All for One bestätigt Prognose nach 9-Monatszahlen: Precision drückt EBIT, Cloud wächst

All for One Steeb AG

Kurzüberblick

All for One Group SE hat am 4. August 2026 Ergebnisse für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 vorgelegt. Die Umsatzerlöse blieben mit (379,6 Mio. EUR) nahezu stabil, doch die Profitabilität geriet spürbar unter Druck: Das EBIT vor M&A-Effekten (non-IFRS) rutschte auf minus (9,3 Mio. EUR) – belastet vor allem durch Einmalaufwendungen im Effizienzprogramm „Precision“.

Für Anleger ist dabei doppelt relevant: Trotz des schwachen EBIT bestätigt der Vorstand die Prognose für 2025/26. Das Umfeld bleibt herausfordernd, während Cloud- und Services-Umsätze weiter wachsen. An der Börse lag die Aktie zuletzt bei (67,2 EUR) – nahe am angekündigten Übernahmepreis im Rahmen des freiwilligen öffentlichen Angebots, das für das vierte Quartal des laufenden Geschäftsjahres anvisiert ist.

Marktanalyse & Details

Ertragsbild im 9-Monatszeitraum 2025/26

Im Zeitraum (10/2025–06/2026) erwirtschaftete All for One (IFRS) Erlöse von 379,6 Mio. EUR nach 380,4 Mio. EUR im Vorjahr. Operativ zeigt sich eine gespaltene Entwicklung: Consulting bleibt vergleichsweise stabil, Software und Support verlieren.

  • Cloud und Services: 115,6 Mio. EUR (+4%)
  • Software und Support: 100,9 Mio. EUR (minus 8%)
  • Consulting: 163,1 Mio. EUR (+2%)
  • Wiederkehrende Erlöse: 201,0 Mio. EUR (53% des Umsatzes; Vorjahr 52%)

Das zentrale Ergebnisbild fällt deutlich schwächer aus: EBIT vor M&A-Effekten (non-IFRS) lag bei minus 9,3 Mio. EUR. Entsprechend betrug die EBIT-Marge vor M&A-Effekten minus 2,4% (Vorjahr: plus 4,6%). Das Periodenergebnis summierte sich auf minus 12,2 Mio. EUR, das Ergebnis je Aktie auf minus 2,63 EUR.

Bereinigter Blick: Adjusted EBIT bleibt positiv

Wichtig für die Einordnung: Bereinigt um Einmaleffekte ergibt sich ein anderes Bild. Das adjusted EBIT vor M&A-Effekten (non-IFRS) belief sich auf plus 10,9 Mio. EUR – bei einer Marge von plus 2,9%. Das deutet darauf hin, dass die Ergebnisbelastung im Wesentlichen aus Sondereffekten stammt und nicht vollständig aus einem operativen Margenbruch.

„Precision“: Einmalaufwendungen prägen das EBIT, ab Q4 soll es sich drehen

Die negativen berichteten Kennzahlen werden in der Mitteilung vor allem mit Einmalaufwendungen im dritten Quartal erklärt. Das Effizienzprogramm „Precision“ wurde am 7. Mai 2026 genehmigt und zielt auf Wettbewerbsfähigkeit, Kostendisziplin sowie eine schnellere Integration der im März 2026 vollkonsolidierten „apsolut Group“.

  • Einmalaufwendungen: Für 2025/26 nennt das Unternehmen einen erwarteten Rahmen von bis zu (20 Mio. EUR)
  • Wirkung ab Q4 2025/26: Ab dem vierten Quartal erwartet der Vorstand Beiträge zur Verbesserung von Profitabilität und Effizienz
  • Kostenziel: Ab Herbst 2026 soll das jährliche Kosten­niveau um rund (20 Mio. EUR) sinken – ohne negative Auswirkung auf Leistungsstärke und -größe

Zusätzlich läuft die M&A-Logik: Neben der „apsolut Group“ wurde bereits im Februar 2026 eine Beteiligung an BrightFlare erworben. Das Management verweist damit auf den Ausbau von SAP-nahen Dienstleistungen, Cloud- und Cybersecurity-Kompetenzen.

