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Hannes Püsche in Guide

16.01.2026 08:08

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Wheel-Strategie - die zweifelhafte Options-Strategie im Realitätscheck

Wheel-Strategie – die zweifelhafte Options-Strategie im Realitätscheck

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Stetigen Cashflow mit Aktien erzielen kann man nicht nur mit Dividenden, sondern auch mit Optionsprämien durch die sogenannte Wheel Strategie. Während die meisten Privatanleger eher die Optionsscheine kennen, sind echte Optionen deutlich fairer und bieten dabei noch spannende Möglichkeiten, über Stillhaltergeschäfte regelmäßige Einnahmen zu erzielen. Verbindet man dies bedacht mit dem Kauf von Aktien, die man sowieso kaufen möchte und führt dann auf die Aktien im Depot wieder Stillhaltergeschäfte (den Verkauf von Call Optionen) durch, dann befindet man sich in einem Rad und der daher stammenden Wheel Strategie. Was einfach und spannend klingt, kann sich jedoch im Zweifel als großes Risiko entpuppen und im schlimmsten Fall ein ganzes Depot zerlegen. 

Deshalb wollen wir in diesem Guide den Grundlagen und den Besonderheiten von Stillhaltergeschäften mit Optionen und der Wheel Strategie auf den Grund gehen. Du erfährst in diesem Guide, was für eine langfristig erfolgreiche Wheel Strategie unerlässlich ist und was du hingegen auf jeden Fall vermeiden solltest, um nicht in die Fallen zu tappen, denen viele Anleger bereits zum Opfer gefallen sind, die damit womöglich ihr ganzes Depot zerlegt haben.

Kapitel 1

Was sind überhaupt Optionen?

Bevor wir über Wheel, Stillhalter und Prämien sprechen, müssen wir einmal ganz vorne anfangen: Was ist eine Option eigentlich?

Optionen sind eigentlich schlicht Verträge. Zwei Parteien einigen sich darauf,

  • welchen Basiswert (z. B. eine Aktie)
  • zu welchem Preis (Strike)
  • bis wann (Laufzeit/Expiration)

kaufen oder verkaufen zu können.

Der entscheidende Punkt:

  • Der Käufer einer Option hat ein Recht, aber keine Pflicht.
  • Der Verkäufer (Stillhalter) kassiert die Prämie und übernimmt eine Verpflichtung.

Es gibt zwei Grundformen:

  • Call = Recht, eine Aktie zu einem bestimmten Preis zu kaufen.
  • Put = Recht, eine Aktie zu einem bestimmten Preis zu verkaufen.

Wenn du einen Call oder Put kaufst, bist du „long“ und hoffst auf eine Kursbewegung in deine Richtung. Wenn du ihn verkaufst („short gehst“), kassierst du die Prämie und verpflichtest dich, im Zweifel zu liefern (Call) oder abzunehmen (Put). 

Das Prinzip ist wie bei einer Versicherung. Der Versicherte kauft sie gegen die Zahlung einer Prämie (ist also Long) und sichert sich gegen einen potentiellen Schaden ab. Die Versicherung kassiert vom Versicherten die Prämie und übernimmt dafür die Verpflichtung, im Schadensfall die vertraglich vereinbarte Schadenszahlung leisten zu müssen (sie ist also Short). 

Der Optionspreis, also die Prämie, besteht aus:

  • dem inneren Wert (was die Option heute wert wäre, wenn man sie sofort ausübt) und
  • dem Zeitwert (Erwartung an die Zukunft: Restlaufzeit, erwartete Schwankung).

Je näher das Verfallsdatum rückt, desto mehr baut sich dieser Zeitwert ab – das ist der Zeitwertverfall. Für Käufer läuft dieser gegen ihn, für den Stillhalter entsprechend für ihn.

Ein kurzes Beispiel:
Aktie bei 100 €. Du kaufst einen Call mit Strike 105 €, Laufzeit drei Monate, Prämie 3 €.

