Roboter bauen Roboter: XPeng lässt Humanoid IRON vom Band laufen
Am 8. September 2026 hat XPeng in Guangzhou die Produktionslinien für seine humanoiden Roboter offiziell in Betrieb genommen. Das Besondere an dem Vorgang zeigte sich am Ende der Fertigung: Der XPENG IRON lief nicht per Kran oder Gabelstabler von der Linie, sondern selbst. Für den chinesischen E-Auto-Hersteller ist das mehr als ein Showcase. Robotik soll die zweite Wachstumskurve des Unternehmens werden, nach dem Autogeschäft und neben der Globalisierung als dritter Säule.
Eine Fabrik, in der Roboter Roboter bauen
XPeng bezeichnet die neuen Linien als weltweit erste automatisierte Produktionslinien für fortgeschrittene humanoide Roboter. In den Kernprozessen liegt der Automatisierungsgrad bei über 80 Prozent. Möglich wird das, weil XPeng seine Qualitäts- und Fertigungssysteme aus der Serienproduktion seiner Elektroautos auf die Robotik überträgt – also genau jene Automotive-Grade-Prozesse, die das Unternehmen über Jahre für Smart Electric Vehicles aufgebaut hat.
Der Unterschied zu herkömmlichen Autofabriken fällt dabei weniger im Detail als im Prinzip auf. Medienberichte fassen es in einer Kurzformel zusammen, die XPengs Ansatz gut trifft:
Eine Fabrik, in der Roboter Roboter bauen.
Business Today, September 2026
Hinter der Formel steckt ein handfestes Problem der Branche: Bislang werden humanoide Roboter meist in kleinen Stückzahlen von Hand montiert. Vom Prototyp zur automatisierten Linie zu kommen, ist die Voraussetzung, um überhaupt lieferbare Mengen zu erreichen. Genau diesen Schritt hat XPeng nach eigenen Angaben jetzt vollzogen, wie Business Today berichtet.

Was im IRON steckt: 76 Freiheitsgrade, drei Turing-Chips
Der Roboter selbst ist technisch ambitioniert aufgestellt. Der IRON verfügt über 76 Freiheitsgrade im Körper, davon 21 in jeder Hand. Die Zahl der Freiheitsgrade bestimmt, wie viele voneinander unabhängige Bewegungen ein Roboter ausführen kann – je mehr es sind, desto feiner fallen Greif- und Bewegungsaufgaben aus. 21 Freiheitsgrade pro Hand reichen heran an die Beweglichkeit einer menschlichen Hand und sind Voraussetzung dafür, dass IRON nicht nur demonstrieren, sondern tatsächlich arbeiten kann.
Die Rechenarchitektur ist der zweite wichtige Baustein. Drei Turing-AI-Chips liefern dem Roboter bis zu 2.250 TOPS effektive Rechenleistung. Damit kann XPengs Physical-AI-Foundation-Model direkt auf dem Roboter laufen. Die Aufgaben werden also on-board verarbeitet, ohne dass der Roboter für jeden Schritt auf eine Cloud oder eine Fernsteuerung angewiesen ist und ohne dass sensible Daten das Gerät verlassen müssen.
Zeitplan: Massenproduktion 2026, Kunden 2027
Der Fahrplan ist eng getaktet. Bis Ende 2026 will XPeng den IRON in die Massenproduktion bringen. Zuerst kommen die Roboter in eigenen Stores und auf Campus-Standorten zum Einsatz, also in Umgebungen, die das Unternehmen selbst kontrolliert und in denen es Erfahrungen aus dem realen Betrieb sammeln kann. Die offizielle Markteinführung mit Auslieferung in China und in Auslandsmärkten ist für 2027 geplant.
Branchenmedien wie Electrek lesen den Zeitplan als klare Positionierung im weltweiten Rennen um humanoide Roboter, bei dem unter anderem Teslas Optimus als Vergleichspunkt dient. XPeng selbst geht in seiner Darstellung noch weiter: Das Management sieht IRON langfristig als Alltagsbegleiter für Verbraucher, der sich durch Self-Reinforcement im realen Einsatz kontinuierlich verbessern und damit neue Konsum- und Dienstleistungsmodelle eröffnen soll.
Über 900 Millionen Dollar für die Robotik-Sparte
Dass es bei XPeng nicht nur um Technik-Demos geht, zeigte sich schon gut zwei Wochen vor der Fabrik-Eröffnung. Am 24. August 2026 schloss die Robotiksparte Anteilskaufverträge mit mehreren Investoren ab und nahm dabei mehr als 900 Millionen US-Dollar auf. Die Post-Money-Bewertung liegt bei über 6,3 Milliarden US-Dollar. XPeng nennt die Runde die größte private Finanzierungsrunde in Chinas Embodied-AI-Industrie.
Die Investorenliste ist dabei bemerkenswert. Laut Yahoo Finance beteiligten sich unter anderem IDG Capital und Gaorong Ventures, strategisch stiegen außerdem Tencent und Alibaba ein. XPeng behält trotz der Kapitalaufnahme die Kontrolle über die Einheit. Die Robotik wird also als eigenständig finanzierter Teil des Konzerns aufgebaut, nicht als Kostenstelle.
Warum XPeng bei Robotern höhere Margen erwartet als bei Autos
Die wirtschaftliche Logik hinter dem Vorstoß ist einfach nachvollziehbar. Im Segment fortgeschrittener general-purpose-Humanoide erwartet XPeng hohe technische Eintrittsbarrieren und ein nur begrenztes Angebot an hochwertiger Kapazität. Beides zusammen spricht dafür, dass die Stückmarge bei IRON deutlich über der von New-Energy-Vehicles liegen könnte – so die Erwartung des Unternehmens.
Für ein Unternehmen, dessen Autogeschäft im harten Preiskampf der chinesischen E-Auto-Branche steht, wäre das ein relevanter Effekt. Marktbeobachter spekulieren deshalb, dass höhere Margen bei humanoiden Robotern im Erfolgsfall die Profitabilität der Gesamtgruppe deutlich steigern und den Robotikarm zu einem zentralen Treiber der XPeng-Bewertung machen könnten.
Die rund 900 Millionen Dollar der Finanzierungsrunde lassen sich vor diesem Hintergrund einordnen: Die Investoren zahlen nicht allein für die erste Fabrik in Guangzhou, sondern für die Möglichkeit, dass IRON ab 2027 Kunden außerhalb der eigenen Stores findet und die erwarteten Margen tatsächlich realisiert werden. Ob das gelingt, entscheidet sich nicht auf der Produktionslinie, sondern am Markt – und dort erst in gut einem Jahr.
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