Lululemon-Aktie stürzt 18 % ab: Konzern senkt Umsatz- und Gewinnprognose
Kurzüberblick
- Die Lululemon-Aktie verlor am 4. September zeitweise 17,9 Prozent und fiel in den USA unter 100 US-Dollar.
- Im zweiten Quartal sank der Umsatz um 4 Prozent auf 2,42 Milliarden US-Dollar, während der Nettogewinn um 11,2 Prozent zurückging.
- Der Sportbekleidungshersteller senkte die Umsatzprognose für 2026 auf 10,35 bis 10,50 Milliarden US-Dollar und das verwässerte EPS-Ziel auf 9,48 bis 9,73 US-Dollar.
- Besonders die Nachfrage nach Leggings in Nordamerika belastet das Geschäft; zusätzlich plant Lululemon mehr Marketing und saisonale Preisnachlässe.
Marktanalyse & Details
Quartalszahlen trotz EPS-Überraschung unter Druck
Lululemon erzielte im zweiten Quartal einen Umsatz von 2,42 Milliarden US-Dollar. Damit blieb der Konzern hinter der Markterwartung von rund 2,46 Milliarden US-Dollar zurück. Der Umsatz lag 4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die vergleichbaren Umsätze sanken um 9 Prozent, währungsbereinigt um 10 Prozent.
Das bereinigte Ergebnis je Aktie von 2,92 US-Dollar übertraf zwar die Erwartung von 1,79 US-Dollar. Darin enthalten war jedoch eine Zollerstattung von 0,86 US-Dollar je Aktie. Der Nettogewinn fiel um 11,2 Prozent auf 329,2 Millionen US-Dollar, das Betriebsergebnis sank um 13,4 Prozent auf 453,7 Millionen US-Dollar.
- Die vergleichbaren Umsätze in Amerika gingen um 12 Prozent zurück.
- Das internationale Geschäft verzeichnete einen Rückgang von 3 Prozent.
- Im Heimatmarkt Kanada sank der Umsatz im zweiten Quartal um 11 Prozent.
- Die Leggings-Verkäufe lagen im Quartal etwa 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Deutliche Kürzung der Jahresprognose
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Lululemon nun einen Umsatz von 10,35 bis 10,50 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang von 5 bis 7 Prozent gegenüber 2025 und liegt deutlich unter der bisherigen Markterwartung von rund 11,03 Milliarden US-Dollar. Das verwässerte Ergebnis je Aktie soll 9,48 bis 9,73 US-Dollar erreichen, verglichen mit einer Erwartung von rund 10,84 US-Dollar.
Auch der Ausblick auf das dritte Quartal fällt schwach aus. Der Umsatz soll 2,29 bis 2,32 Milliarden US-Dollar erreichen, ein Rückgang von 10 bis 11 Prozent. Das erwartete Ergebnis je Aktie liegt bei 0,93 bis 0,98 US-Dollar. Für Nordamerika rechnet das Unternehmen mit einem Rückgang im mittleren Zehnerprozentbereich, während China und die übrigen internationalen Märkte um 3 bis 5 Prozent wachsen sollen.
Margen und Kosten verschärfen den Gegenwind
Lululemon erwartet für 2026 einen Rückgang der Bruttomarge um etwa 80 Basispunkte. Zwar soll sich die Produktmarge verbessern, unter anderem durch einen positiven Effekt von rund 130 Basispunkten aus der Zollerstattung im zweiten Quartal. Dieser Vorteil wird jedoch durch die geringere Auslastung fixer Kosten, Investitionen in neue und optimierte Filialen sowie den Ausbau des Vertriebsnetzes aufgezehrt.
Zusätzlich rechnet der Konzern im Gesamtjahr mit einem Anstieg der Preisnachlässe um 40 Basispunkte. Mehr Marketing und saisonale Abverkäufe sollen die Nachfrage stabilisieren, bergen aber das Risiko eines weiteren Margendrucks. Die aktuelle Entwicklung zeigt damit nicht nur ein Umsatzproblem, sondern auch eine operative Hebelwirkung zulasten der Profitabilität.
Analysten-Einordnung
Ein Analyst senkte das Kursziel von 105 auf 95 US-Dollar und bestätigte die neutrale Einstufung. Dies deutet darauf hin, dass der Markt die jüngste Prognosekorrektur nicht als kurzfristige Delle, sondern als länger anhaltendes Nachfrageproblem bewertet. Als zentrale Risiken gelten die schwache Entwicklung bei den Kernprodukten, anhaltende Preisnachlässe, die Belastung durch fixe Kosten und eine begrenzte Sichtbarkeit für die künftige Strategie des neuen Managements.
Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass der starke EPS-Übertreffer im Quartal nur eingeschränkt als positives Signal gewertet werden kann. Ein wesentlicher Teil des Ergebnisses beruhte auf einer Zollerstattung, während Umsatz, Gewinn und regionale Nachfrage rückläufig waren. Ein möglicher Erholungstreiber bleibt das internationale Wachstum. Ob dieses den Einbruch in Nordamerika ausgleichen kann, ist angesichts der aktuellen Größenverhältnisse jedoch offen.
Zum Stand vom 4. September 2026 um 18:18 Uhr lag der in Euro gehandelte Kurs bei 86 Euro und damit 0,7 Prozent über dem Vortag. Auf Jahressicht summierte sich der Kursverlust dennoch auf 52,41 Prozent.
Fazit & Ausblick
Lululemon steht vor einer Bewährungsprobe: Die Nachfrage nach wichtigen Produkten schwächt sich ab, während Preisnachlässe und Kosten die Margen belasten. Im Fokus der nächsten Quartalszahlen stehen daher die Entwicklung in Nordamerika, die Wirkung der Marketingmaßnahmen und die Frage, ob das Management eine überzeugende strategische Wende präsentieren kann. Bis dahin bleibt die Aktie trotz des starken Kursrückgangs mit erhöhtem operativem Risiko behaftet.
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