Neue Kooperationen – dreht die Stimmung bei Biontech?
Der Mainzer Impfstoffhersteller Biontech vermeldete an diesem Dienstag eine neue Partnerschaft mit dem chinesischen Biotechunternehmen DualityBio. Im Rahmen dieser Kooperation erhält die Firma aus dem Reich der Mitte eine Zahlung in Höhe von 170 Millionen USD. Das von Ugur Sahin und Özlem Türeci gegründete Pharmaunternehmen Biontech erwirbt durch diesen Deal internationale Lizenzen für zwei Krebspräparate, welche sich noch im Entwicklungsstadium befinden.
Sollten diese Medikamente erfolgreich sein, werden Erfolgsprämien in Höhe von über 1,5 Milliarden EUR ausgeschüttet, heißt es in der Vereinbarung der beiden Unternehmen.
Erst vor wenigen Tagen hatte Biontech eine weitere Kooperation im Kampf gegen solide Tumore bekanntgegeben. Das Mainzer Unternehmen sicherte sich durch eine Vorauszahlung in Höhe von 200 Millionen USD weltweite Exklusivlizenzen für ein gegen solide Tumore wirksames Antikörper-Präparat, das vom amerikanischen Unternehmen OncoC4 erforscht und entwickelt wurde. Die Amerikaner erhalten hierfür neben der genannten Vorauszahlung weitere Meilensteinzahlungen sowie zusätzliche Lizenzgebühren. Studien der Phase 3 sollen noch in diesem Jahr beginnen.
Um welche Präparate geht es?
Die Rechte, welche sich Biontech hier gesichert hat, beziehen sich auf sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Kurz zusammengefasst ist das Ziel dieser neuen Krebsmedikamente, gesunde Zeller nicht mehr zu schädigen, um so eine bessere Verträglichkeit im Vergleich zu den bisherigen Chemotherapien zu erzielen.
Zum Deal mit DualtyBio sagte Biontech-CEO Ugur Sahin:
In den vergangenen Jahren gab es signifikante Fortschritte bei Antikörper-
Wirkstoff-Konjugaten (ADCs), mit denen verschiedene Limitationen überwunden werden
konnten. Damit haben ADCs das Potenzial, als breit anwendbare Arzneimittelklasse
von Präzisionstherapeutika eingesetzt zu werden und so gegebenenfalls eine
Alternative zur herkömmlichen Chemotherapie zu bilden.Die Aufnahme dieser beiden ADCs in unser Portfolio stärkt unsere Immuntherapie-Pipeline und erweitert unsere Fähigkeiten in diesem Bereich. Unser Ziel ist es, Patientinnen und Patienten mit soliden Tumoren über das gesamte Behandlungsspektrum einen therapeutischen
Ugur Sahin, CEO von Biontech
Nutzen zu bieten.
Was sagen die Analysten?
Einige Analysten hatten zuletzt aufgrund der Zahlen zum vierten Quartal und zum Gesamtjahr 2022 ihre Kursziele für die Biontech-Aktie gesenkt. Zudem lagen die prognostizierten Umsätze mit dem Corona-Impfstoff unter den Erwartungen. Allgemein sind die Experten der jeweiligen Analystenhäuser jedoch der Meinung, dass insbesondere aufgrund der starken Pipeline von Biontech weitere Kursgewinne möglich sind.
Die Privatbank Berenberg hat ihr Kursziel zuletzt nach unten korrigiert, bleibt jedoch in ihrer Einstufung auf “buy” mit einem Kursziel von 260 USD (zuvor 300 USD). Das Analystenhaus sieht somit über 100 % Potenzial.
Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs senkte ihr Kursziel nach den Zahlen von 156 auf 140 USD. Hier wird die Aktie nur mit “neutral” eingestuft. Chris Shibutani – ein Analyst von Goldman – erkannte die guten Ergebnisse des vierten Quartals zwar an, verwies aber auf hohe zukünftige Investitionen und immer schlechtere Umsätze mit den Covid-Impfstoffen.
Auch die Analysten von Jefferies haben ihr Kursziel von 230 auf 145 USD gesenkt und die Aktie auf “hold” belassen. Hier ist man der Meinung, dass die Onkologie-Präparate in naher Zukunft keine Kurstreiber sein werden.
Das Analystenhaus Canaccord Genuity stuft Biontech hingegen weiterhin mit “buy” ein. Das Kursziel wurde von 191 auf 203 USD erhöht.
Zeit für den Turnaround!

Seit ihrem Allzeithoch bei über 450 USD hat die Aktie von Biontech massiv an Wert verloren. Im Bereich von 130 USD befindet sich eine starke Unterstützung, die in den letzten Monaten mehrfach halt bot. Mit dem aktuellen Newsflow im Rücken könnte es der Titel schaffen, zumindest bis in die nächste Widerstandszone bei etwa 150 USD zurückzukehren. Hier liegt auch die gleitende Durchschnittslinie – der SMA200. Sollten diese Widerstände überwunden werden, könnten die Zwischenhochs aus April und August 2022 sowie Januar 2023 in Angriff genommen werden.
Mit einem Stop unterhalb der Verlaufstiefs bei 117 USD besteht aktuell eine interessante Trading-Chance mit attraktivem Chance-Risiko-Verhältnis. Dieses Szenario könnte man auch mit dem K.O.-Zertifikat WKN: TT5C94 umsetzen. Erstes Ziel wäre der Widerstandsbereich bei 150 USD. Mittelfristig sind jedoch auch die alten Verlaufshochs bei 185 USD möglich.
Fazit
Nachdem Biontech während der Pandemie förmlich Geld gedruckt hat, lassen die Umsätze mit Comirnaty spürbar nach. Allerdings war das Unternehmen schon immer im Bereich Krebsforschung aktiv und scheint weiterhin eines der innovativsten Pharmaunternehmen in diesem Bereich zu sein. Mit die massiven finanziellen Mitteln, die man durch den Coronaimpfstoff anhäufen konnte, ist das Unternehmen aus Mainz nun gut positioniert, um im ursprünglichen Kernbereich weitere Erfolge zu erzielen.
Das Management hat schon vor Corona bewiesen, dass es zur richtigen Zeit den richtigen Riecher hatte. Ich denke, dass dem Unternehmen auch in der Krebsforschung noch einiges zuzutrauen ist. Natürlich kann es noch einige Zeit dauern, bis hier erste Umsätze realisiert werden und einige Projekte werden auf diesem Weg vermutlich noch scheitern.
Für mich bleiben jedoch Biontech und der amerikanische Konkurrent Moderna sehr aussichtsreiche Kandidaten für spekulative Positionen im Langfristdepot.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Der Autor ist im besprochenen Wertpapier (Biontech) bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert. Transparenzhinweis: Die im Artikel vorgestellten Derivate werden durch die Redaktion ausgesucht. Wir arbeiten aber mit ausgewählten Emittenten zusammen, die mit der Goldesel Trading & Investing GmbH in einer Geschäftsbeziehung stehen. Bitte beachten Sie: Der Handel mit Derivaten ist mit einem erheblichen Risiko verbunden und kann unter Umständen zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.