Boeing 787-9 löst Rätsel aus: Startprobleme in München – BFU sichert Flugschreiber
Kurzüberblick
Zwei Flugvorfälle am Flughafen München innerhalb von nur zwei Tagen haben für offene Fragen gesorgt und werden nun parallel untersucht: Eine Boeing 787-9 von Vietnam Airlines kam am Samstag beim Start wegen zeitweise fehlender Beschleunigung nur knapp in die Luft, nachdem Warnmeldungen auf eine Heckberührung (Tailstrike) und Probleme mit dem Reifendruck hingewiesen hatten. Die Maschine kehrte zur technischen Überprüfung zurück und landete später ohne Verletzte.
Wenige Stunden danach folgte ein weiterer Zwischenfall auf derselben Start- und Landebahn: Ein Lufthansa-Airbus A380 setzte bei der Landung auf der Südbahn nach ersten Angaben zu früh auf und beschädigte dabei die Beleuchtung. In beiden Fällen hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) die Flugdatenschreiber und weiteren Aufzeichnungsgeräte sichergestellt. Wann es erste belastbare Ergebnisse gibt, ist noch offen.
Marktanalyse & Details
Technische Befunde zum Vietnam-Airlines-Flug
Ein vorläufiger Untersuchungsbericht der vietnamesischen Luftfahrtbehörde nennt als Kernpunkt ein Beschleunigungsproblem beim Startlauf der Boeing 787-9:
- Beim Beschleunigen auf dem Rollfeld habe es bereits Probleme gegeben; zeitweise legte die Maschine rund zwei Sekunden lang nicht an Tempo zu.
- Danach sei die Boeing wieder auf die kritisch erforderliche Geschwindigkeit beschleunigt, anschließend aber erneut langsamer geworden – entscheidend war laut Bericht: Für einen sicheren Startabbruch sei nicht mehr genügend Pistenlänge vorhanden gewesen.
- Der Pilot habe den Start fortgesetzt, die Triebwerks-Schubhebel auf maximale Position gebracht und die Flugzeugnase angehoben.
- Unmittelbar danach seien Warnmeldungen ausgegeben worden, darunter Hinweise auf eine Heckberührung sowie eine Reifendruckwarnung.
- Bei den Hauptfahrwerken seien vier von acht Reifen betroffen gewesen; die Besatzung habe Luftfahrtkontrollstellen informiert und eine Rückkehr zur technischen Überprüfung nach München eingeleitet.
- Für die Landung habe die Besatzung Kerosin abgelassen und das Flugzeug zur Begutachtung des Fahrwerks in niedriger Höhe mehrfach über dem Flughafen manövriert.
Positiver Aspekt für die Einsatzbewertung: Es gab laut Bericht keinen Hinweis auf Feuer oder Rauch im Flugzeug, Passagiere und Crew blieben unverletzt.
Rolle der Ermittlungen: BFU sichert Aufzeichnungen
Die BFU untersucht beide Ereignisse und hat die Flugschreiber sichergestellt. Praktisch bedeutet das: Je nach Datenlage können Ermittler die Startleistung (z. B. Beschleunigungsprofil), die Flugzeugreaktion sowie die zeitliche Abfolge von Warnmeldungen und Fahrwerksindikationen rekonstruieren.
Für Anleger ist dabei vor allem relevant, dass solche Untersuchungen in der Regel gestuft verlaufen: Erst Zwischenstände können nach Wochen kommen, ein vollständiger Abschlussbericht dauert häufig Monate. Bis dahin bleibt das Risikoprofil solcher Ereignisse vor allem ein Thema für Regulierung, Wartungs- und Betriebsprozesse – weniger für harte, sofortige finanzielle Kennzahlen.
Markt- und Branchenrelevanz für Boeing
Die Boeing-Aktie notierte zuletzt bei 192,44 € (Tagesverlauf: 0 %, YTD: +3,38 %). Sicherheits- und Betriebsereignisse können dennoch kurzfristig die Wahrnehmung am Markt verschieben, weil sie Fragen zu Zuverlässigkeit, Trainings- und Wartungsregimen sowie zur regulatorischen Nachsteuerung aufwerfen.
Analysten-Einordnung: Wenn vorläufige Berichte wie im Fall der 787-9 ein konkretes Startleistungs- oder Systemverhalten (z. B. temporärer Geschwindigkeitsabfall) nahelegen und gleichzeitig auf Warnketten wie Tailstrike- und Reifendruckindikationen hinweisen, deutet das darauf hin, dass die Ermittlungen sehr granular auf Abläufe im Cockpit und am Boden fokussieren werden. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung vor allem: Kurzfristig dominiert das Reputations- und Prüfrisiko, während die finanziellen Auswirkungen typischerweise erst später sichtbar werden – etwa durch mögliche Anpassungen bei Betriebsvorgaben, Wartungsumfängen oder durch regulatorische Auflagen. Eine vorschnelle Bewertung ist deshalb noch nicht angezeigt, solange die BFU nicht die vollständigen technischen Ursachen eingeordnet hat.
Nebenmeldung aus dem Boeing-Umfeld
Unabhängig von den Ereignissen am Boden wurde zudem berichtet, dass ein Raumfahrt-Gemeinschaftsunternehmen von Boeing und Lockheed Martin Privatanleihen im Volumen von 1,5 Milliarden US-Dollar platziert hat. Solche Finanzierungsmaßnahmen sind für den Konzern zwar strategisch relevant, stehen aber nicht im direkten Zusammenhang mit den laufenden Unfalluntersuchungen.
Fazit & Ausblick
Der Flughafen München war Schauplatz zweier Zwischenfälle mit sicherheitsrelevanten Auffälligkeiten – bei der Boeing 787-9 besonders beim Startlauf und den anschließenden Warn- und Fahrwerksindikationen, beim Airbus A380 vor allem durch ein zu frühes Aufsetzen und beschädigte Beleuchtung. Die BFU-Analyse der Aufzeichnungen dürfte entscheiden, welche Faktoren als Ursache gelten und ob betroffene Verfahren oder technische Prüfpunkte nachgeschärft werden müssen.
Für die nächsten Wochen bleibt entscheidend, ob die Untersucher zwischenzeitliche Ergebnisse veröffentlichen. Für Anleger heißt das: Fokus auf die nächsten BFU-Zwischenstände sowie auf mögliche regulatorische Konsequenzen im Betrieb und in der Instandhaltung.
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