DO & CO: Analysten bestätigen BUY trotz Hormuz-Risiko – Kursziel 250 Euro und Fokus auf Istanbul-Rerouting
Kurzüberblick
Die DO & CO-Aktie steht am 06.05.2026 bei 172,80 Euro (Stand 09:15 Uhr) und gewinnt damit +2,01% im Tagesverlauf. Gleichzeitig bleibt das Jahr für Anleger mit -16,12% im Minus. Hintergrund ist ein Research-Update, das die Aktie weiterhin mit BUY einstuft und ein Kursziel von 250 Euro nennt (zuvor 266 Euro).
Der Analystenblick richtet sich vor allem auf kurzfristige Belastungen durch eine anhaltende Schließung der Straße von Hormuz und das damit verbundene Risiko für Treibstofflieferungen. Trotz dieser makrogetriebenen Unsicherheit bleibt das Basisszenario intakt: Wachstum und Margenausbau sollen vor allem über ein verändertes Routenmix-Profil sowie über Rerouting-Effekte rund um den Luftverkehrsknoten Istanbul gestützt werden.
Marktanalyse & Details
Rating & Kursziel: BUY bleibt, Ziel leicht gesenkt
- Empfehlung: BUY
- Kursziel: 250 Euro (gegenüber 266 Euro)
- Logik: Prognosen werden wegen des kurzfristig vorsichtigeren Makro-Umfelds reduziert, die Equity-Story selbst aber als unverändert beschrieben.
Warum das Hormuz-Risiko kurzfristig bremst, aber nicht zwingend den Kern trifft
Die zentrale These lautet: Je stärker Fluggesellschaften Kapazitäten anpassen müssen, desto eher könnte es bei ihnen zu Einschnitten bei weniger profitablen Short-haul-Verbindungen kommen. Für DO & CO ist jedoch besonders relevant, dass Premium- und Long-haul-Flüge typischerweise einen deutlich höheren Cateringschlüssel haben als reine Kurzstrecken.
Für die operative Sicht bedeutet das: Eine höhere Zahl an Stornierungen muss nicht proportional zu einem Rückgang der DO-&-CO-relevanten Catering-Volumina führen. Als Beispiel wird genannt, dass Lufthansa im Sommer zwar mehrheitlich Kurzstrecken-Flugpläne reduziert, die Kapazitätswirkung gemessen an Available Seat Kilometers jedoch vergleichsweise begrenzt ausfallen soll.
Rerouting über Istanbul: Turkish Airlines und Istanbul Airport als mögliche Gewinner
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Verkehrsverlagerungen infolge von regionalen Luftlufteinschränkungen. Istanbul wird in diesem Szenario als logische Ausweichdrehscheibe beschrieben – mit dem Potenzial, dass insbesondere Turkish Airlines und der Flughafen Istanbul profitieren.
- Turkish Airlines: Passagierwachstum im März auf 16,0% yoy (nach 9,4% yoy im Februar)
- Istanbul Airport: Passagierwachstum im März bei 8,0% yoy (nach 2,5% yoy im Februar)
Diese Daten werden mit dem Ausbau- und Kapazitätsfortschritt rund um die geplante neue Istanbul-Gourmetküche verknüpft. Für die mittelfristige Story ist das insofern wichtig, als zusätzliche Produktionskapazität am Hub den Anspruch unterstützen soll, Nachfrageeffekte aus dem Rerouting nicht nur zu überstehen, sondern in Wachstum umzusetzen.
Kostenbasis als Puffer: Margen soll DO & CO aktiv stabilisieren
Operativ stützt das Modell die Argumentation, dass Margen auch bei schwankenderem Flugvolumen besser standhalten können. Genannt wird eine Struktur mit einem relevanten Anteil an Verträgen mit bereits vereinbarten Margen sowie weiteren Preismechanismen (u. a. handling-fee-basiert, volumenabhängig sowie Pass-through-Elemente bei Lohn- und Rohstoffinflation).
- Vertragsmix: Etwa ein Drittel der Umsätze als Open-Book-Contracts mit festen Margen
- Weitere Erlösbausteine: feste Handling Fees, volume-linked meal revenues und Inflationsklauseln
- Kostenhebel: variable Kosten in Höhe von rund 80% der Umsätze
Finanzielle Ausgangslage: Spielraum gegenüber Wettbewerbern
Ein weiterer Baustein der Bewertung ist die Bilanz- und Ergebnisfestigkeit im Wettbewerbsumfeld. In der Analyse wird DO & CO mit einem Zielbild von rund 8,7% EBIT-Marge sowie einer Netto-Entschuldung von nur 0,2x Net Debt/EBITDA beschrieben. Das soll dem Unternehmen die Flexibilität geben, Servicequalität zu sichern, in Kapazität zu investieren und in Ausschreibungen diszipliniert aufzutreten.
Für Anleger bedeutet diese Entwicklung vor allem: Selbst wenn sich die kurzfristige Nachfrage durch geopolitische Risiken abkühlt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass das Management die Profitabilität stabiler hält als stark verschuldete oder weniger margegeschützte Wettbewerber.
Analysten-Einordnung: Die Kurszielsenkung auf 250 Euro wirkt weniger wie ein Bruch, sondern eher wie ein „Risk-Management“-Signal. Besonders plausibel ist die Logik, dass Routenstreichungen sich zuerst auf weniger wertige Short-haul-Segmente konzentrieren, während Long-haul- und Premiumnachfrage eher erhalten bleibt. Gleichzeitig sollte die These zum Istanbul-Rerouting erst über nachgelagerte Quartalsdaten bestätigt werden. Insgesamt deutet das Research-Update darauf hin, dass das Chance-Risiko-Profil trotz Makrostress weiterhin positiv gesehen wird, jedoch mit höherer kurzfristiger Ergebnisvolatilität als zuvor.
Prognosen: Schätzungen gekürzt, aber nahe am Konsens
Die erwarteten Zahlen wurden angepasst: Wegen des vorsichtigeren Near-term-Makros werden Teile des erwarteten Wachstums und des Margenausbaus zeitlich verschoben. Trotz der Kürzungen werden die revidierten Schätzungen als breit konsistent mit dem Konsens beschrieben – unter anderem mit einer Umsatzwachstumsrate von 8,8% yoy sowie einer EBIT-Marge von 8,9%.
Fazit & Ausblick
DO & CO bewegt sich laut Research in einem Spannungsfeld aus kurzfristigem Treibstoff- und Routenrisiko sowie einem strukturell margenstabilisierenden Catering-Modell. Für die nächsten Quartale wird entscheidend sein, ob sich der erwartete Rerouting-Schub über Istanbul in der Nachfrage widerspiegelt und ob die Kosten- sowie Vertragsmechanik den Margendruck wirksam abfedert.
Anleger sollten insbesondere die kommenden Zwischenberichte und begleitenden Unternehmensupdates beobachten, um die Entwicklung von Kapazitätsanpassungen bei Airlines, das Volumenprofil zwischen Short- und Long-haul sowie den Fortschritt beim Kapazitätsausbau am Hub in die Bewertung einzupreisen.
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