Aurubis hebt Gewinnerwartung an obere Spanne: 31% mehr EBT: ODDO-BHF senkt Kursziel
Kurzüberblick
Die Aurubis AG hat nach einem deutlich verbesserten Quartal ihre Erwartung für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 auf das obere Ende der bestätigten Ergebnis-Spanne ausgerichtet. Hintergrund sind spürbar höhere operative Erträge: In den ersten neun Monaten stieg das operative Ergebnis vor Steuern (EBT) um 31 % auf 374 Mio. Euro; im dritten Quartal lag es bei 149 Mio. Euro nach 121 Mio. Euro im zweiten Quartal.
Während der operative Rückenwind damit in Richtung Jahresziel zeigt, zieht am Markt gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf Analysten-Einordnungen: Am 07.08.2026 senkte ODDO BHF das Kursziel für Aurubis von 216 auf 210 Euro und hält die Einstufung auf Outperform. An der Börse notiert die Aktie aktuell bei 172,3 Euro (Tagesperformance: -4,54 %, YTD: +39,85 %).
Marktanalyse & Details
Operative Entwicklung: Metallresultat und Recycling treiben
Im Konzern profitierte Aurubis insbesondere von einer stärkeren Auslastung in der Produktion und einem verbesserten Metallresultat. Dazu kamen höhere Erlöse aus dem Recycling- und Produktgeschäft – inklusive zusätzlicher Beiträge aus dem Verkauf von Schwefelsäure.
- Erste neun Monate 2025/26: Operatives EBT +31 % auf 374 Mio. Euro; operatives EBITDA +? auf 570 Mio. Euro (Vorjahr: 462 Mio. Euro).
- Q3 2025/26: Operatives EBT 149 Mio. Euro (Vorjahr: 57 Mio. Euro) – deutlich über Q2 (121 Mio. Euro).
- Segmentmix: Multimetal Recycling operatives EBT 87 Mio. Euro (Vorjahr: 36 Mio. Euro); Custom Smelting & Products operatives EBT 355 Mio. Euro (Vorjahr: 342 Mio. Euro).
Guidance-Update: 2025/26 auf Kurs, aber Cash-Flow bleibt beobachtungsbedürftig
Für das Gesamtjahr 2025/26 hält Aurubis zwar die bestätigte Ergebnisprognose bei operativem EBT von 425 bis 525 Mio. Euro; zugleich erwartet das Unternehmen, dass das Resultat am oberen Ende der Spanne liegen wird. Auch die Renditeerwartung bleibt bestehen: operativer ROCE zwischen 10 % und 12 %.
Gleichzeitig mahnt der Zwischenstand beim Zahlungsmittelstrom zur Vorsicht: Im Zuge der phasenweisen Inbetriebnahme der erweiterten Kupfer-Tankhouse-Kapazitäten in Bulgarien lagerte Aurubis temporär mehr Zwischenprodukte. Das belastete den Netto-Cashflow; dieser lag nach neun Monaten bei minus 28 Mio. Euro (Vorjahr: 357 Mio. Euro). Für Anleger ist wichtig: Solche Effekte können sich über den Jahresverlauf ausgleichen, gleichzeitig beeinflussen sie kurzfristig die Wahrnehmung der operativen Qualität.
Strategie und Investitionen: Projekte liefern Planfortschritt
Aurubis meldet zudem, dass rund 90 % des strategischen Investitionsprogramms mit einem Gesamtvolumen von etwa 1,7 Mrd. Euro bis Ende Juni 2026 umgesetzt waren. Zu den zentralen Meilensteinen zählen:
- Komplex-Recycling Hamburg: Inbetriebnahme eines Investitionsprojekts über 190 Mio. Euro (Start im Juli); volle Wirkung nach Ramp-up.
- Aurubis Richmond (USA): Fortsetzung des erweiterten Ramp-ups; Phase 1 soll aus heutiger Sicht im Geschäftsjahr 2026/27 abgeschlossen sein, Phase 2 im Geschäftsjahr 2027/28.
- Bulgaria Tankhouse: Kapazitätsausbau um 50 % auf 340.000 Tonnen raffiniertes Kupfer; phasenweise Inbetriebnahme nähert sich dem Abschluss.
Analysten-Einordnung
Die Guidance-Positionierung „oberes Ende“ signalisiert, dass sich die operative Hebel – Metallresultat, Recyclingerlöse und Auslastung – im laufenden Jahr stärker durchsetzen als bislang eingepreist. Für Anleger bedeutet diese Kombination aus verbesserter Ergebnisdynamik und Projektfortschritt zwar eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für ein gutes Jahresresultat, kurzfristige Kursbewegungen bleiben aber anfällig, weil Cashflow-Effekte und die Sensitivität gegenüber Metallpreisen die Bewertung jederzeit verschieben können. Dass ODDO BHF trotz des Rückenwinds das Kursziel reduziert, deutet darauf hin, dass die Bewertung noch stärker vom erwarteten „Pfad“ der Jahresendniveaus als vom reinen Update der Spanne abhängt – mit entsprechendem Fokus auf Ausführungsrisiken bei Ramp-ups und den zeitlichen Verlauf von Effekten im Working Capital.
Fazit & Ausblick
Mit der Erwartung eines operativen EBT am oberen Ende der Spanne rückt Aurubis in den Fokus der Ergebnisjäger – vor allem, weil das dritte Quartal deutlich stärker ausgefallen ist als zuvor. Gleichzeitig bleibt der Netto-Cashflow ein Faktor, der im nächsten Zwischenbericht besonders genau auf zeitliche Ausgleichseffekte geprüft werden dürfte.
Für die nächsten Schritte ist entscheidend, ob die verbesserten operativen Trends im Jahresverlauf auch den finanziellen Gesamtmix stützen – inklusive der weiteren Fortschritte bei Hamburg, Richmond und dem Ramp-up in Bulgarien.
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