AirBnB als Ziel von Shortseller Edwin Dorsey – das steckt dahinter
AirBnB (Ticker:ABNB) verlor am gestrigen Handelstag überraschend fast 5 %, nachdem das Unternehmen Ziel einer Short-Attacke wurde. Der Shortseller Edwin Dorsey veröffentlichte auf seiner Plattform The Bear Cave einen Short-Report zum Online-Buchungsportal. Dorsey sieht AirBnB mit wachsenden Problemen konfrontiert, vor allem aufgrund zahlreicher Skandale und professionell verwalteter Immobilien, die dem Unternehmen direkt Konkurrenz machen wollen.
Der Short-Report auf The Bear Cave
The Bear Cave argumentiert in dem Short-Report vom Donnerstag, dass AirBnB zunehmend mit dem Wettbewerb durch seine eigenen “professionellen Top-Hosts” konfrontiert sei. Diese sollen vermehrt ihre eigenen Buchungsplattformen aufbauen und bessere Preise als AirBnB anbieten. Außerdem bauen sich die Gastgeber offenbar mehr und mehr ihre eigenen E-Mail-Listen und Verteiler auf, über welche Treuerabatte für Buchungen außerhalb von AirBnB angeboten werden soll.
Kurz zusammengefasst, die Zukunft von Airbnb wird ganz anders aussehen als die Vergangenheit, da das Unternehmen nun gegen seine besten und größten Gastgeber antreten muss.
Quelle: Problems at Airbnb (ABNB), Edwin Dorsey, www.thebearcave.substack.com (letzter Zugriff am 06.04.2023)
Edwin Dorsey verweist zunächst auf einige Twitter-Posts, wodurch er untermalen möchte, dass die Stimmung der Gäste gegenüber AirBnB zunehmend schlechter wird.

Horrorgeschichten über AirBnB
In seiner Argumentation versucht der Shortseller Dorsey zunächst zu begründen, weshalb die Gäste vermehrt von individuell verwalteten AirBnB Abstand nehmen und professionell verwaltete Unterkünfte an Zuspruch gewinnen. Der Autor verweist auf mehrere Horrorgeschichten, die Gästen in individuell verwalteten Unterkünften widerfahren sein sollen.
Die Geschichten reichen von überraschenden Reinigungsauflagen und -kosten über Stornierungen in letzter Sekunde bis hin zu zahlreichen Fällen, in denen Gäste versteckte Kameras in Schlaf- und Badezimmern vorgefunden haben. Eine Frau soll sogar von AirBnB eine Entschädigung in Höhe von 7 Millionen USD erhalten haben, nachdem Sie Opfer einer Vergewaltigung wurde. Ein Gast, der zuvor in der Wohnung übernachtete, soll Kopien des Wohnungsschlüssels gemacht haben und dann in die Wohnung eingedrungen sein.
Die Horrorgeschichten gipfeln in Berichten über den Tod von drei Freunden durch eine Kohlenmonoxidvergiftung in einem AirBnB ohne Kohlenmonoxid-Detektoren. AirBnB soll sich außerdem aktuell mit einer Anklage wegen des Todes eines 19 Monate alten Kindes konfrontiert sehen. Das Kind soll an einer versehentlichen Überdosis Fentanyl in einem AirBnB gestorben sein, das zuvor als Partyhaus genutzt wurde.
Umstieg auf professionelle AirBnB-Hosts
Laut dem Short-Report von The Bear Cave haben professionelle Immobilienverwalter gegenüber individuellen Gastgebern erhebliche Vorteile. Zum Beispiel haben professionelle Gastgeber oft bessere Suchergebnisse mit dem Status eines “Superhosts”, weil sie viele Erfahrungen gesammelt haben. Professionelle Fotos und Texte verhelfen zu einer höheren Conversion-Rate und die Gesamtkosten, z. B. Reinigung/Wartung, sind aufgrund der Größe oft niedriger. Außerdem sei die Kommunikation häufig schneller und der Check-in-Prozess professioneller.
Shortseller Dorsey zitiert dann einen Blogbeitrag von AirDNA, einem Unternehmen für Ferienvermietungsdaten, vom April 2022. In dem Blogbeitrag heißt es: “Professionelle Hausverwalter machen 1 % aller Ferienvermieter aus, verwalten aber 23 % der verfügbaren Angebote, die 35 % der Gesamteinnahmen generieren.” Die Daten von AirDNA zeigen offenbar auch, dass die professionellen Gastgeber ihren Marktanteil im Laufe der Zeit erhöht haben.

