Adobe vor Quartalszahlen: Analyst erwartet Beat, warnt aber vor langfristigem Wachstumsdruck
Kurzüberblick
- Adobe veröffentlicht am 10. September nach Börsenschluss die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal.
- Analysten erwarten 6,69 Milliarden US-Dollar Umsatz und 4,48 US-Dollar Gewinn je Aktie.
- Citi-Analyst Tyler Radke rechnet mit einem Beat-and-Raise, hält aber an der Einstufung Neutral fest.
- Wettbewerbsdruck bei Creative Cloud, eine schwächere Nutzung von Standardkonten und die Monetarisierung kostenloser KI-Angebote belasten den langfristigen Ausblick.
Marktanalyse & Details
Quartalszahlen stehen im Mittelpunkt
Adobe legt seine Finanzzahlen für das dritte Geschäftsquartal am 10. September nach dem US-Handel vor. Der Marktkonsens liegt bei einem Umsatz von 6,69 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn je Aktie von 4,48 US-Dollar.
Tyler Radke von Citi hält es für wahrscheinlich, dass Adobe die Erwartungen übertrifft und zugleich den Ausblick anhebt. Diese Einschätzung kommt allerdings vor dem Hintergrund, dass Adobe seine Prognose für die jährlich wiederkehrenden Umsätze bereits um rund 500 Millionen US-Dollar gesenkt hat. Eine positive Überraschung könnte deshalb teilweise auch durch eine niedrigere Vergleichsbasis begünstigt werden.
Creative Cloud und KI als entscheidende Prüfsteine
Der Analyst sieht weiterhin Risiken im Kerngeschäft. Einige Kunden bündeln ihre bezahlten Lizenzen für Photoshop, Illustrator und weitere Creative-Suite-Produkte oder prüfen günstigere Alternativen. Adobe hielt im August den Rabatt von 50 Prozent auf Creative Cloud Pro aufrecht, um die Nachfrage zu stützen.
Zusätzliche Vorsicht ist wegen der rückläufigen Anmeldungen bei Standardnutzern angebracht. Gleichzeitig zeigen die Nutzung der Adobe-Website und des KI-Tools Firefly positive Signale. Verbesserte Funktionen sowie zusätzliche Schutzmechanismen für Unternehmen und Behörden haben die Stimmung rund um Firefly zuletzt aufgehellt.
Bewertung steigt, Fundamentaldaten müssen nachziehen
Radke hob sein Kursziel von 228 auf 301 US-Dollar an, beließ die Aktie aber auf Neutral. Als Grund nannte er höhere Bewertungen im Technologiesektor und keine grundlegende Verbesserung der Adobe-Fundamentaldaten. Im deutschen Handel notierte die Aktie am Abend des 1. September bei 248 Euro, 1,31 Prozent niedriger als am Vortag. Seit Jahresbeginn liegt sie damit 17,2 Prozent im Minus.
Analysten-Einordnung: Dies deutet darauf hin, dass ein erwarteter Quartals-Beat zunächst vor allem ein kurzfristiger Kurstreiber wäre, aber noch keinen Beweis für eine nachhaltige Beschleunigung des Wachstums liefert. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass neben Umsatz und Gewinn insbesondere die Entwicklung der zahlenden Creative-Cloud-Kunden, die Umwandlung kostenloser Nutzer in Abonnenten und die Monetarisierung von Firefly entscheidend sind. Das angehobene Kursziel sollte zudem nicht mit einer verbesserten fundamentalen Einschätzung verwechselt werden.
Wachstum durch Partnerschaften, aber auch mehr Konkurrenz
Adobe baut seine KI-Reichweite in Saudi-Arabien aus. Gemeinsam mit dem saudischen Ministerium für Kommunikation und Informationstechnologie sowie HUMAIN soll mehr als 27 Millionen berechtigten Bürgern und Einwohnern ab 13 Jahren zwölf Monate lang kostenloser Zugang zu Firefly Standard und Premium-Funktionen von Adobe Express ermöglicht werden. Das Engagement hat einen Wert von mehr als 4 Milliarden US-Dollar und umfasst ein an die saudische Kultur angepasstes Bildgenerierungsmodell.
Die Partnerschaft kann die Verbreitung von Firefly deutlich erhöhen, ist aber nicht automatisch mit kurzfristig verbuchten Abonnementerlösen gleichzusetzen. Zugleich verschärft Googles neuer, prompt-basierter KI-Ansatz für kreative Inhalte den Wettbewerb mit Adobe und Canva. Hinzu kommen Veränderungen im Management: Finanzvorstand Dan Durn wechselte im Juni zu Marvell Technology, während CEO Shantanu nach der Ernennung eines Nachfolgers zurücktreten und anschließend Verwaltungsratschef bleiben soll.
Fazit & Ausblick
Der wichtigste Termin ist die Veröffentlichung der Quartalszahlen am 10. September nach Börsenschluss. Anleger sollten neben der Abweichung von den Konsensschätzungen vor allem auf die ARR-Prognose, die Nachfrage nach Creative Cloud und konkrete Aussagen zur Umwandlung kostenloser KI-Nutzer in zahlende Abonnenten achten. Ein Beat-and-Raise könnte die Aktie kurzfristig stabilisieren; für eine nachhaltige Trendwende muss Adobe jedoch überzeugend zeigen, dass Firefly und die Kernprodukte wieder stärkeres bezahltes Wachstum erzeugen.
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