S&P 500: Ist eine langanhaltende Bärenmarkt-Rallye möglich?
Die globalen Aktienmärkte befinden sich seit längerer Zeit in einem Bärenmarkt und es ist bisher noch kein Ende in Sicht. Dass es in solchen Märkten auch zu vereinzelten “Bärenmarkt-Rallyes” kommen kann, ist üblich. Doch ein Analyst behauptet, dass die aktuelle Rallye ziemlich lange anhalten könnte.
Morgan-Stanley-Analyst ist positiv gestimmt
Mike Wilson ist ein Analyst von Morgan Stanley und ein bekannter Börsenskeptiker, der den diesjährigen Bärenmarkt vorausgesagt hat. In einer jüngsten Umfrage von Institutional Investor wurde er zum besten Portfoliostrategen gekürt. Nun sagte Wilson: Der Bärenmarkt an den US-Aktienmärkten könnte früher beendet sein, als die meisten Anleger vermuten.
In einem Interview mit Bloomberg TV sagte der Analyst, dass der Bärenmarkt im 1. Quartal 2023 zu Ende gehen wird. Dabei stellte Wilson jedoch klar, dass er wieder bärisch gestimmt sein wird, sollte der Markt erneut nachhaltig fallen und der S&P 500 die Marke von 3.650 Punkten nach unten durchbrechen.
Der S&P 500 hat nach einem Einbruch von über 20 % in diesem Jahr die Unterstützung bei seinem gleitenden 200-Wochen-Durchschnitt von etwa 3.600 Punkten getestet, was zu einer technischen Erholung führen könnte. Der S&P 500 hat sich seit dem 12. Oktober, als er auf dem niedrigsten Stand seit November 2020 schloss, um fast 6 % erholt.
Doch nur eine Bärenmarkt-Rallye?
Anfang dieser Woche bekräftigte Wilson, dass die US-Aktien steigen könnten, sobald sich die Anleger auf die Erwartungen einer sinkenden Inflation und niedrigeren Zinsen einstellen. So schrieb der Analyst in einer Notiz an seine Kunden, dass der S&P 500 in einer Bärenmarkt-Rallye bis auf 4.150 Punkte steigen könnte. Zu diesem Zeitpunkt entsprach dies dem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt.
Dennoch rechnet er in der 2. Hälfte des Jahres 2023 mit weiteren Schmerzen für Aktien und sieht die Talsohle für den breiten Aktienindex bei 3.000 bis 3.200 Punkten. Wilson sieht sich selbst pessimistischer als die meisten anderen Analysten, was die Aussichten für das nächste Jahr angeht.
Die Meinung anderer Analysten
Nicht alle Analysten sind zuversichtlich, dass die US-Aktien bald die Talsohle erreichen werden. So erklärten die Strategen von Goldman Sachs in einer Mitteilung an ihre Kunden, dass die Bedingungen dafür noch nicht erkennbar seien. Der Aktienmarkt würde den jüngsten Anstieg der Realrenditen und die Wahrscheinlichkeit einer Rezession nicht vollständig widerspiegeln.
Selbst Marko Kolanovic von JP Morgan, einer der größten Bullen an der Wall Street, sieht den Aktienmarkt nicht mehr so positiv. Am Montag sagte der Analyst, dass er in diesem Jahr der größte Optimist an der Wall Street war, und dass die US-Aktien bis zum Jahresende zulegen könnten, er jedoch für 2023 ein schwieriges Umfeld für Gewinne erwartet.
So reduzierte Kolanovic seine Übergewichtung von Aktien und verwies dabei auf die zunehmenden Risiken durch die Politik der Zentralbanken und die geopolitische Lage. Anfang diesen Monats sagte er, dass solche Risiken sein Jahresendziel von 4.800 Punkten in Gefahr bringen könnten.
Technische Einordnung

Kurzfristig konnte die 200-Wochen-Linie verteidigt werden. Solange der Leitindex über dem Gleitdurchschnitt und somit der Zone von 3.660 handelt, sollte Hoffnung auf ein Boden bestehen.
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