Carl Zeiss Meditec schrumpft Gewinn: Umsatz -2,9% wegen China und ProfitUp plant bis zu 1.000 Jobs

Carl Zeiss Meditec AG

Kurzüberblick

Carl Zeiss Meditec hat für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 einen spürbaren Ergebnisrückgang gemeldet: Der Umsatz fiel um 2,9% auf 1,55 Milliarden Euro, während sich die bereinigte operative Kennzahl (bereinigtes EBITA) deutlich schwächer entwickelte. Belastet wurde das Zahlenwerk vor allem durch das Chinageschäft sowie ungünstige Wechselkurse. Das Unternehmen berichtet am 6. August 2026 aus Jena.

Während die Aktie zur Veröffentlichung bei 30,24 Euro notierte (Tagesplus: +0,53%), bleibt das Kursbild mit Blick auf das laufende Jahr deutlich unter Druck (YTD: -24,36%). Für Anleger wird damit vor allem entscheidend, ob das laufende ProfitUp-Programm die Profitabilität zügig stabilisieren kann – einschließlich eines möglichen Stellenabbaus von bis zu 1.000 Positionen weltweit innerhalb der nächsten drei Jahre.

Marktanalyse & Details

Umsatz stabil, Ergebnis bricht ein

Operativ zeigt sich ein zweigeteiltes Bild: Umsatzseitig ist der Konzern nach eigenen Angaben währungsbereinigt nahezu stabil, ergebnisseitig jedoch klar unter Druck. In den ersten neun Monaten erzielte Carl Zeiss Meditec Erlöse in Höhe von 1.553,7 Mio. Euro nach 1.600,1 Mio. Euro im Vorjahr (Rückgang um 2,9%). Währungsbereinigt blieb der Umsatz bei 0,0% Veränderung.

  • Bereinigtes EBITA: 124,5 Mio. Euro nach 177,0 Mio. Euro (minus 30%); bereinigte EBITA-Marge auf 8,0% nach 11,1%
  • EBITA (operativ): 108,4 Mio. Euro nach 175,4 Mio. Euro (Marge 7,0% nach 11,0%)
  • Gewinn je Aktie: 0,80 Euro nach 1,02 Euro (negativ); bereinigt je Aktie 1,02 Euro nach 1,23 Euro

Auch auf der Kostenseite verschlechterte sich das Profil: Die Bruttomarge sank auf 51,0% (vorher 52,7%). Die OpEx-Quote stieg auf 45,6% (vorher 43,2%), unter anderem wegen höherer Forschung-und-Entwicklung-Aufwendungen durch außerplanmäßige Abschreibungen im Zuge einer Akquisition sowie Rechtsstreitkosten und ProfitUp-bedingter Ausgaben.

Warum China und Wechselkurse die Marge treffen

Das Management führt die Entwicklung insbesondere auf die Ophthalmology-Sparte zurück: Dort fiel der Umsatz in den ersten neun Monaten um 4,8% auf 1.191,4 Mio. Euro; währungsbereinigt lag der Rückgang bei 2,9%. Der Kern: schwächere Geschäfte mit Intraokularlinsen in China infolge des Wegfalls einer bifokalen Intraokularlinse aus einem bestehenden VBP-Tender – inklusive Rücknahme entsprechender Lagerbestände. Zusätzlich wirkten weniger Prozeduren im Bereich refraktiver Laser sowie ein zunehmend gedämpftes Investitionsumfeld im Gerätegeschäft, vor allem in APAC.

  • Ophthalmology: 1.191,4 Mio. Euro (minus 4,8%; währungsbereinigt minus 2,9%)
  • Microsurgery: 362,3 Mio. Euro (plus 3,8%; währungsbereinigt plus 7,1%), gestützt durch starke Auslieferungen neurochirurgischer Operationsmikroskope
  • Wiederkehrende Umsätze: 50,9% (vorher 51,9%), also leicht rückläufig

Regional: EMEA stützt, APAC belastet

Geografisch zeigt sich die Spannung zwischen Stabilität in Europa und Schwäche in Teilen Asiens. Während EMEA wuchs, blieb APAC deutlich unter Vorjahr – ein wichtiger Hinweis darauf, dass sich die Erholungstendenzen bislang nicht breit genug durchsetzen konnten.