Zuletzt zeigt Dorsey noch am Beispiel von Stay Heirloom, wie die beschriebenen Parallel-Plattformen AirBnB preislich ausstechen. Stay Heirloom verwaltet offenbar eigene Immobilien und Immobilien im Auftrag Dritter und verfügt heute über “mehr als 300 Angebote in erstklassigen Städten im ganzen Land”. Stay Heirloom bietet zum Beispiel “ruhige Südstaaten-Stadthäuser” in Nashville mit acht Schlafzimmern und einem Grill und Whirlpool auf dem Dach. Auf AirBnB sind diese Stadthäuser für 2.267 USD gelistet. Stay Heirloom bietet auch die Möglichkeit, ohne den Umweg über Airbnb direkt auf der eigenen Website zu buchen. Dort kostet die Unterkunft mit 2.141 USD etwa 125 USD weniger.

Tradingszenario zu AirBnB
Seit Jahresanfang erholte sich der Kurs von AirBnB um fast 70 % und stieg zwischenzeitlich vom Verlaufstief bei rund 82,5 USD bis Mitte Februar auf etwa 139,5 USD an (Schlusskurs). Seit Mitte Februar hat die Aktie wieder massiv an Boden verloren. Nach einem Rücksetzer auf ca. 113,6 USD reichte zuletzt die 50-Tage-Linie als Unterstützung, an welcher der Kurs wieder nach oben lief, aber zweimal am Widerstandsbereich bei 125 USD abgewiesen wurde. Durch die Lower Highs wurde der Aufwärtstrend seit Jahresanfang zunächst auf neutral gestellt.
In der vergangenen Handelswoche rutschte der Kurs nach unten ab und zeigte keinerlei Reaktion auf die 50-Tage-Linie oder die Aufwärtstrendlinie vom Verlaufstief. Mit dem Unterschreiten der Marke von 113,6 USD hat sich ein neues Lower Low gebildet, womit die Aktie kurzfristig im Abwärtstrend zu sehen ist. Am letzten Handelstag der Woche kam der Kurs auf dem Unterstützungsbereich bei 108-110 USD zum Stehen, wo auch die 200-Tage-Linie stützt. Ansteigende Handelsvolumen sprechen eher dafür, dass der Druck anhalten könnte. Die nächste Unterstützung ist im Bereich um 100 USD zu verorten.

Fazit: Eher geringe Auswirkungen der Short-Attacke auf AirBnB
Das Management von AirBnB hat sich bisher noch nicht zum Bericht von Edwin Dorsey auf The Bear Cave geäußert. Ob das überhaupt passieren wird, bleibt fraglich. Der Shortseller-Bericht wurde zwar auf einigen größeren Finanzportalen erwähnt, allerdings scheint der Autor Edwin Dorsey nicht unbedingt zum Kreis der prominenten Shortseller zu gehören. Dementsprechend bleibt abzuwarten, welches Gehör dieser Report noch bekommt. Darüber hinaus ist der Bericht inhaltlich möglicherweise richtig, allerdings hinterlassen die Thesen keinen besonders starken Eindruck. So scheint die Ableitung eines allgemeinen Stimmungsbildes zu AirBnB anhand Twitter-Posts relativ weit hergeholt. Auch das aus Dorseys Sicht schwerwiegende Argument der gewollten Umgehung von AirBnB trifft wahrscheinlich auf jedes andere Plattformgeschäft zu. Operativ hat AirBnB in den letzten Quartalen jedenfalls überzeugende Zahlen geliefert. Am 2. Mai 2023 werden die nächsten Quartalszahlen des Unternehmens veröffentlicht. Möglicherweise wird das Management dort auf die Vorwürfe eingehen.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Der Autor ist im besprochenen Wertpapier bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.