Analysten spalten CoreWeave: Buy mit 125 Dollar trifft auf Sell mit 54 Dollar

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Das Wichtigste in Kürze

  1. BTG Pactual startete am 21. September die Beobachtung von CoreWeave mit Buy und einem Kursziel von 125 US-Dollar.
  2. Rothschild & Co Redburn bewertete die Aktie ebenfalls neu, jedoch mit Sell und einem Kursziel von 54 US-Dollar.
  3. CoreWeave bepreiste Wandelanleihen über 3,7 Mrd. US-Dollar mit einem Zinssatz von 2,875 Prozent und Fälligkeit im Jahr 2033.
  4. Die Aktie notierte um 17:00 Uhr bei 73,59 EUR, lag 4,29 Prozent im Tagesplus und 15,34 Prozent über dem Jahresanfang.

CoreWeave steht nach zwei gegenläufigen Ersteinstufungen im Fokus: Während BTG Pactual dem KI-Infrastruktur-Anbieter deutliches Aufwärtspotenzial zutraut, warnt Rothschild & Co Redburn vor schwachen Geschäftsökonomien, hoher Finanzierungssensitivität und Risiken bei der Umwandlung der Auftragspipeline in nachhaltige Erträge.

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Ungewöhnlich große Lücke bei den Kurszielen

Die beiden neuen Einschätzungen liegen weit auseinander. Das Kursziel von 125 US-Dollar bei einer Buy-Einstufung steht einem Sell-Ziel von 54 US-Dollar gegenüber. Zwischen den Zielmarken liegen damit 71 US-Dollar. Ein direkter Vergleich mit dem in Euro notierten Kurs ist wegen des Wechselkurses nur eingeschränkt möglich.

Rothschild & Co Redburn begründet die negative Sicht unter anderem mit der Bewertung der sogenannten Neoclouds. Nach Einschätzung des Analystenhauses könnten Gewinne und Bewertungen durch den aktuellen KI-Investitionszyklus überhöht sein. Zudem bestehe das Risiko, dass große Cloud-Anbieter und führende KI-Unternehmen Rechenkapazitäten früher selbst aufbauen. Sinkende Preise für GPU-Kapazitäten oder steigende Finanzierungskosten würden den Druck zusätzlich erhöhen.

Starke Nachfrage, aber kurze Vertragslaufzeiten

CoreWeave meldete zuletzt zugleich eine hohe Nachfrage nach seiner Rechenleistung. Im dritten Quartal wurden kurzfristige Kundenverträge mit Laufzeiten von etwa drei bis sechs Monaten und einem annualisierten Preis von rund 40 Mio. US-Dollar je Megawatt abgeschlossen. Die Kennzahl berechnet sich aus dem annualisierten Umsatz im Verhältnis zum benötigten Strombedarf der jeweiligen Cluster.

  • Die vertraglich gebundene Leistung stieg bis zum 11. August auf rund 4,2 Gigawatt, nach etwa 3,7 Gigawatt am 30. Juni.
  • Zusätzlich kamen früh im dritten Quartal mehr als 25 Mrd. US-Dollar an neuen Netto-Kundenverpflichtungen hinzu.
  • Die neuen Verpflichtungen waren zum 30. Juni noch nicht im ausgewiesenen Umsatz-Backlog enthalten.

Die hohen Preise und das wachsende Kapazitätsvolumen sprechen für eine weiterhin starke Nachfrage nach KI-Rechenleistung. Die kurzen Laufzeiten erhöhen jedoch das Erneuerungs- und Preisrisiko: Aus hoher gebuchter Kapazität folgt nicht automatisch ein dauerhaft hoher Umsatz oder eine stabile Marge.

Finanzierung bleibt ein zentraler Bewertungsfaktor

Die Finanzierungsoffensive unterstreicht die Kapitalintensität des Geschäfts. Das Unternehmen stockte sein geplantes Angebot wandelbarer Schuldverschreibungen von 3,0 Mrd. auf 3,7 Mrd. US-Dollar auf. Die Papiere verzinsen sich mit 2,875 Prozent und sollen am 1. April 2033 fällig werden. Zusätzlich besteht für die Erstkäufer eine Option auf weitere Wandelanleihen im Volumen von bis zu 500 Mio. US-Dollar.

Parallel hat CoreWeave ein sogenanntes At-the-market-Programm für bis zu 35 Mio. Aktien der Klasse A eingerichtet. Das Unternehmen ist nicht verpflichtet, Aktien zu verkaufen, erhält dadurch aber zusätzliche Flexibilität bei der Kapitalbeschaffung. Je nach Ausgestaltung künftiger Finanzierungen können Anleger damit sowohl von einer verbesserten Liquiditätslage als auch von einer möglichen Verwässerung betroffen sein.

Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass die CoreWeave-Aktie derzeit vor allem ein Ausführungs- und Finanzierungswert ist. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass nicht allein die Nachfrage nach GPUs entscheidend ist. Beobachtet werden müssen ebenso die Dauerhaftigkeit der Kundenverträge, die Entwicklung der Preise je Megawatt, die Kosten für den Ausbau der Rechenzentren und die Fähigkeit, das Wachstum ohne übermäßige Verschuldung oder Aktienausgabe zu finanzieren. Die extreme Spanne der Kursziele zeigt, wie unterschiedlich diese Faktoren bewertet werden.

Fazit & Ausblick

Der nächste konkrete Finanzierungstermin ist die geplante Abwicklung der Wandelanleihe am 22. September 2026, vorbehaltlich der üblichen Abschlussbedingungen. Für die weitere Kursentwicklung wird entscheidend sein, ob CoreWeave die gemeldeten Kundenverpflichtungen in profitable, längerfristige Umsätze überführen kann. Der jüngste Tagesgewinn von 4,29 Prozent ändert daran wenig: Die gegensätzlichen Ersteinstufungen markieren einen offenen Bewertungsstreit zwischen KI-Wachstumsfantasie und Bilanz- sowie Ausführungsrisiken.

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