
LPKF steigert 2025 bereinigtes EBIT leicht und startet North-Star-Neuausrichtung bis 2028
Kurzüberblick
Die LPKF Laser & Electronics SE hat am 26. März 2026 die Geschäftszahlen für 2025 veröffentlicht und dabei eine leichte Ergebnisverbesserung erreicht: Der Umsatz sank auf 115,3 Mio. EUR (–6,2 %), während das bereinigte EBIT auf 0,8 Mio. EUR zulegte (Vorjahr: 0,1 Mio. EUR). Gleichzeitig leitete der Konzern mit dem seit September 2025 laufenden Transformationsprogramm „North Star“ eine strukturelle Neuausrichtung ein.
Hinter dem vorsichtigen Gesamtbild stehen vor allem die schwache Nachfrage in wichtigen Märkten, ein schwaches zweites Quartal sowie fehlende Solaraufträge. Für 2026 bleibt die Unternehmensplanung daher verhalten: LPKF erwartet einen Konzernumsatz von 105 bis 120 Mio. EUR und eine bereinigte EBIT-Marge zwischen –3,0 % und 4,5 %. Treiber der Hoffnung sind Fortschritte im Wachstumsfeld Advanced Packaging für Halbleiter, insbesondere durch die LIDE-Technologie auf Glasbasis.
Marktanalyse & Details
Finanzkennzahlen: Ergebnis verbessert, aber Auftragslage bleibt angespannt
Für 2025 meldet LPKF einen Umsatzrückgang von 6,2 % auf 115,3 Mio. EUR. Das Management ordnet dies in ein schwieriges Umfeld ein, inklusive Investitionszurückhaltung in Teilen der Regionen sowie zusätzlichen Belastungen durch zoll- und handelspolitische Maßnahmen.
Das bereinigte EBIT stieg auf 0,8 Mio. EUR und erreichte damit den unteren Rand der eigenen zuletzt kommunizierten Spanne. Dennoch bleibt die operative Dynamik zweigeteilt: Während die Profitabilität verbessert wurde, zeigt die Nachfrage über den Auftragseingang eine deutliche Schwäche.
- Auftragseingang 2025: 91,6 Mio. EUR (Vorjahr: 114,3 Mio. EUR)
- Auftragsbestand: 27,1 Mio. EUR (Vorjahr: 50,9 Mio. EUR)
- Haupttreiber der Schwäche: schwaches zweites Quartal und ausbleibende Solaraufträge; Zurückstellungen u. a. in Europa und Asien
Advanced Packaging: LIDE und Co-Packaged Optics als Wachstumslinie
Im Segment Advanced Packaging sieht LPKF strukturelle Rückenwind-Effekte. Der Konzern argumentiert, dass glasbasierte Substrate im Halbleiterbereich zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die patentierte LIDE-Technologie gilt dabei als Kernvorteil für die hochpräzise, rissfreie Bearbeitung von Glas.
LPKF erweitert die Perspektive über klassische Prozessschritte hinaus: Zusätzlich zu LIDE nennt das Unternehmen neue Prozessbausteine wie das Singulieren glasbasierter Packages sowie das laserbasierte Bonden von Multilayer-Glass-Stacks. Ergänzend arbeitet LPKF an der Integration von Co-Packaged Optics (CPO) auf Glasubstraten, bei der optische Verbindungen als energieeffizientere Alternative zu konventionellen elektrischen Links dienen sollen.
Transformation „North Star“: Margen-Ziel bis 2028, aber mit Kostenlast 2026
Mit dem North-Star-Programm zielt LPKF darauf, bis 2028 eine nachhaltige zweistellige EBIT-Marge im Konzern zu erreichen. Das Maßnahmenpaket umfasst Effizienz- und Strukturmaßnahmen, darunter ausgewählte Personal- und Kostenanpassungen. Zudem wurde der Konsortialvertrag mit den finanzierenden Banken bis 2028 verlängert, um die Transformation finanziell abzusichern.
