adesso steigert H1-Umsatz um 13% und bekräftigt 2026-Prognose trotz klarer Ergebnisbelastung im Q2
Kurzüberblick
Die adesso SE hat am 17.08.2026 ihre Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt. Der Dortmunder IT-Dienstleister steigerte den Umsatz auf 794,3 Mio. EUR, ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch das operative Ergebnis legte zu: Das EBITDA stieg um 21 Prozent auf 45,8 Mio. EUR, die EBITDA-Marge verbesserte sich auf 5,8 Prozent. Mit Blick auf die Ergebnisrechnung bleibt jedoch Druck bestehen: Das Konzernergebnis fiel im Halbjahr erneut negativ aus.
An der Börse zeigt sich derweil weiterhin Vorsicht: Die Aktie notiert bei 56,90 EUR und damit 2,4 Prozent tiefer als am Vortag; seit Jahresbeginn liegt das Papier rund 36 Prozent im Minus. Ungeachtet der Ergebnisbelastung bekräftigt adesso die Jahresprognose für 2026 und nennt insbesondere eine seit Mitte des zweiten Quartals deutlich bessere Auslastung sowie Fortschritte in der KI-Strategie als Grundlage.
Marktanalyse & Details
Starke Umsatz- und EBITDA-Dynamik im ersten Halbjahr
- Umsatz H1 2026: 794,3 Mio. EUR (+13% YoY)
- Umsatz Q2 2026: 396,2 Mio. EUR (+12,1% YoY)
- EBITDA H1 2026: 45,8 Mio. EUR (+21% YoY)
- EBITDA-Marge H1 2026: 5,8% (Vorjahr: 5,4%)
- EBITDA Q2 2026: 18,8 Mio. EUR (rückläufig um 9,2% YoY)
Damit ergibt sich ein zweigeteiltes Bild: Während sich die operative Ertragskraft im Halbjahresverlauf klar verbessert hat, zeigt das zweite Quartal im Detail eine Schwächephase. adesso führt dies im Kern auf eine anfangs noch schwächere Auslastung im zweiten Quartal zurück, die sich später spürbar erholte.
Konzernergebnis bleibt negativ – Qualität der Entwicklung zählt
- Konzernergebnis H1 2026: -7,2 Mio. EUR (Vorjahr: -7,2 Mio. EUR)
- Konzernergebnis Q2 2026: -9,9 Mio. EUR (Vorjahr: 0,1 Mio. EUR)
- Ergebnis je Aktie (EPS) H1 2026: -0,87 EUR (Vorjahr: -1,06 EUR)
- EPS Q2 2026: -1,26 EUR (Vorjahr: -0,04 EUR)
Für Anleger ist entscheidend, dass das bessere EBITDA nicht automatisch zu einem sofort verbesserten Nettoergebnis führt. Im Bericht wird der Ergebnisrückgang unter anderem mit höheren Abschreibungen sowie dem Finanzergebnis erklärt. Die Abschreibungen stiegen im ersten Halbjahr um 14 Prozent auf 40,1 Mio. EUR; ein wesentlicher Teil entfällt auf eine vollständige Abschreibung des bilanzierten Geschäfts- oder Firmenwerts für Anteile an der material.one AG sowie auf weitere Abschreibungen im Zusammenhang mit aktivierten Entwicklungsaufwänden.
Analysten-Einordnung: Operativer Hebel wirkt – Ergebnis-Spätfolge bleibt das Risiko
Dies deutet darauf hin, dass adesso den operativen Hebel (Umsatz und EBITDA) bereits erfolgreich aufzieht, die Ergebnisrechnung unter dem Strich aber noch durch nicht-cash-nähere Effekte und Finanzierungseinflüsse belastet wird. Für Anleger bedeutet diese Entwicklung: Die bestätigte EBITDA-Spanne für 2026 ist ein positives Signal für die operative Umsetzung – gleichzeitig bleibt die entscheidende Frage, ob im zweiten Halbjahr die verbesserte Auslastung auch in eine nachhaltigere Netto-Ergebnisqualität und damit in eine weniger volatile EPS-Entwicklung mündet.
Auslastung, Kostenstruktur und Liquidität im Blick
adesso beschreibt eine Verbesserung der Auslastung seit Mitte des zweiten Quartals, die im weiteren Jahresverlauf zusätzlichen Ergebnishebel liefern soll. Kennzahlen zur Kosten- und Personalstruktur stützen diesen Ansatz:
- FTE-Stichtag: 11.515 (+7% YoY, unterproportional zum Umsatz)
- Personalaufwand H1: 550,6 Mio. EUR (+12% YoY)
- Materialaufwand H1: 131,0 Mio. EUR (+18% YoY)
- Sonstige betriebliche Aufwendungen: 81,1 Mio. EUR (+3% YoY)
Beim Cashflow verzeichnet adesso im ersten Halbjahr 2026 einen operativen Mittelabfluss von -28,1 Mio. EUR nach -38,7 Mio. EUR im Vorjahr. Die Verbesserung wird unter anderem mit höheren erhaltenen Anzahlungen und einem geringeren Anstieg der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen erklärt. Zudem weist das Unternehmen liquide Mittel in Höhe von 49,2 Mio. EUR aus; die Nettoverschuldung beträgt rechnerisch -155,3 Mio. EUR, was auf einen Netto-Liquiditätsüberschuss hindeutet.
KI-Strategie mit messbarem Auftragseingang: GenAI und omni:us
Im Bericht wird GenAI als Wachstumsbaustein konkretisiert: Der durch generative KI direkt beeinflusste Auftragseingang lag im ersten Halbjahr bei 73,7 Mio. EUR. Insgesamt beauftragten 72 Konzerne aus sieben Ländern Projekte mit GenAI-Bezug, wobei 44 Prozent des Volumens auf Neugeschäft entfielen. Als geografischer Schwerpunkt wird unter anderem die Nachfrage in finanziellen sowie industriellen Anwendungsfeldern genannt.
Zusätzlich unterstreicht die jüngste Übernahme von omni:us die operative Umsetzung dieser Strategie. Das KI-Portfolio wird in die in|sure Ecosphere integriert, um die Schadenbearbeitung über einen agentischen Layer auszubauen. Ziel ist eine effizientere Automatisierung von standardisierten Fällen sowie eine KI-gestützte Unterstützung bei komplexeren Entscheidungen.
Fazit & Ausblick
adesso bestätigt für 2026 die Prognose: Umsatz 1,6 bis 1,7 Mrd. EUR sowie ein EBITDA von 130 bis 150 Mio. EUR. Für die nächsten Monate dürfte vor allem die Umsetzung zählen: ob sich die seit Mitte des zweiten Quartals verbesserte Auslastung weiter stabilisiert und im zweiten Halbjahr zu einem spürbaren Ergebnisbeitrag führt, der die Netto-Ebene weniger stark schwanken lässt.
Der nächste große Prüfpunkt ist damit der Quartalsfortschritt im dritten Quartal – insbesondere mit Blick auf die Profitabilitätstrei-ber, die KI-Auftragsdynamik und die Integrationseffekte aus dem omni:us-Portfolio.
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