adesso steigert H1-Umsatz um 13 % auf 794,3 Mio. € und bestätigt EBITDA-Ziel für 2026
Kurzüberblick
Die adesso SE hat nach dem ersten Halbjahr 2026 ihre Wachstumsdynamik untermauert: Der Umsatz stieg um 13 % auf 794,3 Mio. €, das EBITDA legte um 21 % auf 45,8 Mio. € zu. Gleichzeitig bleibt die Ergebnislinie im Konzern belastet – das Konzernergebnis lag im ersten Halbjahr bei -7,2 Mio. €, im zweiten Quartal sogar bei -9,9 Mio. €. Der Markt blickt damit weiterhin stark auf die weitere Profitabilitätsentwicklung.
Die Zahlen wurden am 14. August 2026 veröffentlicht; an der Börse notierte die Aktie zuletzt bei 58,3 €, während die YTD-Performance bei -34,42 % liegt. adesso begründet die operative Verbesserung vor allem mit einer besseren Auslastung seit Mitte des zweiten Quartals sowie wachsendem Zuspruch für generative-KI-Projekte. Zudem bekräftigte das Unternehmen die Jahresprognose für 2026.
Marktanalyse & Details
Finanzkennzahlen: Wachstum bei Umsatz und EBITDA, aber weiterhin Verlust auf Konzernebene
- Umsatz H1 2026: 794,3 Mio. € (+13 %)
- Umsatz Q2 2026: 396,2 Mio. € (+12,1 %)
- EBITDA H1 2026: 45,8 Mio. € (+21 %); EBITDA-Marge: 5,8 %
- EBITDA Q2 2026: 18,8 Mio. € (
Mit Blick auf das zweite Quartal zeigt sich ein differenziertes Bild: Während der Umsatz weiter zulegt, liegt das EBITDA im Q2 mit 18,8 Mio. € um (negativ) 9,2 % unter dem Vorjahr. Unterm Strich blieb der Ergebnishebel damit im Quartal offenbar weniger stabil als im Halbjahr insgesamt.
- Konzernergebnis H1 2026: -7,2 Mio. € (Vorjahr: -7,2 Mio. €)
- Konzernergebnis Q2 2026: -9,9 Mio. € (Vorjahr: 0,1 Mio. €)
- Ergebnis je Aktie H1 2026: -0,87 € (Vorjahr: -1,06 €)
- Ergebnis je Aktie Q2 2026: -1,26 € (Vorjahr: -0,04 €)
Warum das Konzernergebnis unter Druck bleibt: Abschreibungen und Finanzposten
Für Anleger ist entscheidend, dass das operative Bild (EBITDA) besser ausfällt, die Ergebniskennziffern auf Konzernebene jedoch weiterhin durch Sonder- und Bewertungseffekte belastet sind. Im Halbjahr wurde u. a. eine vollständige Abschreibung auf den Geschäfts- oder Firmenwert im Zusammenhang mit Anteilen an der material.one AG vorgenommen. Zusätzlich wirkten ein reduziertes Beteiligungsergebnis (auf -2,0 Mio. €) und ein Finanzergebnis (auf -6,2 Mio. €) sowie eine rechnerische Steuerquote von -194 % auf die Ergebnisrechnung.
Operative Entwicklung: Auslastung, Personaleinsatz und Kostendynamik
adesso beschreibt eine merkliche Verbesserung der Auslastung ab Mitte des zweiten Quartals. Operativ stützten zudem Produktivitätsziele den Hebel: Die Zahl der Vollzeitäquivalente (FTE) wurde zum Stichtag um 7 % auf 11.515 erhöht – damit wuchs der Personaleinsatz unterproportional zum Umsatz. Personalaufwand stieg um 12 % auf 550,6 Mio. €, während die sonstigen betrieblichen Aufwendungen nur moderat um 3 % auf 81,1 Mio. € anstiegen.
Gleichzeitig stieg der Materialaufwand um 18 % auf 131,0 Mio. €, unter anderem durch den höheren Einsatz von externen Projektmitarbeitenden und Partnern. Für Anleger bedeutet das: Das Unternehmen skaliert zwar, muss aber die externe Leistungstiefe im Blick behalten, damit das EBITDA-Wachstum nachhaltig bleibt.