Bilanz, Cashflow und Finanzierung: Nettoverschuldung steigt

Die Bilanzstruktur spiegelt die Akquisitionsfinanzierung: Die Bilanzsumme stieg um 17% auf 385,6 Mio. EUR. Das Eigenkapital fiel von 109,6 Mio. EUR auf 84,6 Mio. EUR; die Eigenkapitalquote sank auf 22% (Vorjahr: 33%). Gleichzeitig nahm die Nettoverschuldung auf 104,6 Mio. EUR zu (Vorjahr: 43,0 Mio. EUR).

  • Cash und Cash-Äquivalente: 62,3 Mio. EUR (minus 7%)
  • Cashflow aus operativer Tätigkeit: plus 2,8 Mio. EUR (Vorjahr: plus 11,6 Mio. EUR)
  • Mitarbeitende: 3.089 (zuvor 2.674)

Für Anleger ist das ein wichtiger Kontext: Ein höherer Verschuldungsgrad erhöht den Druck, die geplanten Effizienzgewinne zügig in Ergebnis und Cashflow zu übersetzen.

Analysten-Einordnung: Die Zahlen deuten darauf hin, dass All for One in den ersten neun Monaten weniger am Umsatzwachstum scheitert als an der Kosten- und Ergebnissicht, die durch „Precision“ kurzfristig überlagert wird. Der positive adjusted-Gewinn sowie die steigenden Anteile wiederkehrender Erlöse sprechen dafür, dass das Geschäftsmodell tragfähig bleibt. Gleichzeitig bleibt die Prognose auf „EBIT vor M&A-Effekten nahe null“ ein Signal für einen bewusst konservativen Ausblick: Für Anleger bedeutet das, dass die Kurserholung vor allem an der Umsetzungsgeschwindigkeit des Effizienzprogramms und an der Stabilisierung in den Software- und Supportumsätzen gekoppelt ist.

Segmente: Deutschland mit Gegenwind, „Übriges Europa“ stabiler

Die Segmentlage zeigt Unterschiede innerhalb des Konzerns: Das Segment Deutschland erwirtschaftete 300,6 Mio. EUR (minus 3%) und rutschte beim Segmentergebnis auf minus 3,6 Mio. EUR (Marge minus 1,2%). Übriges Europa steigerte die Erlöse um 9% auf 96,7 Mio. EUR, das Segmentergebnis fiel jedoch auf 3,4 Mio. EUR. Übrige Welt wächst profitabel, vor allem durch die Konsolidierung der „apsolut Group“.

Unternehmensereignis: Übernahmevorhaben rückt näher

Nach dem Ende des Berichtszeitraums steht das Übernahmevorhaben im Fokus: Ein freiwilliges öffentliches Angebot von VINCI Energies wurde am 16. Juli 2026 angekündigt – mit einem Angebotspreis von 67,50 EUR je Aktie. Der Vorstand erwartet den Vollzug vorbehaltlich der Bedingungen im vierten Quartal 2025/26, wobei u. a. eine Mindestannahme von 75% vorgesehen ist. Die Aktie notierte zur frühen Stunde bei rund 67,2 EUR und damit nur knapp unter dem Angebotspreis.

Fazit & Ausblick

Operativ bestätigt All for One den eingeschlagenen Kurs: Cloud- und wiederkehrende Erlöse liefern Stabilität, während Software und Support noch Gegenwind zeigen. Die Ergebnisentwicklung ist im Kern ein Spiegel der Einmalaufwendungen aus „Precision“ – für die kommenden Quartale entscheidet sich jedoch, ob die erwarteten Effizienzbeiträge die bereinigte Ergebnisspur in berichtete Margen übersetzen.

Im weiteren Verlauf stehen insbesondere das vierte Quartal 2025/26 im Fokus: Dort erwartet das Unternehmen Beiträge zur Ergebnisverbesserung und zugleich den möglichen Vollzug des Übernahmevorhabens unter üblichen Bedingungen.

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