Marvell-Aktie unter Druck: Starkes Quartal reicht nach Google-Deal nicht aus
Kurzüberblick
- Marvell steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 37 Prozent auf 2,74 Milliarden US-Dollar.
- Der Ausblick für das dritte Quartal liegt mit 3,15 Milliarden US-Dollar Umsatz und 1,10 US-Dollar bereinigtem Gewinn je Aktie über den Erwartungen.
- Trotz des starken Geschäfts mit Rechenzentren und des Google-Deals fiel die Aktie nach den Zahlen zeitweise um rund 7 bis 10 Prozent.
- Der Investorentag Anfang Oktober soll mehr Klarheit über das Geschäft mit kundenspezifischen KI-Chips bis zum Geschäftsjahr 2029 schaffen.
Marktanalyse & Details
Starkes Quartal, aber eine extrem hohe Messlatte
Marvell Technology meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 2,74 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und lag über der Markterwartung von 2,71 Milliarden US-Dollar. Besonders dynamisch entwickelte sich das Rechenzentrumsgeschäft: Der Umsatz stieg um 46 Prozent auf 2,17 Milliarden US-Dollar und übertraf damit ebenfalls die Prognosen.
Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 0,94 US-Dollar nach erwarteten 0,92 US-Dollar. Auch der Ausblick fiel nominal besser aus: Für das dritte Quartal stellt Marvell 3,15 Milliarden US-Dollar Umsatz in Aussicht, mit einer Bandbreite von plus/minus 5 Prozent. Beim bereinigten Gewinn je Aktie erwartet das Unternehmen 1,10 US-Dollar plus/minus 0,05 US-Dollar, während der Konsens bei 1,07 US-Dollar lag.
Google-Partnerschaft verschiebt den Fokus auf die Jahre 2028 und 2029
Die Anleger reagierten dennoch enttäuscht. Nach der starken Kursrallye reichte ein moderater Beat mit angehobener Prognose nicht aus, um die hohen Erwartungen an das KI-Geschäft weiter zu steigern. Der Markt wollte vor allem konkretere Angaben dazu sehen, wann die erweiterte Partnerschaft mit Google in nennenswertem Umfang zum Umsatz beiträgt.
Der Vertrag mit Google besitzt langfristig erhebliches Potenzial: Bis zum Geschäftsjahr 2033 könnten daraus Umsätze von bis zu 120 Milliarden US-Dollar entstehen. Zudem könnte Google eine Beteiligung von bis zu 12,2 Milliarden US-Dollar an Marvell übernehmen. Die Vereinbarung stärkt damit Marvells Position bei kundenspezifischen Chips und verbreitert die Kundenbasis im Vergleich zu einer stärkeren Abhängigkeit von einzelnen Großaufträgen.
Marvell hat den Ausblick für das Geschäftsjahr 2028 um 1,5 Milliarden US-Dollar angehoben. Für die Bewertung wird jedoch zunehmend die Überleitung zum Geschäftsjahr 2029 entscheidend. Der Investorentag Anfang Oktober soll insbesondere die Größenordnung des Google-Geschäfts, den Zeitplan für die Umsatzrealisierung und die Perspektiven des Custom-Silicon-Segments erläutern.
Analysten-Einordnung
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Anleger Marvell inzwischen nicht mehr primär an kurzfristigen Quartalsüberraschungen messen. Entscheidend ist vielmehr, wie lange der KI-Wachstumszyklus anhält und ob Marvell die erwarteten Großprojekte profitabel skalieren kann. Der Kursrückgang verbessert zwar den Einstieg im Vergleich zur Situation vor den Zahlen, beseitigt aber nicht die Risiken einer zu optimistischen Bewertung.
Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass die nächsten entscheidenden Signale weniger aus einem weiteren kleinen Umsatz-Beat als aus konkreten Angaben zu Auftragsvolumen, Lieferzeitpunkten und Margen kommen dürften. Der aktuelle Kurs von 187,16 Euro lag am 31. August 2026 nur leicht über dem Vortag, während die Aktie seit Jahresbeginn weiterhin 156,91 Prozent zulegte. Diese Entwicklung erklärt, warum selbst gute Geschäftszahlen kurzfristig als Enttäuschung gewertet werden können.
Fazit & Ausblick
Operativ bleibt Marvell dank der Nachfrage nach Rechenzentrums- und kundenspezifischen KI-Chips auf Wachstumskurs. Die kurzfristige Kursentwicklung hängt jedoch davon ab, ob das Management beim Investorentag Anfang Oktober einen belastbaren Ausblick für das Geschäftsjahr 2029 liefert. Bis dahin stehen der Zeitplan für die Google-Umsätze, die Skalierbarkeit des Custom-Silicon-Geschäfts und die Margenentwicklung im Mittelpunkt.
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