Exasol-Aktie erhält Kursziel 3,20 EUR: Montega stuft nach Halbjahres-Delay auf Kaufen
Kurzüberblick
Die Exasol AG steht nach einem schwächeren ersten Halbjahr weiter unter Beobachtung: Das Unternehmen meldete rückläufige Umsätze und ein niedrigeres EBITDA, während der ARR-Churn spürbar nachließ. Der TecDatenbank-Anbieter arbeitet zugleich an mehreren Wachstumsimpulsen rund um Datensouveränität und agentische KI – allerdings verzögert sich der Vertrieb bei einem wichtigen MariaDB-Partnerlauf teils bis in den Sommer hinein.
Am 21.08.2026 veröffentlichte Montega ein Research-Update mit der Einstufung Kaufen sowie einem Kursziel von 3,20 EUR. An der Lang-&-Schwarz-Börse notiert die Exasol-Aktie aktuell bei 1,87 EUR, seit Jahresbeginn liegt sie bei -32,49 %. Für Anleger ist damit entscheidend, ob die im Halbjahr angelegten Effekte ab Q3 in stabilere Vertrags- und Umsatzdynamik übergehen.
Marktanalyse & Details
Research-Update: Kaufen und Kursziel 3,20 EUR
Montega bestätigt die Kaufempfehlung und verweist darauf, dass ein temporärer Gegenwind den Blick auf die „intakten Wachstumstreiber“ überlagere. Als zentrale Erklärung werden insbesondere Verzögerungen im MariaDB-Ramp-up sowie ein schwächeres Upselling bei Bestandskunden genannt.
- Empfehlung: Kaufen (seit 21.08.2026)
- Kursziel (12 Monate): 3,20 EUR
Halbjahreszahlen: Umsatz und EBITDA unter Erwartungen – ARR-Churn verbessert
Für das erste Halbjahr 2026 bestätigte Exasol vorläufige Eckdaten: Der Umsatz lag bei 19,0 Mio. EUR nach zuvor 21,5 Mio. EUR. Das EBITDA fiel auf 1,6 Mio. EUR (Vorjahr: 2,0 Mio. EUR). Der ARR ging leicht auf 37,9 Mio. EUR zurück (Vorjahr: 38,1 Mio. EUR).
Gleichzeitig verbessert sich die Qualität der wiederkehrenden Erlöse: Die rollierende ARR-Churn-Rate sank zum 30.06.2026 auf 10 % nach 24 % zum Jahresende 2025. Positiv ist zudem, dass Exasol im ersten Halbjahr elf Neukunden gewann.
- ARR zum 30.06.2026: 37,9 Mio. EUR
- Wiederkehrende Erlöse (H1): 18,9 Mio. EUR
- Umsatz (H1): 19,0 Mio. EUR
- EBITDA (H1): 1,6 Mio. EUR
- ARR-Churn (rollierend): 10 %
Warum der Wachstumspfad zeitlich gerutscht ist
Die aktuelle Diskussion dreht sich weniger um das „Ob“, sondern um das „Wann“: Montega und Exasol berichten von Wachstumsbereichen, die grundsätzlich greifen, deren Umsetzung jedoch zeitlich streckt.
- MariaDB-Ramp-up verzögert sich: Die technische Integration habe mehr Zeit benötigt als erwartet. Für das erste Kooperationsjahr erhielt Exasol laut Research eine Vorauszahlung von rund 0,8 Mio. EUR, die im ARR ausgewiesen wird. Mit Ablauf des Zeitraums Ende August soll dieser ARR auf das tatsächlich generierte Geschäft angepasst werden. In der PoC-Phase befinden sich drei Endkunden; selbst bei kurzfristigem Abschluss dürfte daraus nur ein ARR von etwa 0,1 Mio. EUR entstehen – für Q3 wird dadurch zusätzlicher Churn wahrscheinlicher.
- Upselling bei Bestandskunden unter den Erwartungen: Das Upselling lag im Q2 bei 0,6 Mio. EUR nach 3,4 Mio. EUR im Vorjahr. Zwei für das Quartal antizipierte Deals realisierten sich nicht: Ein Lakehouse-Turbo-Einsatz kam nicht produktiv zustande, weil die PoC nicht in den Rollout überging. Zudem führten gestiegene Hardwarepreise bei einem weiteren Kunden dazu, dass Datenvolumen begrenzt und bereinigt wurde, um Infrastrukturinvestitionen zu verschieben.
- Neugeschäftsmomentum sichtbar: Ein für Q2 erwarteter Abschluss mit einem US-amerikanischen Pharma-/Life-Science-Unternehmen sei weiter fortgeschritten; ein kurzfristiger Vertragsabschluss erscheine wahrscheinlich. Dabei sollen unstrukturierte Studien- und Patientendaten in eine strukturierte Datenbasis für agentische Auswertungen überführt werden. Ergänzend wird die Partnerschaft mit adesso positiv bewertet: In der Türkei sei bereits ein kleinerer Abschluss erzielt worden; weitere Chancen stünden in der Pipeline. Mit STACKIT verfolgt Exasol zudem Opportunitäten im deutschen öffentlichen Sektor.
Ausblick 2026: Guidance bleibt, aber Anleger sollten den Timing-Faktor im Blick behalten
Exasol erwartet für 2026 eine Veränderung des ARR zwischen -2 % und +2 %. Beim Umsatz rechnet das Unternehmen mit einem Rückgang im oberen einstelligen Prozentbereich; das EBITDA soll zwischen 3,0 Mio. EUR und 3,5 Mio. EUR liegen.
Analysten-Einordnung: Für Anleger bedeutet diese Gemengelage vor allem, dass die positive operative Logik der Wachstumsstory weiterhin plausibel bleibt, die Ergebnisdarstellung aber kurzfristig stärker vom Umsetzungstempo einzelner Vertriebs- und Integrationspfade abhängt. Die Verbesserung beim ARR-Churn spricht dabei für eine stabilere Wiederkehrerdynamik. Gleichzeitig deutet der erwartete Anpassungsbedarf nach dem MariaDB-Vorauszahlungszeitraum darauf hin, dass der Markt in den nächsten Quartalen besonders fein beobachten wird, ob PoCs tatsächlich in rollierende Umsätze übergehen. In der Kombination kann das die Volatilität der Kennzahlen erhöhen – auch wenn die strukturellen Wachstumstreiber intakt bleiben.
Fazit & Ausblick
Exasol bleibt ein Case zwischen operativer Stabilisierung (Churn-Rückgang, Neukundenzuwachs) und temporären Dämpfern (Partnerintegration, Upselling-Delay). Der Montega-Blick auf Kaufen mit Kursziel 3,20 EUR basiert damit weniger auf einer kurzfristigen Ergebnisbeschleunigung, sondern auf dem erwarteten Voranschreiten der Verträge.
Für die nächsten Schritte sind insbesondere die ARR-Anpassung Ende August sowie die Entwicklung im Q3 bei Churn, Conversion aus PoCs und dem Upselling mit Bestandskunden entscheidend. Wer investiert ist oder einsteigt, sollte diese Treiber als zentrale Bewertungsmaßstäbe für die weitere Kursreaktion verstehen.
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