AstraZeneca: Imfinzi-Kombination verbessert Überleben in Phase-III-Studie zu Lungenkrebs
Kurzüberblick
- AstraZeneca meldet für die Phase-III-Studie DeLLphi-305 einen signifikanten Überlebensvorteil von Imfinzi plus Tarlatamab bei kleinzelligem Lungenkrebs.
- Die Kombination verbesserte zudem progressionsfreies Überleben und objektive Ansprechrate gegenüber Imfinzi allein.
- Tozorakimab senkte in zwei Phase-III-Studien COPD-Exazerbationen je nach Patientengruppe um bis zu 43 Prozent.
- Für AstraZenecas Brustkrebsmedikament Etcamah wurde in den USA eine beschleunigte Zulassung samt passendem Liquid-Biopsy-Test erteilt.
Marktanalyse & Details
DeLLphi-305 liefert wichtigen Überlebensnachweis
AstraZeneca hat am 8. September 2026 positive Ergebnisse aus der geplanten Zwischenanalyse der Phase-III-Studie DeLLphi-305 bekannt gegeben. Bei Patienten mit ausgedehntem kleinzelligem Lungenkrebs, deren Erkrankung nach einer Erstbehandlung mit Imfinzi, Platin-Chemotherapie und Etoposid nicht fortgeschritten war, verbesserte Imfinzi in Kombination mit Amgens Tarlatamab das Gesamtüberleben statistisch signifikant und klinisch relevant gegenüber Imfinzi allein.
Auch die sekundären Endpunkte fielen zugunsten der Kombination aus: Das progressionsfreie Überleben und die objektive Ansprechrate verbesserten sich ebenfalls statistisch signifikant. Die vorliegenden Angaben enthalten jedoch noch keine konkreten Werte zur Hazard Ratio, zum medianen Gesamtüberleben oder zur absoluten Differenz zwischen den Behandlungsgruppen. Diese Kennzahlen werden entscheidend sein, um die Größe des klinischen Vorteils und das wirtschaftliche Potenzial einzuordnen.
- Die Studie prüfte Tarlatamab als Erhaltungstherapie der ersten Behandlungslinie.
- Die Sicherheitsdaten entsprachen laut Unternehmensangaben den bekannten Profilen der Einzelmedikamente.
- Es wurden keine neuen oder unerwarteten Sicherheitssignale festgestellt.
- Nach den ersten beiden Infusionen ist eine Überwachung von ein bis zwei Stunden vorgesehen, in bestimmten Regionen einschließlich Europa von sechs bis acht Stunden.
Tozorakimab stärkt den Atemwegsbereich
Parallel meldete AstraZeneca vollständige Ergebnisse aus den Phase-III-Studien OBERON und TITANIA zu Tozorakimab bei COPD. Der Antikörper reduzierte moderate und schwere Exazerbationen bei ehemaligen Rauchern um 29 beziehungsweise 34 Prozent gegenüber Placebo. In der Gesamtgruppe aus aktuellen und ehemaligen Rauchern lagen die Reduktionen bei 30 beziehungsweise 29 Prozent.
Der Effekt zeigte sich über die vordefinierten Patientengruppen hinweg. In der zusammengefassten Analyse erreichten Patienten mit einer Blut-Eosinophilenzahl unter 150 eine Reduktion der Exazerbationen um 23 Prozent, Patienten mit mindestens 150 um 34 Prozent und Patienten mit mindestens 300 um 43 Prozent. Zusätzlich verringerte Tozorakimab die Bildung von Schleimpfropfen, die mit einem schlechteren COPD-Verlauf in Verbindung gebracht werden. Als einzige unerwünschte Arzneimittelwirkung wurde eine Reaktion an der Injektionsstelle genannt.
Tozorakimab wird einmal alle vier Wochen verabreicht und zielt auf Interleukin-33. In den USA befindet sich der Wirkstoff im beschleunigten Prüfverfahren. Die Entscheidung der US-Zulassungsbehörde wird nach Nutzung eines Priority-Review-Gutscheins im ersten Quartal 2027 erwartet; auch in der Europäischen Union und China laufen Prüfungen.
Etcamah erhält Zulassung mit begleitender Diagnostik
Zusätzlichen Rückenwind für die Onkologie-Sparte brachte die beschleunigte US-Zulassung von Etcamah in Kombination mit einem CDK4/6-Hemmer. Zugelassen ist die Behandlung für Erwachsene mit HR-positivem und HER2-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, wenn während einer Therapie mit einem Aromatasehemmer und einem CDK4/6-Hemmer eine ESR1-Mutation nachgewiesen wird.
Der zugelassene Liquid-Biopsy-Test Guardant360 CDx soll ESR1-Mutationen bereits vor einem radiologisch sichtbaren Fortschreiten erkennen. In der SERENA-6-Studie verringerte der Wechsel zu Etcamah plus fortgesetztem CDK4/6-Hemmer das Risiko für Fortschreiten der Erkrankung oder Tod um 56 Prozent gegenüber der Fortführung des bisherigen Aromatasehemmer-Regimes. Damit wird ein biomarkerbasierter, früher Therapiewechsel zum zentralen Bestandteil des Behandlungskonzepts.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass AstraZeneca seine Wachstumsperspektiven in der Onkologie und bei Atemwegserkrankungen gleichzeitig verbreitert. Der DeLLphi-305-Erfolg ist medizinisch besonders relevant, weil ein Überlebensvorteil in der Erhaltungstherapie der ersten Linie bei dieser aggressiven Krebsform selten ist. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung jedoch nicht automatisch einen kurzfristig quantifizierbaren Umsatzsprung: Die Studie wird von Amgen getragen, während AstraZeneca Imfinzi bereitstellt und die Studie teilweise finanziert. Die konkrete wirtschaftliche Beteiligung und die regulatorische Umsetzung bleiben daher wichtige offene Punkte.
Tozorakimab könnte AstraZeneca Zugang zu einer breiteren COPD-Population verschaffen, da der Nutzen über verschiedene Eosinophilenwerte und Schweregrade hinweg beobachtet wurde. Bis zu einer Zulassung bestehen aber weiterhin regulatorische und kommerzielle Risiken. Bei Etcamah erhöht die zugelassene Begleitdiagnostik die Chance auf eine gezieltere Anwendung, zugleich muss die beschleunigte Zulassung durch weitere Evidenz abgesichert werden.
Fazit & Ausblick
AstraZeneca präsentiert eine ungewöhnlich dichte Folge klinischer Fortschritte: einen Überlebensvorteil für die Imfinzi-Tarlatamab-Kombination, überzeugende COPD-Daten für Tozorakimab und eine biomarkerbasierte Brustkrebszulassung für Etcamah. Als nächste wichtige Termine gelten die Vorlage der vollständigen DeLLphi-305-Daten, regulatorische Entscheidungen zu Tozorakimab sowie die erwartete US-Entscheidung im ersten Quartal 2027. Bis dahin sollten Anleger vor allem auf die absolute Größe des Überlebensvorteils, die endgültigen Zulassungsauflagen und die kommerzielle Positionierung der neuen Therapien achten.
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