Michael Burry erhöht Short auf Micron: Speicher-Überangebot bedroht die Rallye

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Das Wichtigste in Kürze

  1. Michael Burry hat seine Short-Position gegen Micron wegen eines erwarteten Anstiegs des Speicherangebots ausgeweitet.
  2. Seine These: Rückkehrende DRAM-Kapazitäten und neue Produktionsstätten könnten die Preise ab Ende 2027 unter Druck setzen.
  3. Micron bleibt trotz der Warnung gefragt: Die Aktie legte zuletzt weiter zu und liegt seit Jahresbeginn deutlich im Plus.
  4. Am 30. September veröffentlicht Micron die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal, die den nächsten wichtigen Kurstreiber liefern dürften.

Marktanalyse & Details

Burry setzt auf eine Trendwende im Speichermarkt

Michael Burry, bekannt für seine frühere Wette gegen den US-Immobilienmarkt, hat seine negative Positionierung im Halbleitersektor ausgebaut. Neben Micron richtet sich seine Short-Strategie auch gegen weitere KI- und Chipwerte sowie einen Halbleiter-ETF. Bei Micron soll er bereits im Juni eine direkte Short-Position bei etwa 1.051 US-Dollar je Aktie eröffnet haben.

Der Kern seiner Argumentation ist eine mögliche Normalisierung im klassischen DRAM-Geschäft. Samsung, SK Hynix und Micron hatten zuletzt Produktionskapazitäten von herkömmlichem DRAM zugunsten von High-Bandwidth Memory für KI-Rechenzentren verlagert. Dadurch verknappte sich das Angebot an Standard-Speicher. Burry erwartet nun, dass die Hersteller ihre konventionelle Produktion wieder hochfahren und zusätzliche Kapazitäten aus mehreren Regionen auf den Markt kommen.

Nach dieser Einschätzung könnten steigende Lagerbestände und ein wachsendes Angebot die Preise für normale DRAM-Chips ab Ende 2027 belasten. Damit würde ein zentraler Gewinntreiber von Micron unter Druck geraten. Der zuletzt gelieferte Kurs in Euro lag am 23. September 2026 bei 960,10 Euro. Die Tagesperformance betrug zu diesem Zeitpunkt plus 0,83 Prozent, während die Aktie seit Jahresbeginn um 281,07 Prozent gestiegen war.

Optionsmarkt sendet ein gegenläufiges Signal

Die jüngste Kursbewegung steht im Kontrast zu Burrýs Szenario. In einer auffälligen Optionsposition wurde eine Put-Option auf Micron mit einem Volumen von 22,58 Millionen US-Dollar verkauft. Der Basispreis liegt bei 900 US-Dollar, die Laufzeit endet am 17. Juni 2027. Zudem wurden 1.578 im Geld liegende Call-Kontrakte mit einem Basispreis von 1.060 US-Dollar und einer Laufzeit bis zum 2. Oktober 2026 für 8,68 Millionen US-Dollar gekauft.

Solche Transaktionen sind kein verlässlicher Beweis für die Gesamtstimmung am Markt, deuten in dieser Kombination aber auf eine konstruktive Erwartung eines einzelnen großen Marktteilnehmers hin. Der Put-Verkauf profitiert davon, wenn Micron oberhalb von 900 US-Dollar bleibt. Der Kauf der im Geld liegenden Calls setzt dagegen auf weitere Kursgewinne.

Quartalszahlen entscheiden über die nächste Phase

Micron legt am 30. September nach Börsenschluss die Ergebnisse für das vierte Geschäftsquartal vor. Der Markt erwartet einen Quartalsumsatz von rund 50,4 Milliarden US-Dollar und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 31,16 US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte Micron lediglich 11,32 Milliarden US-Dollar Umsatz und 3,03 US-Dollar Gewinn je Aktie erzielt.

Die bisherige Unternehmensprognose liegt bei rund 50 Milliarden US-Dollar Umsatz mit einer Schwankungsbreite von plus oder minus 1 Milliarde US-Dollar sowie bei 31 US-Dollar bereinigtem Gewinn je Aktie mit einer Spanne von plus oder minus 1 US-Dollar. Entscheidend wird daher weniger sein, ob Micron die hohen Erwartungen erfüllt, sondern wie das Management die Preisentwicklung, die Auslastung und die Kapazitätsplanung für 2027 einschätzt.

Analysten-Einordnung: Langsameres Wachstum kann die Gewinne stützen

Dies deutet darauf hin, dass der Markt derzeit zwei sehr unterschiedliche Szenarien bewertet: eine anhaltende strukturelle Knappheit durch KI-Nachfrage oder den Beginn eines klassischen Speicherzyklus mit wachsendem Angebot. Eine aktuelle optimistische Analysteneinschätzung geht davon aus, dass das DRAM-Auslieferungswachstum 2027 zwar auf 15 bis 20 Prozent nachgeben könnte, die begrenzte Versorgung aber weiterhin hohe Preise und Margen ermöglicht. Demnach müsste das Angebot um etwa 40 bis 50 Prozent steigen, um die bestehende Lücke zwischen Nachfrage und Versorgung vollständig zu schließen.

Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass Microns Bewertung stark vom Timing der zusätzlichen Kapazitäten abhängt. HBM-Verträge mit strategischen Kunden und langfristige Abnahmevereinbarungen können die Ertragskraft stabilisieren, schützen das Unternehmen aber nicht vollständig vor einem Preisrückgang bei Standard-DRAM. Micron verfügte zuletzt über 16 strategische Kundenvereinbarungen mit einem verbleibenden Auftragswert von etwa 100 Milliarden US-Dollar.

Das Risiko liegt deshalb weniger in einem schwachen nächsten Quartal als in der Frage, ob die derzeit außergewöhnlich hohen Gewinne über mehrere Jahre gehalten werden können. Burry setzt auf eine frühere Rückkehr des Angebots, während die optimistische Marktmeinung davon ausgeht, dass die KI-Nachfrage den Kapazitätsausbau zunächst weiter übertrifft.

Fazit & Ausblick

Die Micron-Aktie bleibt trotz Burrýs ausgeweiteter Short-Wette in einem starken Aufwärtstrend. Der wichtigste kurzfristige Termin ist die Quartalsbilanz am 30. September. Anleger sollten neben Umsatz und Gewinn je Aktie besonders auf Aussagen zu DRAM- und HBM-Preisen, Lagerbeständen, neuen Kapazitäten und der Nachfrage der KI-Kunden achten. Bestätigt Micron anhaltend hohe Preise, könnte die Rallye neuen Rückenwind erhalten. Signale für steigende Lagerbestände oder eine schnellere Angebotsausweitung würden dagegen Burrýs Gegenposition deutlich stärken.

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