  • Steht die Aktie am Ende bei 120 €, ist der Call 15 € „im Geld“. Nach Abzug der 3 € Prämie bleiben 12 € Gewinn (vor Kosten und Steuern).
  • Steht die Aktie bei 100 € oder darunter, verfällt der Call wertlos – du verlierst die 3 €.

Auf der anderen Seite sitzt der Stillhalter: Er hat 3 € kassiert und hofft genau auf dieses zweite Szenario. Läuft der Kurs seitwärts oder fällt, behält er die Prämie. Zieht die Aktie stark an, muss er liefern – seine Verluste sind die Gewinne des Käufers.

Für uns ist entscheidend:

Die Wheel-Strategie arbeitet primär mit Stillhaltergeschäften (also Short Puts und Calls): Du nimmst die Rolle des Versicherers ein – und wie bei jeder Versicherung gilt: Solange „nichts passiert“, ist es sehr angenehm für den Versicherer. Wenn etwas passiert und man dem Versicherten den Schaden erstatten muss, kann es teuer werden für den Versicherer.

Kapitel 2

Stillhalterstrategien im Detail

Warum sind Stillhalterstrategien grundsätzlich profitabel?

Bevor wir auf Stillhalterstrategien im Detail eingehen, müssen wir zunächst klären, warum man diese überhaupt handeln sollte und worauf die Rendite basiert. Warum zahlt einem der Markt regelmäßig Prämien dafür, dass man Optionen verkauft? 

Dahinter steckt eine einfache Erklärung: Du nimmst anderen Marktteilnehmern Risiken ab, die sie selbst nicht tragen wollen – und wirst dafür bezahlt. Die Versicherungsanalogie ist hier wieder sehr passend, im Kern funktioniert das sehr ähnlich. Viele sind bereit, laufend Beiträge zu bezahlen, damit sie im „Katastrophenfall“ abgesichert sind. Der Versicherer kassiert diese Beiträge, trägt aber das Risiko, dass es irgendwann richtig teuer wird.

Im Optionsmarkt sieht das ganz ähnlich aus. Wir unterscheiden die folgenden Gruppen von Marktteilnehmern in diesem Markt:

  1. Zum einen Hedger, die sich absichern wollen – etwa institutionelle Investoren, die ihre Aktienbestände gegen einen Crash schützen.
  2. Zum anderen Spekulanten, die auf schnelle, starke Bewegungen setzen und dafür bewusst eine begrenzte Prämie bereit sind zu zahlen.
  3. Auf der Gegenseite stehen die Stillhalter, die diese Rechte verkaufen, Prämien kassieren und mit dem Risiko leben, im ungünstigsten Szenario liefern oder abnehmen zu müssen.

Die Profitabilität von Stillhalterstrategien kommt also nicht aus einem „Trick“, sondern aus einer ganz simplen Marktlogik: Viele Marktteilnehmer sind bereit, für Sicherheit, Hebel oder psychologische Entlastung zu zahlen – und du bist bereit, diese Rolle gegen Bezahlung zu übernehmen.

In einem ‚perfekten‘ Markt wären Marktteilnehmer nicht bereit, für eine Absicherung zu bezahlen, doch der Aktienmarkt ist kein solcher. Denn im Aktienmarkt sind stark negative Ausschläge wahrscheinlicher als ebenso stark positive Ausschläge. Dagegen möchten sich gewisse Marktteilnehmern gerne absichern. Wären positive wie negative Renditen gleich wahrscheinlich, würde es rein logisch keine Optionsprämien für den Verkäufer geben und beide Seiten wären gleich bepreist.

