Gap-Aktie springt nach Q2-Zahlen: Gewinnprognose steigt, Old Navy bekommt neuen Chef
Kurzüberblick
- Gap erzielt im zweiten Quartal 3,70 Mrd. USD Umsatz und übertrifft trotz eines Rückgangs von 2,0 % die Erwartungen.
- Das bereinigte EPS erreicht 0,52 USD und liegt damit über der Prognose von 0,48 USD.
- Gap hebt das bereinigte EPS-Ziel für das Geschäftsjahr 2026 auf 2,35 bis 2,45 USD an, verengt aber die Umsatzprognose.
- Michael Francis übernimmt am 2. November die Führung von Old Navy; die Gap-Aktie steigt zeitweise um bis zu 15 %.
Marktanalyse & Details
Quartalszahlen über den Erwartungen
Gap hat im zweiten Geschäftsquartal trotz rückläufiger Erlöse beim Ergebnis überzeugt. Der Umsatz sank im Jahresvergleich um 2,0 % auf 3,70 Mrd. USD, lag damit aber über der Markterwartung von 3,69 Mrd. USD. Das bereinigte Ergebnis je Aktie erreichte 0,52 USD nach erwarteten 0,48 USD. Auf GAAP-Basis wies Gap ein EPS von 1,38 USD aus.
Der bereinigte Nettogewinn belief sich auf 190 Mio. USD. Das ausgewiesene GAAP-Nettoergebnis lag bei 501 Mio. USD und damit deutlich über den 206 Mio. USD des Vorjahres. Die Differenz zwischen beiden Ergebnisebenen unterstreicht, dass Sondereffekte die berichteten Zahlen erheblich beeinflusst haben.
Prognose steigt, Umsatzdynamik bleibt verhalten
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Gap nun ein bereinigtes EPS von 2,35 bis 2,45 USD. Zuvor hatte der Konzern lediglich eine niedrigere Zielspanne genannt. Die neue Prognose liegt zudem über dem Konsens von 2,32 USD. Beim Umsatz bleibt Gap vorsichtiger: Das Unternehmen rechnet jetzt mit einem Wachstum von 1,0 bis 1,5 %, nachdem zuvor 1,0 bis 2,0 % in Aussicht gestellt worden waren.
Die bereinigte operative Marge soll 7,4 bis 7,6 % erreichen, verglichen mit der bisherigen Spanne von 7,3 bis 7,5 %. Auch bei der bereinigten Bruttomarge erwartet Gap nun eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr.
Tarifrückerstattungen verzerren die Bruttomarge
Die gemeldete Bruttomarge sprang im zweiten Quartal auf 52,8 %. Das entspricht einem Anstieg um 11,6 Prozentpunkte. Davon entfielen allerdings 11,4 Prozentpunkte auf den erwarteten Ausgleich von Zöllen im Zusammenhang mit dem International Emergency Economic Powers Act. Bereinigt um diesen Effekt lag die Bruttomarge bei 41,4 % und verbesserte sich damit lediglich um 0,2 Prozentpunkte.
Gap verbuchte im Quartal eine Anpassung der Kosten der verkauften Waren von 417 Mio. USD im Zusammenhang mit der Nettoerstattung von Zöllen. Davon erhielt der Konzern bereits 95 Mio. USD an Rückerstattungen sowie 5 Mio. USD an Zinszahlungen. Weitere Erstattungen und Zinsen werden im dritten Quartal erwartet. Für das Gesamtjahr kalkuliert Gap aus der aktualisierten Zollannahme einen positiven Effekt von rund 15 Mio. USD auf Bruttogewinn und operatives Ergebnis, konzentriert auf das vierte Quartal.
Neuer Chef soll Old Navy stabilisieren
Parallel zu den Quartalszahlen stellt Gap die Führung bei seiner wichtigsten Marke neu auf. Michael Francis übernimmt am 2. November 2026 als President und CEO von Old Navy. Er war im März 2026 zu Gap gekommen und verantwortete zuletzt unter anderem Kundenstrategie und Marketing. Sein Vorgänger Haio Barbeito wechselt in eine beratende Funktion.
Die Personalentscheidung kommt nach einem schwächeren Sommerquartal und soll den Wachstumskurs von Old Navy wieder beschleunigen. Für Gap ist die Entwicklung der Marke besonders wichtig, weil sie einen wesentlichen Beitrag zum Konzernumsatz und zur operativen Ertragskraft leistet.
Analysten-Einordnung und Aktienreaktion
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Gap kurzfristig vor allem von besserer Kostenkontrolle, höheren Margen und zollbezogenen Einmaleffekten profitiert. Der Gewinn-Beat und die angehobene EPS-Prognose sind zwar klare positive Signale. Gleichzeitig zeigt die eingeengte Umsatzprognose, dass die Nachfrageentwicklung noch keine breite Beschleunigung erkennen lässt. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass die Nachhaltigkeit der Erholung maßgeblich an zwei Punkten gemessen werden muss: an einer anhaltenden Verbesserung der bereinigten Margen und an einer Stabilisierung von Old Navy ohne weitere Sondereffekte.
Die Gap-Aktie reagierte nach der Zahlenvorlage mit einem zwischenzeitlichen Plus von bis zu 15 % und lag später noch rund 13 % im Gewinn. Eine Analystenstimme hob das Kursziel von 27 auf 29 USD an, beließ die Einstufung jedoch auf Neutral. Das signalisiert, dass der Markt die Ergebnisüberraschung honoriert, eine dauerhafte Neubewertung der Aktie aber noch nicht als gesichert gilt.
Fazit & Ausblick
Gap startet mit einer angehobenen Gewinnprognose und verbesserten Margenerwartungen in die zweite Jahreshälfte. Der nächste wichtige Test folgt im dritten Quartal, wenn weitere Zollrückerstattungen verbucht werden und die bereinigte Bruttomarge um 25 bis 75 Basispunkte gegenüber dem Vorjahreswert von 42,4 % steigen soll. Entscheidend bleibt, ob Michael Francis bei Old Navy die Umsatzdynamik verbessern kann und die operative Erholung auch ohne zollbedingte Sonderbeiträge Bestand hat.
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