Duolingo-Aktie: Evercore verdoppelt Kursziel auf 210 Dollar und stuft sie auf Outperform hoch
Kurzüberblick
- Evercore ISI stuft die Duolingo-Aktie von „In Line“ auf „Outperform“ hoch und verdoppelt das Kursziel auf 210 US-Dollar.
- Der Analyst sieht mehr als 40 Prozent Aufwärtspotenzial gegenüber dem Schlusskurs von 148,36 US-Dollar.
- Duolingo steigerte im zweiten Quartal den Umsatz um 18 Prozent und die Zahl der täglich aktiven Nutzer um 23 Prozent auf 58,7 Millionen.
- Der Nettogewinn sank um 26 Prozent, weil das Unternehmen gezielt stärker in Nutzergewinnung und -bindung investiert.
Marktanalyse & Details
Evercore setzt auf eine Produktwende
Evercore-ISI-Analyst Mark Mahaney hat seine Einschätzung zur Duolingo-Aktie deutlich angehoben. Aus „In Line“ wurde „Outperform“, während das Kursziel von 105 auf 210 US-Dollar stieg. Der neue Zielkurs liegt damit mehr als 40 Prozent über dem Schlusskurs von 148,36 US-Dollar.
Mahaney vergleicht die aktuelle Situation mit Netflix im Jahr 2022. Damals belastete nachlassendes Wachstum den Aktienkurs, bevor neue Produkte eine positive Dynamik bei Nutzung, Geschäftsentwicklung und Analystenschätzungen auslösten. Zugleich weist Evercore darauf hin, dass Duolingo im Vergleich zu Netflix damals höher bewertet ist und nicht über eine vergleichbare Größe verfügt.
Nutzerwachstum bleibt der wichtigste Wachstumstreiber
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass die Sprachlern-App weiterhin viele Nutzer erreicht. Der Umsatz legte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent zu, die Gesamtbuchungen stiegen um 8 Prozent. Die täglich aktiven Nutzer wuchsen um 23 Prozent auf 58,7 Millionen, die Zahl der zahlenden Abonnenten um 17 Prozent auf 12,7 Millionen.
- Evercore erwartet für 2028 rund 99 Millionen täglich aktive Nutzer; die Konsensschätzung liegt bei etwa 85 Millionen.
- Die Gewinnprognose für 2028 von 5,10 US-Dollar je Aktie liegt laut Evercore 24 Prozent über dem Marktkonsens.
- Für das dritte Quartal stellte Duolingo einen Umsatz von 302 Millionen US-Dollar in Aussicht, leicht unter den erwarteten rund 304 Millionen US-Dollar.
Das Unternehmen erweitert unterdessen sein Angebot. Sprechübungen sind breiter verfügbar, und die KI-gestützte Funktion „Video Call“ wurde in das günstigere Super-Abonnement integriert. Möglich wurde dies durch deutlich gesunkene Bereitstellungskosten für die Videogespräche.
Profitabilität und KI-Risiko im Fokus
Der Nettogewinn ging im zweiten Quartal um 26 Prozent zurück. Das Management hatte diesen Rückgang erwartet, weil Duolingo bewusst mehr in die Gewinnung und langfristige Bindung von Nutzern investiert. Die Profitabilität fiel nach Unternehmensangaben dennoch besser aus als ursprünglich angenommen.
Auch der zunehmende Einsatz generativer künstlicher Intelligenz beim Sprachenlernen stellt ein Wettbewerbsrisiko dar. Eine Evercore-Befragung von 1.300 US-amerikanischen Sprachlernenden liefert jedoch derzeit keinen klaren Hinweis auf eine Abwanderung bestehender Duolingo-Nutzer: 36 Prozent nutzten ChatGPT, mehr als die Hälfte dieser Gruppe verwendete zusätzlich Duolingo. 63 Prozent der Überschneidungsgruppe nutzten die App täglich.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass KI bislang eher eine Ergänzung als ein Ersatz für die tägliche Lernroutine von Duolingo ist. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass die zentrale Investmentthese weniger von kurzfristigen Margen als von der Fähigkeit abhängt, hohe Nutzerzahlen in zahlende Abonnements und nachhaltiges Gewinnwachstum umzuwandeln. Das erhöhte Kursziel setzt voraus, dass Duolingo seine Produktinnovationen erfolgreich skaliert und die aktuell überdurchschnittlichen Wachstumserwartungen erfüllt.
Bewertung bleibt anspruchsvoll
Die Aktie verlor am Tag nach der jüngsten Zahlenvorlage am 5. August 9,4 Prozent, erholte sich seitdem aber um 21 Prozent auf 148,36 US-Dollar. Im laufenden Jahr liegt sie weiterhin rund 15 Prozent im Minus und notiert fast 58 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 353 US-Dollar aus dem vergangenen Oktober.
Auch die Nutzerbindung verdient Aufmerksamkeit: In der Evercore-Umfrage erklärten 33 Prozent der Duolingo-Nutzer, sie würden die App in den kommenden drei Monaten sehr wahrscheinlich nicht mehr verwenden. Im Vorjahr waren es 30 Prozent, 2024 dagegen 23 Prozent. Die Kundenzufriedenheit stieg gleichzeitig von 64 auf 66 Prozent.
Fazit & Ausblick
Die Hochstufung stützt sich auf die Aussicht auf anhaltend starkes Nutzerwachstum, neue Produktfunktionen und über dem Konsens liegende Gewinnschätzungen. Der nächste wichtige Prüfstein sind die kommenden Quartalszahlen: Anleger werden insbesondere darauf achten, ob Duolingo die Umsatzprognose von 302 Millionen US-Dollar für das dritte Quartal erreicht, die Abonnentenzahl weiter steigert und die Investitionen in Wachstum wieder in höhere Gewinne übersetzt. Das steigende Abwanderungsrisiko und die anspruchsvolle Bewertung bleiben die wesentlichen Gegenargumente.
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