Trotzdem kommen solche Events mit stark negativen Renditen sehr selten vor. Die so genannte implizite Volatilität, die durch die Optionspreise- und prämien angenommen wird, ist regelmäßig in der Realität geringer. Das heißt, die erwartete Volatilität in der Zukunft ist durchschnittlich höher als die tatsächlich realisierte Volatilität dieses Zeitraums. Mit Stillhalterstrategien verkaufen wir quasi erwartete Volatilität und kaufen tatsächliche Volatilität. Das ist der Grund, warum Stillhaltergeschäfte langfristig und durchschnittlich profitabel sind.

Die Optionsprämie ist also eine Risikoprämie, die der Käufer an den Verkäufer der Option zahlt. Deshalb ist sie eben auch nicht als “free lunch”, also kostenloses Geld, zu bezeichnen. 

Konkrete Stillhaltestrategien für die Wheel Strategie

Short Put (cash-secured vs. Margin)

Beim Short Put verpflichtest du dich, eine Aktie zum Strike zu kaufen, wenn der Optionskäufer das möchte (bzw. der Markt dich zum Ablauf „zwingt“). Der Long-Put-Käufer versichert sich damit gegen einen Kurssturz – und du als Short-Put-Schreiber bist derjenige, der diese Versicherung gegen Prämie anbietet.

  • Bleibt der Kurs über dem Strike:
    → Der Put verfällt wertlos, du behältst die Prämie.
    • die Höhe der Prämie stellt den höchstmöglichen Gewinn dar
  • Fällt der Kurs unter den Strike:
    → Du wirst eingebucht und musst die Aktie zum Strike kaufen, auch wenn der Marktpreis darunter liegt. Alternativ könntest du die Option auch in eine spätere Fälligkeit “rollen”, wodurch du den Buchverlust dann aber nur vor dir her schiebst.
    • der höchst möglicher Verlust ist der gesamte Optionswert (also Optionspreis x 100), da die Aktie theoretisch bis auf 0€ fallen könnte, du sie aber zum Strike verkaufen müsstest

Cash-secured Put: Du hältst im Depot genügend Liquidität, um die Aktie zum Strike-Preis tatsächlich kaufen zu können. Beispiel:

  • Strike: 50 €
  • 1 Kontrakt = 100 Aktien → Kapitalbedarf = 5.000 €
  • Du legst diese 5.000 € bewusst zurück (oder der Broker blockt sie).

Margin-basierter Put:
Der Broker verlangt nur einen Bruchteil als Sicherheitsleistung (Margin). Du kannst so mehr Kontrakte schreiben, als dein Cash „eigentlich“ hergibt. Das erhöht zwar die Prämieneinnahmen – aber auch das Risiko eines Margin Calls und damit einer Zwangsliquidation in Stressphasen.

Short Call

Beim Short Call gibt es auch wieder zwei Ausprägungen, die wir unterscheiden, zum einen den Covered Call und zum anderen den Naked Call.

Beim Covered Call besitzt du bereits die Aktie und verkaufst darauf eine Call-Option.

  • Bleibt der Kurs unter dem Strike:
    → Der Call verfällt wertlos, du behältst die Prämie und deine Aktien.
  • Steigt der Kurs über den Strike:
    → Du kannst „ausgebucht“ werden und musst deine Aktien zum Strike abgeben. Du verdienst dann:
    • Kursgewinne zwischen deinem Einstiegskurs und dem Strike,
    • plus die eingenommene Prämie.
      Aber:
    • weitere Kursgewinne oberhalb des Strike verpasst du.

Covered Calls sind also im Kern: „Ich bin bereit, meine Aktie zu einem bestimmten Preis zu verkaufen – und lasse mich dafür heute schon bezahlen.“

Naked Call

Beim Naked Call verkaufst du hingegen eine Call-Option, ohne die zugrunde liegende Aktie zu besitzen. Vom Ablauf her wirkt das zunächst ähnlich wie beim Covered Call: Du kassierst die Prämie und hoffst, dass der Kurs unter dem Strike bleibt.