GenAI als messbarer Wachstumstreiber: Nachfrage breitet sich aus
Ein Schwerpunkt der Halbjahresdarstellung liegt auf generativer KI. adesso nennt für das erste Halbjahr einen durch GenAI direkt beeinflussten Auftragseingang von 73,7 Mio. €. Insgesamt beauftragten 72 Konzerne in sieben europäischen Ländern GenAI-bezogene Projekte; rund 44 % entfielen auf Neugeschäft. Als Branchen-Schwerpunkte werden u. a. Banking, industrielle Fertigung, Energieversorger und Handel genannt.
Strategischer Ausbau: omni:us stärkt agentische KI im Versicherungsbereich
Mit der Übernahme des KI-Schadenplattform-Spezialisten omni:us erweitert adesso sein KI-Portfolio für die Versicherungswirtschaft. Die Plattform in|sure Ecosphere wird dabei um eine automatisierte, KI-gestützte Schadenbearbeitung ergänzt. Der agentische Layer soll einfache Schadenfälle vollautomatisiert lösen und bei komplexen Fällen unterstützen.
adesso verweist auf mögliche Effizienzgewinne von bis zu 35 % und Verbesserungen der Schaden-Kosten-Quote um bis zu 4 Prozentpunkte. Für die Umsetzung ist das strategisch relevant: Solche Tools entfalten ihren Nutzen typischerweise dann besonders stark, wenn sie in bestehende Kernsysteme integriert werden und nicht als isolierte Zusatzlösung laufen.
Bilanz & Cashflow: Working Capital normalisiert sich, operativer Cashflow bleibt aber negativ
Das Working Capital stieg im Jahresvergleich um 22 % von 213,8 Mio. € auf 259,8 Mio. €, gegenüber dem 31.03.2026 allerdings nur um weitere 3 %. Der Cashflow aus der operativen Geschäftstätigkeit verbesserte sich auf -28,1 Mio. € (Vorjahr: -38,7 Mio. €), maßgeblich getrieben durch höhere erhaltene Anzahlungen und weniger starken Forderungsanstieg im Vergleich zum Vorjahr.
- Finanzverbindlichkeiten: 204,4 Mio. € (
- Liquide Mittel: 49,2 Mio. €
- Nettoverschuldung: -155,3 Mio. €
Analysten-Einordnung
Die Kombination aus deutlich wachsendem Umsatz und EBITDA bei gleichzeitig anhaltenden Verlusten im Konzernergebnis deutet darauf hin, dass adesso die operative Skalierung zwar bereits sichtbar macht, die Ergebnisrechnung jedoch noch stark von Bewertungseffekten und Kosten-/Leistungssteuerung geprägt ist. Für Anleger ist die Bestätigung der Jahresprognose ein Signal für Vertrauenswürdigkeit im mittelfristigen Steuerungsrahmen – gleichzeitig sollte der Fokus in den kommenden Quartalen auf der Frage liegen, ob die verbesserte Auslastung (bereits ab Mitte Q2) auch in einer stabileren Ertragsqualität ankommt. Dass die Aktie trotz des operativen Aufwärtstrends YTD deutlich schwach performt, zeigt, dass der Markt die sichtbare EBITDA-Stärke bislang nur teilweise in eine nachhaltige Ergebniswende übersetzt.
Fazit & Ausblick
adesso liefert mit +13 % Umsatz und +21 % EBITDA einen belastbaren Wachstumsnachweis für die erste Jahreshälfte und bleibt bei der Guidance: Für 2026 nennt das Unternehmen weiterhin 1,6 bis 1,7 Mrd. € Umsatz sowie 130 bis 150 Mio. € EBITDA. Entscheidend wird nun, ob die im zweiten Quartal spürbar höhere Auslastung auch im zweiten Halbjahr in eine weniger verlustreiche Ergebnisentwicklung übersetzt.
Operativ dürfte der Ausbau von GenAI-Angeboten und die Integration der omni:us-Technologie in die in|sure Ecosphere im weiteren Verlauf eine zentrale Rolle spielen. Die nächsten Finanzzahlen und der weitere Unternehmensausblick folgen im vorgesehenen Veröffentlichungsrhythmus des IR-Kalenders.
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