EVN steigert Halbjahresumsatz und Gewinn trotz Gegenwind bei Erneuerbaren – Ausblick bleibt bestätigt
Kurzüberblick
Die EVN AG hat am 28.05.2026 Zahlen zum ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 vorgelegt: Der Umsatz stieg um 3,2 Prozent auf 1.187,0 Mio. Euro, während das Konzernergebnis um 24,7 Prozent auf 312,4 Mio. Euro zulegte. Gleichzeitig bestätigte der Konzern seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr.
Die Aktie zeigt sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schwächer: Bei 28,10 Euro notiert das Papier 2,43 Prozent tiefer als zuvor (YTD: +3,69 Prozent). Anleger blicken dabei besonders auf die Ergebnispunkte rund um erneuerbare Erzeugung und Strompreise, obwohl EVN die Kapazitäten weiter ausbaut.
Marktanalyse & Details
Erfolgsrechnung: Wachstum aus Regulierung, Ergebnis durch Kosten- und Sondereffekte
Operativ bewegte sich EVN trotz schwieriger Rahmenbedingungen auf Vorjahresniveau nach oben. Maßgeblich für den Umsatzanstieg waren regulatorisch bedingte Preiseffekte in den Verteilnetzen (Niederösterreich und Bulgarien). Dem standen Rückgänge im Bereich der erneuerbaren Erzeugung gegenüber, verursacht durch Preis- und Mengeneffekte.
- EBITDA: plus 7,9 Prozent auf 553,3 Mio. Euro
- EBIT: plus 8,2 Prozent auf 362,9 Mio. Euro
- Konzernergebnis: plus 24,7 Prozent auf 312,4 Mio. Euro
- Finanzergebnis: -22,3 Mio. Euro (Verbesserung gegenüber -29,4 Mio. Euro)
Ein wichtiger technischer Hebel: Die Bereitstellung von Reserveleistung aus dem Kraftwerk Theiß wurde nicht verlängert und das Kraftwerk produziert nicht für den Markt. Dadurch wirkte sich das Erzeugungsprofil spürbar anders aus als im Vorjahr.
Erneuerbare unter Druck, aber Struktur stimmt: Wettereffekte und dennoch hoher Ökostrom-Anteil
Das erste Halbjahr war in den Kernmärkten von einer deutlich kälteren Witterung geprägt. Für Wind und Wasser lagen die Erzeugungskoeffizienten unter dem Vorjahresniveau und dem langjährigen Durchschnitt; einzig die Wasserführung in Nordmazedonien lag deutlich darüber.
- Stromerzeugung: 1.502 GWh, das sind 6,7 Prozent weniger als im Vorjahr
- Erneuerbare Erzeugung: 1.209 GWh (leicht darunter gegenüber 1.212 GWh)
- Thermische Erzeugung: 293 GWh (rund 26,3 Prozent weniger als 397 GWh)
- Erneuerbarenanteil: 80,5 Prozent nach 75,3 Prozent im Vorjahr
EVN gleicht den operativen Wetterkopfwind mit zusätzlicher Erzeugungskapazität teilweise aus: Zwei Windparks wurden in Betrieb genommen (Gnadendorf, Ebenfurth) sowie eine Photovoltaikanlage in Gaweinstal fertiggestellt. Zudem laufen Projekte für weitere Windparks und eine PV-Anlage; Großbatteriespeicher sind in Theiß (70 MW) und Dürnrohr (16 MW) in Bau.
Bilanz & Finanzierung: Verkaufserlös senkt Nettoverschuldung, Ratings bleiben stabil
Die Kapitalstruktur beurteilt EVN als solide. Ein wesentlicher Effekt kommt aus dem abgeschlossenen Verkauf des internationalen Projektgeschäfts: Der Kaufpreis von 100 Mio. Euro ist eingegangen, zudem wurden konzerninterne Cash-Pooling-Forderungen durch STRABAG abgelöst.
- Nettoverschuldung: 1.094,8 Mio. Euro per 31.03.2026 (vorher 1.155,9 Mio. Euro)
- Credit Ratings: Moody's A1 (stabil) und Scope Ratings A+ (stabil)
Analysten-Einordnung: Für Anleger deutet das Gesamtbild darauf hin, dass EVN die Ergebnisstabilität derzeit besser absichert als es die Schlagzeilen rund um erneuerbare Erzeugung vermuten lassen. Zwar belasten Wetter- und Strompreis-/Mengen-Effekte das erneuerbare Geschäft, doch der Konzern kompensiert dies über regulierungsgetriebene Umsatzkomponenten, ein wachsendes EBITDA und eine weiterhin solide Finanzierungsqualität. Gleichzeitig bleibt die wichtige Frage für die nächsten Monate: Wie stark wirkt sich die Volatilität bei Wind- und Wasserverfügbarkeit auf die Ergebnisqualität aus, wenn die Ausbaukurve (Wind/PV/Batterie) zwar folgt, aber nicht jede kurzfristige Produktion glätten kann.
Strategie 2030: E-Mobilität und Trinkwasser als Wachstums- und Resilienzthemen
Neben dem Ausbau der Erzeugung setzt EVN klar auf Infrastruktur: Die Partnerschaft mit AVIA zielt ab 2026 auf den Rollout moderner Schnellladestationen; die AVIA CARD wird zur Tank- und Ladekarte und soll an EVN-Ladepunkten nutzbar sein. Parallel startet der Bau einer weiteren überregionalen Trinkwasserversorgungsleitung in Niederösterreich.
- E-Ladeinfrastruktur: Kooperation EVN/AVIA, Einsatz moderner Schnellladestationen ab 2026
- Trinkwasser: Transportleitung (rund 24 Kilometer), Inbetriebnahme geplant für 2029/30; Investitionsvolumen rund 15 Mio. Euro
- Investitionsprogramm: planmäßiger Fortschritt beim EUR-1-Mrd.-Programm für 2025/26
Fazit & Ausblick
EVN liefert ein klares Signal: Trotz wetterbedingter Schwankungen und negativer Effekte im erneuerbaren Umsatzsegment bleibt das operative Fundament tragfähig. Der bestätigte Ausblick setzt gleichzeitig einen Prüfstein: Das Unternehmen erwartet für 2025/26 EBITDA und Konzernergebnis etwa auf Vorjahresniveau; das Konzernergebnis soll in einer Spanne von rund 430 Mio. Euro bis 480 Mio. Euro liegen.
Für Anleger dürfte der nächste Fokus auf den Entwicklungen im Strommarkt (Erzeugungsprofil, CO2- und Strompreisumfeld) sowie auf dem Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Kapazitäten inklusive Batteriespeichern liegen. Entscheidend wird zudem sein, ob die regulatorischen Impulse die kurzfristige Ergebnisvolatilität im erneuerbaren Bereich dauerhaft ausgleichen.
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