Bleibt der Kurs unter dem Strike:
→ Der Call verfällt wertlos, du behältst die Prämie. Mehr kannst du mit einem Naked Call nicht verdienen.

Steigt der Kurs über den Strike:
→ Du wirst „ausgebucht“ und musst die Aktie am Markt kaufen, um sie zum Strike zu liefern. Weil du keine Aktien im Depot hast, musst du sie am Markt zum entsprechenden Marktpreis kaufen, um sie zum niedriger liegenden Strike zu liefern. Dein Verlust kann deshalb theoretisch unbegrenzt hoch werden.

Naked Calls sind damit die riskanteste Form des Call-Verkaufs und für Privatanleger in der Regel ungeeignet. Sie passen weder zu einem konservativen Cashflow-Ansatz noch zur Wheel-Strategie.

Kapitel 3

Die Wheel-Strategie Schritt-für-Schritt erklärt

Die Wheel-Strategie ist wie der Name schon andeutet im Kern ein „Rad“ aus zwei Stillhalterstrategien:

  1. Short Put:
    Du schreibst einen cash-secured Put auf eine Aktie, die du im Zweifel auch besitzen möchtest.
  2. Wenn du eingebucht wirst:
    Du erhältst 100 Aktien zum Strike-Preis pro Kontrakt. Jetzt besitzt du die Aktien.
  3. Covered Call:
    Auf diese 100 Aktien schreibst du einen Covered Call mit einem Strike über deinem Einstandspreis.
  4. Wenn du ausgebucht wirst:
    Deine Aktien werden zum Strike abgegeben, du behältst wieder nur Cash.
    → Zurück zu Schritt 1: Wieder einen Short Put schreiben.
Wheel Strategie Funktion
Quelle: Captrader – Wheel Strategie

In einem ruhigen oder leicht steigenden Markt kann dieses Rad recht gut laufen: Du kassierst Prämien und rotierst zwischen Cash und Aktien.

Zahlenbeispiele 

Vereinfachtes Beispiel (Steuern und Gebühren wurden aus Vereinfachungsgründen weggelassen)

  • Aktie: 50 €
  • Short Put: Strike 48 €, Prämie 1,50 € pro Aktie → 150 € pro Kontrakt
  • Laufzeit: 30 Tage
  • Kapitalbedarf: 4.800 € (cash-secured)

Szenario A – Kurs bleibt über 48 €:

  • Der Put verfällt wertlos.
  • Du behältst 150 € Prämie (abzgl. Gebühren & Steuern).
  • Bruttorendite auf Kapital: 150 € / 4.800 € ≈ 3,1 % für 30 Tage (theoretisch)

Szenario B – Kurs fällt auf 44 € zum Ablauf:

  • Du wirst eingebucht: Kauf der Aktie zu 48 €.
  • Dein Buchverlust zum Marktpreis: 4 € pro Aktie = 400 €.
  • Du hast 150 € Prämie kassiert.
  • Netto-Buchverlust: 400 € – 150 € = 250 €.

Anschließend kannst du Covered Calls schreiben, aber: Du sitzt aber zunächst auf einem Verlust. 

Beispielhafte Worst-Case Szenarien zur Veranschaulichung

1. Short Put & Underlying halbiert sich

  • Du hast einen Short Puts geschrieben und wirst bei 48 € eingebucht.
  • Unwahrscheinlich, aber kurz danach gibt es extrem schlechte News und die Aktie fällt auf 24 €.
  • Dein Buchverlust ist massiv, eine Option entspricht 100 Aktien, demnach steht ein Buchverlust von 100×24€=24.000€ zu Buche

Hier gilt es vorher und während des Trades strengstes Risikomanagement zu treiben. Die Auswahl des Underlyings ist entscheidend, die Vermeidung von möglichen Extremevents und die Risikominimierung, in dem man Verluste mitnimmt und damit gleichzeitig begrenzt.