  • EMEA: 509,0 Mio. Euro (plus 5,4%; währungsbereinigt plus 5,8%)
  • Americas: 397,0 Mio. Euro (minus 2,6%; währungsbereinigt plus 3,6%)
  • APAC: 647,8 Mio. Euro (minus 8,7%; währungsbereinigt minus 7,6%)

Kostenprogramm ProfitUp: Umsetzung startet, Wirkung bleibt zentral

Angesichts der schwächeren Entwicklung – vor allem in China – will Carl Zeiss Meditec Kosten senken. Von den Einsparungen könnten in den nächsten drei Jahren bis zu 1.000 Stellen weltweit betroffen sein; die Gespräche mit Arbeitnehmervertretern seien aufgenommen und verliefen konstruktiv. Parallel arbeitet das Unternehmen an strukturellen Effizienzschritten, etwa durch eine stärkere Integration der ophthalmologischen Chirurgie (Zusammenführung anteriorer und posteriorer Operationsbereiche) sowie eine Optimierung des globalen Fertigungsnetzwerks, inklusive Vorbereitungen für einen zukünftigen Produktionsstandort in Indien. Im Bereich chirurgischer Instrumente wird zudem das Portfolio angepasst, unter anderem wegen Überschneidungen mit dem DORC-Portfolio.

Analysten-Einordnung: Dass der Umsatz währungsbereinigt nahezu stabil bleibt, aber das bereinigte EBITA um rund ein Drittel nachgibt, deutet darauf hin, dass die Profitabilitätsprobleme weniger aus dem reinen Mengeneffekt entstehen als aus Mix- und Kostenfaktoren (u.a. Bruttomargendruck, höherer OpEx, Sonderwirkungen). Für Anleger bedeutet diese Konstellation: Entscheidend ist jetzt nicht nur die weitere Umsatzentwicklung, sondern die Geschwindigkeit und Nachhaltigkeit der ProfitUp-Implementierung. Positiv ist der leicht höhere Auftragsbestand gegenüber dem Geschäftsjahresende 2024/25 – er kann die Basis für spätere Ertragsverbesserungen legen, falls die Marge wieder anzieht.

Ausblick: Umsatzspanne bleibt, Marge bleibt ein Ziel mit Risiko

Für das Gesamtjahr 2025/26 erwartet der Konzern einen Umsatz von rund 2,15 bis 2,20 Milliarden Euro. Die bereinigte EBITA-Marge soll nach Berücksichtigung potenzieller Einmaleffekte zwischen 8% und 10% liegen (im Vorjahr lag die EBITA-Marge bei 11,6%). Zusätzlich erwartet Carl Zeiss Meditec für die Ophthalmology-SBU im vierten Quartal eine Wertminderung des Goodwills in einer Größenordnung von rund 150 Mio. Euro.

Fazit & Ausblick

Die Zahlen zeigen: Carl Zeiss Meditec steht weniger vor einem unmittelbaren Umsatzproblem als vor einem Margen- und Kostenanpassungsbedarf – getrieben durch China, Wechselkurse und ein insgesamt ungünstigeres Kosten-/Sondereffektbild. Das ProfitUp-Programm samt möglichem Stellenabbau ist damit nicht nur eine Kostengeste, sondern ein strategischer Test für die Rückkehr zu besseren Margen.

Im weiteren Verlauf dürfte der Markt besonders auf die Umsetzung der Effizienzmaßnahmen sowie auf das vierte Quartal schauen: Dort wird eine Goodwill-Wertminderung im Ophthalmology-Bereich erwartet. Mittelfristig nennt das Unternehmen eine Erholung der bereinigten EBITA-Marge auf rund 15% bei organischem Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich.

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