Bernstein senkt Lowe’s-Prognose: Warum die Aktie dennoch Erholungspotenzial hat
Kurzüberblick
- Bernstein erwartet kurzfristig keine Erholung der US-Heimwerkernachfrage und senkt die Prognose für Lowe’s im Geschäftsjahr 2027 auf rund 2 Prozent vergleichbares Umsatzwachstum.
- Nur 27 Prozent der Eigenheimbesitzer wollen in den kommenden zwölf Monaten mehr für Renovierungen ausgeben; Verschiebungen und Stornierungen erreichen neue Höchststände.
- Lowe’s profitiert laut Bernstein von Fortschritten beim Pro-Treueprogramm und einem größeren Bewertungsabschlag gegenüber Home Depot.
- Die Lowe’s-Aktie notierte am 10. September bei 169,25 Euro und lag seit Jahresbeginn 18,1 Prozent im Minus.
Marktanalyse & Details
Schwache Nachfrage belastet die Prognosen
Bernstein rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit einer gedämpften Nachfrage nach Heimwerkerprodukten im Bereich von lediglich 0 bis 1 Prozent. Für das Geschäftsjahr 2027 wurden die Erwartungen für das vergleichbare Umsatzwachstum von Lowe’s und Home Depot deshalb auf rund 2 Prozent gesenkt. Damit liegen die Prognosen leicht unter den Markterwartungen von etwa 2,1 bis 2,6 Prozent.
Hohe Zinsen und eine geringe Dynamik am Immobilienmarkt bremsen insbesondere größere Renovierungsprojekte. Rund 78 Prozent der US-Hypothekenkreditnehmer zahlen weiterhin Zinssätze von unter 6 Prozent. Ein Anstieg der Marktzinsen würde den Immobilienwechsel und die Finanzierung umfangreicher Heimwerkerprojekte zusätzlich erschweren.
Eigenheimbesitzer und Handwerker werden vorsichtiger
Die Stimmung der Eigenheimbesitzer hat sich 2026 weiter eingetrübt. Der Anteil größerer Projekte ist auf den niedrigsten Stand seit sechs Quartalen gefallen, während Verschiebungen und Stornierungen einen neuen Höchststand erreichten. Als wichtigste Gründe gelten knappe Budgets und gestiegene Projektkosten.
Auch professionelle Handwerker beurteilen die Zukunft zurückhaltender. Nach Angaben von Bernstein sinken das Volumen neuer Aufträge und die Projekt-Rückstände. Im zweiten Quartal 2026 wurden 60 Prozent der geplanten Arbeiten verschoben oder abgesagt. Höhere Produktkosten durch Zölle und Energieinflation sowie ein angespannter Arbeitsmarkt verschärfen die Situation.
Lowe’s mit strategischen Vorteilen gegenüber Home Depot
Bei Beziehungen und Fachkompetenz liegen beide großen Baumarkthändler laut einer Befragung von Pro-Handwerkern weiterhin hinter spezialisierten Anbietern. Lowe’s habe jedoch größere Fortschritte bei seinem Treue- und Bonusprogramm für professionelle Kunden erzielt. Das habe sich in einer verbesserten Zufriedenheit der Handwerker niedergeschlagen. Home Depot punktete dagegen mit verbesserten Möglichkeiten für Handelskredite.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass Lowe’s derzeit weniger über eine starke operative Dynamik als über eine attraktivere Ausgangsbewertung interessant ist. Bernstein sieht den Bewertungsabstand zu Home Depot bei rund 4,5 Bewertungseinheiten und damit über dem langfristigen Durchschnitt von etwa drei. Die schwache Entwicklung seit Jahresbeginn und bereits reduzierte Erwartungen hätten die Risiken für die zweite Jahreshälfte weitgehend eingepreist.
Für Anleger bedeutet diese Entwicklung ein asymmetrisches Chancen-Risiko-Profil: Kurzfristig bleibt das Umfeld schwierig, doch Lowe’s könnte bei einer späteren Erholung überproportional profitieren. Das Unternehmen ist stärker auf große, aufschiebbare Renovierungsprojekte ausgerichtet. Eine solche Positionierung erwies sich bereits während der Erholung nach der Covid-19-Pandemie als Vorteil.
Fazit & Ausblick
Bernstein bevorzugt Lowe’s trotz der nach unten revidierten Umsatzprognose gegenüber Home Depot. Entscheidend für eine Neubewertung der Aktie sind eine Stabilisierung der Verbraucherstimmung, eine Belebung des Immobilienmarkts und sinkende Verschiebungsquoten bei Handwerkerprojekten. Bis dahin bleibt mit einem verhaltenen Nachfragewachstum zu rechnen. Der Kurs von 169,25 Euro und das Minus von 18,1 Prozent seit Jahresbeginn zeigen, dass der Markt bereits hohe Vorsicht eingepreist hat; ein belastbarer Aufschwung ist jedoch noch nicht bestätigt.
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