2. Short Call & Underlying steigt 100 %

  • Du hast eine Aktie zu 50 € im Depot und schreibst einen Covered Call mit Strike 55 € für 1,50 € Prämie.
  • Die Aktie verdoppelt sich auf 100 €.
  • Du wirst bei 55 € ausgebucht:
    • Gewinn: 5 € Kursgewinn + 1,50 € Prämie = 6,50 € pro Aktie.
    • Verpasster Gewinn: 45 € pro Aktie.

Das ist zwar bitter, aber noch schlimmer wäre es, Naked Short Calls zu schreiben, also Call Optionen zu verkaufen, ohne die Aktien zu besitzen, dann wäre das theoretische Verlustrisiko unbegrenzt.

Kapitel 4

Chancen und Risiken von Stillhalterstrategien

Nachdem wir uns die technischen Grundlagen und die konkreten Bausteine wie Short Puts und Covered Calls angeschaut haben, geht es jetzt um die entscheidende Frage: Was bringt das Ganze unterm Strich – und mit welchen Risiken bezahlst du dafür? Genau darum geht es in diesem Abschnitt.

Stillhalterstrategien wirken auf den ersten Blick verführerisch simpel: Man schreibt Puts oder Calls, kassiert Prämien und hofft, dass „nichts Dramatisches“ passiert. Um sie realistisch einzuordnen, muss man Chancen und Risiken gemeinsam betrachten – denn beides gehört untrennbar zusammen.

Chancen

Auf der positiven Seite stehen drei wesentliche Punkte. Erstens bieten Stillhalterstrategien die Möglichkeit, zusätzliche Einnahmen durch Optionsprämien zu erzielen. Der Markt bezahlt dich dafür, dass du Unsicherheit und Volatilität übernimmst, die andere Marktteilnehmer lieber abgeben. Diese Prämien sind eine echte Risikoprämie – kein Trick, sondern die ökonomische Grundlage der gesamten Strategie.

Zweitens eignen sich Short Puts als Instrument für einen geplanten Einstieg in Aktien. Du verpflichtest dich, zu einem Preis zu kaufen, den du ohnehin attraktiv findest, und erhältst dafür heute eine Prämie. In ruhigen Marktphasen oder bei moderaten Rücksetzern kann das ein effizienter Weg sein, Positionen aufzubauen – mit dem Bewusstsein, dass es im Crash deutlich schlimmer kommen kann.

Drittens ermöglichen Covered Calls einen strukturierten Ausstieg aus bestehenden Positionen. Du legst ein Verkaufsniveau im Voraus fest, kassierst dafür Prämien und glättest deine Rendite. Der Preis dafür: Aufwärtsbewegungen oberhalb des Strikes gibst du bewusst aus der Hand.

Risiken

Den Chancen stehen allerdings Risiken gegenüber, die deutlich schwerer wiegen können. Besonders relevant sind die Kursrisiken bei Short Puts: Fällt die Aktie nach einem Crash oder einer Gewinnwarnung weit unter deinen Strike, trägst du den vollen Verlust – abzüglich einer Prämie, die im Verhältnis oft gering ist. Die Prämie wirkt in solchen Momenten nicht wie ein Schutzschild, sondern eher wie ein kleiner Rabatt auf einen sehr teuren Kauf.

Hinzu kommen die Opportunitätsrisiken bei Covered Calls. Läuft eine Aktie stärker als erwartet, wirst du möglicherweise früh ausgebucht und gibst deine Stücke zu einem Kurs ab, der im Rückblick viel zu niedrig erscheint. Du glättest zwar deine Rendite, reduzierst aber die positiven Ausreißer.

Ein weiteres Risiko liegt in der Liquidität der Optionen. Breite Spreads können Trades unerwartet teuer machen, insbesondere beim Rollen oder Schließen von Positionen. Buchgewinne können durch ungünstige Ausführungen schnell schmelzen.

