Allianz Trade meldet mehr Großinsolvenzen: Autoindustrie besonders betroffen

Allianz SE

Kurzüberblick

  • In Deutschland stieg die Zahl der Großinsolvenzen im ersten Halbjahr 2026 um zehn Prozent auf 33 Fälle.
  • Die Automobilbranche verzeichnete mit sieben Fällen die meisten Großpleiten, gefolgt vom Einzelhandel mit fünf.
  • Der kumulierte Jahresumsatz der insolventen Unternehmen erhöhte sich um drei Prozent auf 4,5 Milliarden Euro.
  • Allianz Trade erwartet auch für den weiteren Jahresverlauf keine nachhaltige Entspannung bei den Großinsolvenzen.

Marktanalyse & Details

Großinsolvenzen bleiben auf hohem Niveau

Die Zahl deutscher Großunternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro, die Insolvenz anmelden mussten, ist im ersten Halbjahr 2026 weiter gestiegen. Mit 33 Fällen wurden zehn Prozent mehr Großpleiten registriert als im Vorjahreszeitraum.

Damit setzt sich der negative Trend aus dem vergangenen Jahr fort. 2025 waren in Deutschland insgesamt 94 Großinsolvenzen gezählt worden – der höchste Wert seit Beginn der Auswertungen im Jahr 2015. 2024 waren es 87 Fälle, 2023 insgesamt 64.

Automobilindustrie besonders unter Druck

Am stärksten betroffen war im ersten Halbjahr die Automobilbranche mit sieben Großinsolvenzen. Auf den weiteren Plätzen folgten der Einzelhandel mit fünf Fällen sowie Maschinenbau und Dienstleistungen mit jeweils vier Insolvenzen.

Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen nahmen zu: Der kumulierte Jahresumsatz der insolventen Großunternehmen stieg um drei Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank der durchschnittliche Umsatz je betroffenem Unternehmen um knapp sieben Prozent auf rund 137 Millionen Euro. Das spricht dafür, dass zuletzt häufiger kleinere Großunternehmen in finanzielle Schwierigkeiten gerieten.

Hohe Kosten erhöhen den Anpassungsdruck

Als besonders anfällig gelten Unternehmen mit hohen Investitions- und Energiekosten sowie Firmen mit geringer Preissetzungsmacht. Gerade in der Automobilindustrie und in industriellen Zulieferketten können steigende Kosten, schwache Nachfrage und der Druck zur Transformation die finanzielle Stabilität belasten.

Die Bedeutung einzelner Insolvenzen reicht dabei oft über das betroffene Unternehmen hinaus. Großunternehmen stehen häufig im Zentrum komplexer Liefer- und Dienstleistungsnetzwerke. Ihr Ausfall kann daher Zulieferer, Logistikunternehmen und andere Geschäftspartner mit in Schwierigkeiten bringen.

Auch international verschärfte sich die Lage. Weltweit wurden im ersten Halbjahr 247 Großinsolvenzen erfasst, 13 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auf Westeuropa entfielen mehr als 60 Prozent der registrierten Fälle.

Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass die Insolvenzwelle nicht nur ein kurzfristiges Einzelereignis ist, sondern auf anhaltende strukturelle Belastungen in kostenintensiven Branchen hinweist. Für Allianz SE ist die Entwicklung ambivalent: Als Anbieter von Kreditversicherungen kann Allianz Trade bei steigenden Risiken eine höhere Nachfrage nach Absicherung verzeichnen, zugleich können mehr Unternehmensausfälle die Schadenbelastung erhöhen. Aus der Insolvenzstatistik allein lässt sich daher kein unmittelbarer Schluss auf die Gewinnentwicklung des Gesamtkonzerns ziehen.

Fazit & Ausblick

Allianz Trade rechnet 2026 mit weiterhin erhöhten Großinsolvenzen und sieht keine nachhaltige Entspannung im weiteren Jahresverlauf. Für Anleger bleiben deshalb insbesondere die Entwicklung der Schadenquoten im Kreditversicherungsgeschäft, die Lage in der Automobilindustrie und mögliche Ansteckungseffekte entlang der Lieferketten wichtige Beobachtungspunkte.

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