Amgen-Aktie fällt nach Pelacarsen-Flop: Olpasiran gerät unter Druck

Amgen Inc. AI Generated

Kurzüberblick

  • Pelacarsen verfehlte in der Phase-III-Studie Lp(a)-Horizon trotz gesenktem Lipoprotein(a)-Spiegel den Primärendpunkt.
  • Die Amgen-Aktie gab im Handelsverlauf rund 5 Prozent nach, weil der Fehlschlag Zweifel an dem ähnlichen Herzmittel Olpasiran schürt.
  • Analysten strichen für Pelacarsen risikoangepasste Umsatzpotenziale von bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar aus ihren Modellen.
  • Zusätzlichen Druck erzeugt der geplante Rückzug von Tavneos für neue Patienten in Großbritannien im März 2027.

Marktanalyse & Details

Pelacarsen verfehlt entscheidendes Studienziel

Der Rückschlag betrifft Amgen nicht direkt: Pelacarsen wird von Ionis entwickelt und von Novartis vermarktet. Das Medikament senkte in der Phase-III-Studie Lp(a)-Horizon zwar den Lipoprotein(a)-Spiegel, konnte aber den entscheidenden Nachweis zur Verringerung von Herzinfarkten, Schlaganfällen und kardiovaskulären Todesfällen nicht erbringen.

Für den Markt ist dieser Unterschied wesentlich. Ein sinkender Biomarker allein reicht nicht aus, wenn sich daraus kein belegbarer Schutz vor schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Ereignissen ableiten lässt. Genau hier setzt der negative Übertragungseffekt auf Amgens Olpasiran an, das ebenfalls auf die Senkung von Lipoprotein(a) zielt.

Aktienreaktion und Auswirkungen auf die Pipeline

Amgen verlor im Handelsverlauf gegenüber dem US-Schlusskurs vor dem verlängerten Feiertagswochenende rund 5 Prozent. Der spätere Kursstand an der Lang & Schwarz Exchange lag bei 358,90 Euro; die Tagesperformance wurde zu diesem Zeitpunkt mit 0 Prozent ausgewiesen. Seit Jahresbeginn lag die Aktie damit weiterhin 28,85 Prozent im Plus.

Die Reaktion zeigt, dass Anleger den wissenschaftlichen Erfolg von Olpasiran nun strenger an klinischen Endpunkten messen dürften. In den vorliegenden Analystenmodellen wurden für Pelacarsen bisher Spitzenumsätze von bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 2 Milliarden US-Dollar erwartet. Gleichzeitig wurde die Umsatzschätzung für das erfolgreiche Medikament Remibrutinib in einem Modell auf 2 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Das mildert den Druck im Novartis-Komplex, ändert aber nichts an der Unsicherheit im gesamten Lp(a)-Segment.

Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass der Markt bei Olpasiran vorerst einen höheren Risikoabschlag einpreist, obwohl der Pelacarsen-Fehlschlag kein Beweis gegen die Wirksamkeit von Amgens Wirkstoff ist. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass künftige Olpasiran-Daten zu klinischen Ereignissen deutlich wichtiger sind als reine Angaben zur Lp(a)-Senkung. Der Rückschlag erhöht damit die Schwankungsanfälligkeit der Aktie, beseitigt aber nicht automatisch die langfristige Chance des Programms.

Regulatorischer Dämpfer für Tavneos

Neben dem Druck auf Olpasiran belastet ein separater regulatorischer Vorgang die Amgen-Pipeline. Die britische Arzneimittelaufsicht MHRA hat Tavneos für neue Patienten gestoppt und plant wegen Zweifeln an den Studiendaten den Widerruf der Zulassung im März 2027. Für Amgen erhöht dies die Bedeutung der übrigen Wachstumsprodukte, weil neben der klinischen Entwicklung auch die regulatorische Verlässlichkeit einzelner etablierter Präparate in den Fokus rückt.

Fazit & Ausblick

Der Pelacarsen-Flop ist für Amgen vor allem ein Warnsignal für Olpasiran und kein unmittelbarer Nachweis eines Scheiterns des eigenen Medikaments. Entscheidend werden die nächsten klinischen Daten zu Olpasiran sowie die weitere regulatorische Entwicklung von Tavneos in Großbritannien. Bis dahin dürfte die Aktie besonders sensibel auf Nachrichten aus dem Lp(a)-Programm und auf Pipeline-Updates reagieren.

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