Wer mit Margin arbeitet, muss zudem die Marginrisiken in Stressphasen kennen. Solange die Märkte ruhig sind, wirkt Margin oft harmlos. Doch wenn die Volatilität steigt, können Marginanforderungen sprunghaft zunehmen. Nachschusspflichten oder sogar Zwangsliquidationen sind reale Gefahren, die Stillhalter häufig unterschätzen.

Und schließlich gibt es die seltenen, aber entscheidenden Tail-Risiken. Stillhaltergeschäfte folgen einem Profil aus vielen kleinen Gewinnen und wenigen, dafür sehr großen Verlusten. Diese extremen Ausschläge entscheiden über die langfristige Profitabilität – und sie treten genau dann auf, wenn man sie nicht erwartet.

Kapitel 5

Typische Fehler und professionelles Risikomanagement

Viele Probleme entstehen jedoch nicht durch die Strategie selbst, sondern durch das Verhalten der Anleger. Stillhaltergeschäfte verzeihen keine Nachlässigkeiten – umso zentraler ist ein konsequentes Risikomanagement.

Typische Fehler

Ein klassischer Fehler sind zu große Positionsgrößen. Der Gedanke „Es ist ja nur ein Put, der verfällt schon“ unterschätzt, dass im Hintergrund immer eine volle Aktienposition steht. Ein einziger extrem schlechter Trade reicht aus, um mehrere gute Jahre zu zerstören.


Ebenso gefährlich ist das Schreiben von Optionen auf hochvolatile oder fundamental schwache Werte. Meme-Stocks, Penny-Stocks oder Unternehmen mit ständigem News-Feuerwerk locken zwar mit hohen Prämien, aber genau diese Prämien sind der Preis für sprunghaftes Risiko.


Ein weiterer Fehler ist Rollen ohne Plan. Verlustpositionen werden reflexartig nach hinten verlängert, ohne zu prüfen, ob die ursprüngliche Investmentstory überhaupt noch trägt. Damit wird Risiko häufig nicht reduziert, sondern nur zeitlich verschoben – und manchmal vergrößert.
Hinzu kommt die Prämienjagd: Wenn bei einem Trade zuerst die Prämie betrachtet wird und erst danach das Risiko, ist Vorsicht geboten. Hohe Prämien erscheinen selten ohne Grund.


Und schließlich spielt die FOMO eine große Rolle. Stillhalterstrategien leben nicht davon, permanent aktiv zu sein. Wer Trades erzwingt, nur weil „gerade nichts läuft“, trifft häufig besonders schlechte Entscheidungen.

Risikomanagement in der Praxis

Das Risikomanagement ist der Kern jeder Stillhalterstrategie – wichtiger als die Auswahl des Underlyings oder der Strike-Levels. Die Strategie ist schnell verstanden; entscheidend ist, wie konsequent du sie anwendest.


Ein zentraler Baustein ist die Begrenzung der Positionsgröße. Eine Obergrenze von fünf bis zehn Prozent pro Underlying verhindert, dass ein einziges Ereignis das Depot dominiert. Konservativer ist in der Praxis oft besser.


Ebenso wichtig ist die Diversifikation, sowohl über verschiedene Underlyings als auch über verschiedene Optionsarten. Mit wachsender Depotgröße lassen sich Puts und Calls auf unterschiedliche Werte sinnvoll kombinieren – Buchverluste und Prämien wirken dann gegeneinander.
Zu Beginn empfiehlt es sich, bewusst cash-secured zu arbeiten. Margin ist kein Geschenk, sondern ein Risiko, das sich in Stressphasen schlagartig materialisiert. Wer Margin falsch einsetzt, merkt das immer erst dann, wenn es zu spät ist.


