Lululemon-Aktie unter Druck: Prognosekürzung verschärft den 52-Prozent-Jahresverlust
Kurzüberblick
- Lululemon senkt die Umsatzprognose für 2026 auf 10,35 bis 10,50 Milliarden US-Dollar, 5 bis 7 Prozent unter dem Vorjahreswert.
- Im zweiten Quartal fielen die Leggings-Verkäufe um rund 20 Prozent, während der China-Umsatz um 8 Prozent zurückging.
- Das Unternehmen erwartet für 2026 eine um etwa 80 Basispunkte niedrigere Bruttomarge und höhere Preisnachlässe.
- Die Aktie notiert am 8. September bei 86,20 Euro und liegt seit Jahresbeginn 52,3 Prozent im Minus.
Marktanalyse & Details
Nachfrageschwäche trifft das Kerngeschäft
Lululemon hat nach einem enttäuschenden zweiten Quartal seine Ziele für Umsatz und Gewinn deutlich gesenkt. Besonders problematisch ist die Entwicklung bei Leggings, einem zentralen Produkt der Marke: Die Verkäufe lagen im Quartal rund 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Auch neue Produktneuheiten stießen auf eine verhaltene Kundenresonanz.
Regional verschärft sich das Bild. In China sank der Umsatz im zweiten Quartal um 8 Prozent, nachdem der Markt ursprünglich ein Wachstum von 13 Prozent erwartet hatte. Für das Gesamtjahr rechnet das Management dort nun nur noch mit einem Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. In Nordamerika wird ein Umsatzrückgang im niedrigen zweistelligen Prozentbereich erwartet; Kanada meldete im zweiten Quartal bereits ein Minus von 11 Prozent.
Prognosekürzung belastet Umsatz und Margen
Die neue Umsatzspanne von 10,35 bis 10,50 Milliarden US-Dollar entspricht einem Rückgang von 5 bis 7 Prozent gegenüber 2025. Für die zweite Jahreshälfte kalkuliert Lululemon mit einer langsameren Entwicklung als im zweiten Quartal. Das Nordamerika-Geschäft soll sich dabei ungefähr auf dem bisherigen schwachen Niveau bewegen.
- Die Bruttomarge soll 2026 um etwa 80 Basispunkte sinken.
- Ein positiver Effekt von 130 Basispunkten aus einer Zollrückerstattung im zweiten Quartal wird teilweise durch Fixkostendegression und Investitionen aufgezehrt.
- Die Preisnachlässe sollen im Gesamtjahr um rund 40 Basispunkte steigen.
- Geplant sind etwa 35 neue eigene Filialen und rund 35 Optimierungen; dadurch soll die Verkaufsfläche insgesamt um etwa 10 Prozent wachsen.
Die Kostenbasis wird damit zu einem zusätzlichen Risiko. Wenn der Umsatz zurückgeht, verteilen sich Mieten, Personal- und Logistikkosten auf weniger Erlöse. Gleichzeitig setzt Lululemon auf mehr Marketing und saisonale Räumungsverkäufe, was kurzfristig die Nachfrage stützen, aber die Profitabilität weiter unter Druck setzen kann.
Aktienkurs und Analystenreaktionen
Nach der Prognosekürzung verlor die Aktie am 4. September im US-Handel zeitweise nahezu 18 Prozent. Am 8. September lag der Kurs in Europa bei 86,20 Euro. Der Jahresverlust von 52,3 Prozent zeigt, dass der Markt nicht nur eine vorübergehende Schwächephase, sondern eine mögliche Neubewertung des Geschäftsmodells einpreist.
Mehrere Analystenhäuser reduzierten ihre Kursziele deutlich. Genannt wurden unter anderem Senkungen von 115 auf 105 US-Dollar, von 93 auf 83 US-Dollar und von 145 auf 115 US-Dollar. Die Bewertungen reichen damit von Halten beziehungsweise neutral bis zu Untergewichten. Ein weiteres Szenario hält für 2027 ein Ergebnis je Aktie von etwa 6 US-Dollar für möglich, also weniger als die Hälfte des früheren Gewinnniveaus. Dabei handelt es sich nicht um eine Unternehmensprognose, sondern um eine vorsichtige Analystenschätzung.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass die zentrale Frage nicht mehr allein die Bewertung nach dem Kursrutsch ist, sondern die Ertragskraft des Unternehmens. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass ein niedrigerer Aktienkurs nicht automatisch eine günstige Einstiegsgelegenheit darstellt. Eine belastbare Turnaround-These unter dem neuen CEO müsste zunächst eine Stabilisierung der Leggings-Nachfrage, weniger Preisnachlässe und eine Erholung in Nordamerika zeigen. Bis dahin bleibt das Risiko einer Value Trap bestehen: Die Aktie kann optisch günstig wirken, während weitere Gewinnrevisionen den fairen Wert noch nach unten verschieben.
Fazit & Ausblick
Lululemon steht vor einer Bewährungsprobe. Der schwache Start in das dritte Quartal, die rückläufigen Kernprodukte und die sinkenden Margen sprechen kurzfristig gegen eine schnelle Erholung. Entscheidend werden die nächsten Quartalszahlen sowie konkrete Aussagen des neuen Managements zur Produktstrategie, zur Preisgestaltung und zur Belebung des Nordamerika-Geschäfts. Erst eine nachweisbare Verbesserung dieser Kennzahlen würde die Turnaround-Hoffnung gegenüber dem Value-Trap-Risiko stärken.
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