappheit könnte Preise und Gewinnmargen über die kommenden 12 bis 18 Monate stützen.
- Für das am 30. September erwartete Geschäftsjahresquartal prognostiziert Stifel 50,78 Milliarden US-Dollar Umsatz und bekräftigt ein Buy-Rating mit 1.500 US-Dollar Kursziel.
- Die Micron-Aktie notierte am 22. September bei Lang & Schwarz bei 900 Euro; seit Jahresbeginn liegt sie trotz eines Tagesminus von 0,89 Prozent noch 257,21 Prozent im Plus.
Marktanalyse & Details
Weniger Stückzahlen, aber kein Nachfrageschock
Das Wachstum von Micron dürfte nach Einschätzung des Analysehauses Stifel in den kommenden Quartalen an Tempo verlieren. Analyst Brian Chin rechnet damit, dass die DRAM-Auslieferungen im Jahr 2027 um 15 bis 20 Prozent steigen. Für das laufende Jahr liegt seine Erwartung noch im mittleren bis hohen 20-Prozentbereich.
Der entscheidende Punkt: Die Verlangsamung ist nach dieser Einschätzung vor allem eine Folge begrenzter Produktionskapazitäten. Micron und seine Wettbewerber können demnach nicht genügend Speicherchips liefern, um die Nachfrage aus Rechenzentren und KI-Infrastruktur vollständig zu bedienen. Um das erwartete Defizit zwischen Angebot und Nachfrage 2027 auszugleichen, müssten die DRAM-Auslieferungen laut Stifel um 40 bis 50 Prozent steigen.
Speicherpreise bleiben der zentrale Gewinnhebel
Für Micron ist die knappe Verfügbarkeit trotz geringerer Stückzahlprognosen zunächst positiv. Wenn Kunden um begrenzte Kapazitäten konkurrieren, können die Hersteller höhere Preise durchsetzen. Im Markt für konventionelle DRAM-Chips stiegen die Vertragspreise im ersten Quartal 2026 bereits um 90 bis 95 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im zweiten Quartal folgte ein weiterer Anstieg von 58 bis 63 Prozent. Für das dritte Quartal wird zwar eine Abschwächung auf 13 bis 18 Prozent erwartet, jedoch weiterhin ein deutlicher Preisanstieg.
Stifel erwartet deshalb, dass Micron die eigenen und die Konsensprognosen für das am 30. September anstehende Geschäftsjahresquartal übertreffen oder beim Ausblick positiv überraschen könnte. Die Prognose liegt bei 50,78 Milliarden US-Dollar Umsatz, was einem sequenziellen Wachstum von 22 Prozent entspricht. Für das darauffolgende Quartal rechnet Chin allerdings nur noch mit einem Wachstum von 11 Prozent.
Gewinnsprung trifft auf zyklische Risiken
Die Gewinnentwicklung verdeutlicht die außergewöhnliche Dynamik des aktuellen Speicherzyklus. Für das vierte Geschäftsjahresquartal erwarten Analysten 31,16 US-Dollar bereinigten Gewinn je Aktie nach 3,03 US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Der starke Anstieg basiert vor allem auf höheren DRAM- und HBM-Preisen sowie der Nachfrage nach Speicherlösungen für KI-Server.
Gleichzeitig bleibt das Geschäftsmodell zyklisch. In früheren Aufschwüngen führten steigende Preise zu mehr Investitionen, worauf ein wachsendes Angebot und anschließend sinkende Preise folgten. Der aktuelle Zyklus unterscheidet sich nach Stifel jedoch dadurch, dass KI-Rechenzentren deutlich mehr DRAM und High-Bandwidth Memory benötigen als herkömmliche Server. Zusätzlich sichern mehrjährige Vereinbarungen mit strategischen Kunden einen Teil der künftigen Nachfrage ab.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass ein langsameres Mengenwachstum nicht automatisch ein Warnsignal für Micron sein muss. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass die Aktie künftig weniger von immer höheren Absatzprognosen und stärker von der Dauer der Preismacht sowie der Stabilität der Margen abhängt. Stifels bekräftigtes Buy-Rating und das Kursziel von 1.500 US-Dollar setzen voraus, dass die strukturelle KI-Nachfrage das Angebot auch über den üblichen Speicherzyklus hinaus übersteigt. Das bietet weiteres Potenzial, erhöht aber zugleich das Risiko einer deutlichen Neubewertung, falls neue Kapazitäten schneller auf den Markt kommen oder die KI-Investitionen nachlassen.
Fazit & Ausblick
Der nächste wichtige Termin ist die Veröffentlichung der Geschäftsjahreszahlen am 30. September nach US-Börsenschluss. Anleger sollten neben Umsatz und Gewinn je Aktie besonders auf Microns Preisentwicklung bei DRAM und HBM, den Ausblick für das Folgequartal sowie Aussagen zur Lieferfähigkeit achten. Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen die Knappheit in dauerhaft hohe Margen umwandeln kann.
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