Ein weiterer Punkt ist das Verständnis der Volatilität. In einem Crash steigen die Prämien fast aller Optionen – auch der Calls. Welche Option wie reagiert, hängt von Laufzeit, Strike, Underlying und Gesamtmarkt ab. Wer diese Zusammenhänge ignoriert, trifft schnell falsche Entscheidungen.


Und schließlich ist die Psychologie zentral. Optionshandel ist emotional anspruchsvoller als Buy-and-Hold. Hilfreich ist es, Schmerzgrenzen vor dem Trade festzulegen, klare Regeln für das Rollen zu definieren und Verluste rechtzeitig zu akzeptieren, statt sie zu verdecken. Phasen ohne gute Setups sollte man bewusst aussitzen.
Oft ist der beste Optionshandel genau der, den man nicht macht.

Kapitel 6

Fazit: Was du mit diesem Wissen anfangen kanns

Wenn du bis hierher gelesen hast, hast du den Kern verstanden:
Optionsgeschäfte und insbesondere Stillhalterstrategien verlangen ein sauberes Verständnis von Risiko, Volatilität und Psychologie – und die Wheel-Strategie ist ein strukturiertes System, das genau mit diesen Bausteinen arbeitet.

Du weißt jetzt:

  • was eine Option technisch ist und welche Rolle du als Stillhalter übernimmst,
  • warum der Markt dir überhaupt eine Prämie zahlt – und wofür genau,
  • welche Chancen Short Puts und Covered Calls bieten,
  • wo die Risiken liegen, wenn Kurse stark fallen oder deutlich stärker steigen als gedacht,
  • und warum Risikomanagement, Positionsgrößen und ein klarer Kopf wichtiger sind als jede Einzelformel.

Damit kannst du Stillhalterstrategien realistisch einordnen. Optionen sind weder so exotisch, dass man sie prinzipiell meiden müsste, noch ein Instrument, mit dem man ganz einfach und nebenbei Zusatzrendite erzielen kann. Sie sind ein Werkzeug, das dir – richtig eingesetzt – hilft, Einstiege zu strukturieren, Ausstiege zu planen und Cashflows zu erzielen. Falsch eingesetzt, verstärken sie dagegen genau die Risiken, die viele Anleger ohnehin schon im Depot haben.

Die Wheel-Strategie kann dafür ein sinnvoller Baustein sein – aber nur im Rahmen eines durchdachten Gesamtkonzepts. Sie ersetzt keine Fundamentalanalyse, keine Diversifikation und keine klare Liquiditätsplanung. Spätestens in unruhigen Marktphasen entscheidet nicht die Theorie, sondern dein Umgang mit Verlusten, Schwankungen und Unsicherheit.

Wenn du das in der Praxis nutzen willst, dann am besten so:

  1. Klein starten: Ein Kontrakt auf einen liquiden, fundamental soliden Wert reicht, um das Zusammenspiel aus Kurs, Prämie und Emotionen zu erleben.
  2. Regeln vor den Trades festlegen: Definiere vorab, wann du rollst, wann du Positionen reduzierst und wann du bewusst einen Verlust realisierst. Im Nachhinein „spontan“ zu reagieren, ist an der Börse selten eine gute Idee.
  3. Psychologie ernst nehmen: Viele kleine Prämien fühlen sich gut an, können aber durch einzelne, große Gegenbewegungen überkompensiert werden. Entscheidend ist, dass deine größten Verluste begrenzt bleiben – nicht, dass jede einzelne Option im Gewinn endet.

Auch wir bei Goldesel beschäftigen uns mit Stillhalterstrategien und der praktischen Umsetzung von Wheel-Ansätzen – im Team und gemeinsam mit der Community. Im Rahmen von Goldesel Premium gibt es dafür im Discord einen eigenen #optionen-Bereich, in dem wir Setups, Erfahrungswerte und vor allem Risikofragen besprechen. Nicht als großes, separates Produkt, sondern als Ergänzung für diejenigen, die das Thema bewusst und strukturiert angehen wollen.

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