Für das laufende Jahr macht der Konzern jedoch klar, dass die Neuausrichtung kurzfristig spürbar belastet: Im Rahmen von North Star rechnet LPKF 2026 mit außergewöhnlich hohen Restrukturierungskosten in Höhe von rund 3 bis 4 % des Umsatzes. Dadurch dürfte das Gewinnprofil in 2026 weniger durch operatives Wachstum als durch Umbaumaßnahmen geprägt sein.
Segment-Update: Gegenwind in Solar, Fortschritte in Elektronik & Welding
In der Ergebnisbetrachtung zeigt sich ein Muster aus schwächerem Volumen und zugleich selektiven Erfolgen:
- Development: insgesamt positive Entwicklung, getragen von Nachfrage in Nordamerika; Government Shutdown in den USA belastete das vierte Quartal.
- Electronics: Druck durch den angespannten SMT-Markt und Auswirkungen der US-Zollpolitik; Projekte wurden verschoben. Positiv entwickelte sich das Geschäft mit Lasersystemen zum Schneiden von Leiterplatten (CuttingMaster 2000).
- Welding: weiter Gegenwind aus der schwachen Automobilindustrie; Erfolge im Consumer-Elektronik-Umfeld sowie bei smarten Robotik-Projekten. Produktionsbündelung: Fürth stärker zugunsten Suhl konsolidiert.
- Solar: Umsätze zunächst im Plan, aber stark schwacher Auftragseingang durch Investitionszurückhaltung. Der Technologiewechsel hin zu Perowskit-Beschichtungen gilt als noch nicht abgeschlossen; gleichzeitig sieht LPKF langfristige Chancen.
- ARRALYZE: eigenständige Aktivitäten beendet; Verkauf an einen passenden Partner wird geprüft.
Analysten-Einordnung: Die Kombination aus leicht verbessertem bereinigtem EBIT und stark reduziertem Auftragsbestand deutet darauf hin, dass LPKF 2025 vor allem über Effizienz und Kostensteuerung profitabler wurde, während sich die Nachfrage erst verzögert. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung: Der Turnaround im Ergebnis ist real, aber die Visibilität über die nächsten Quartale bleibt begrenzt – besonders solange das Solarsegment unter Investitionszurückhaltung leidet und die Umstrukturierung (2026: 3–4 % Restrukturierungskosten) das Ergebnisprofil überlagert. Gleichzeitig stärkt die klare Wachstumsstrategie im Glas-Advanced-Packaging die mittelfristige Story; entscheidend wird jedoch, wie schnell nachgelagerte Qualifikationsschritte für den Hochlauf tatsächlich greifen – denn Volumenaufträge aus dem Advanced-Packaging sind laut Prognose nicht in 2026 eingerechnet.
Ausblick 2026: Verhaltener Umsatz, breites Ergebnisband
Die Unternehmensprognose spiegelt Unsicherheit wider: LPKF erwartet für 2026 einen Konzernumsatz von 105 bis 120 Mio. EUR sowie eine bereinigte EBIT-Marge zwischen –3,0 % und 4,5 %. In der Planannahme steht dabei eine deutliche Schwäche im Solarsegment im Fokus. Zusätzlich wirkt geopolitische Unsicherheit als Risikofaktor für Lieferketten, Transportkosten und energieintensive Materialien.
LPKF betont außerdem: Potenzielle Volumenaufträge aus Advanced Packaging sind nicht berücksichtigt, weil der Markthochlauf nicht durch den LIDE-Prozess allein getrieben werde, sondern durch die Qualifikation nachgelagerter Prozessschritte.
Fazit & Ausblick
Kurzfristig steht für LPKF die Umsetzung der North-Star-Transformation im Vordergrund: Sie soll ab 2026 kurzfristige Ergebnisbelastungen aus Restrukturierung mit einem späteren Margenhebel bis 2028 verbinden. Operativ müssen sich die Auftragseingänge stabilisieren, damit der Auftragsbestand nicht zu stark als Bremsklotz wirkt.
Mittelfristig bleibt die Kernchance im Halbleiter-Advanced-Packaging auf Glasbasis (LIDE, Ausbau in Richtung CPO). Bis dahin sollten Investoren vor allem beobachten, ob die Nachfrage im Auftragseingang anzieht und wie schnell die nachgelagerten Qualifikationspfade den erwarteten Hochlauf ermöglichen.
