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Michael Flender in Marktüberblick

11.12.2022 15:37

Blogartikelbild Goldesel Premium Wochenrückblick + Ausblick KW50

Goldesel Premium Wochenrückblick + Ausblick KW50

Hallo liebe Trader,

als neuen Bestandteil von Goldesel Premium (und diesmal ausnahmsweise kostenlos für alle zum 3. Advent 🙂 )erhaltet ihr heute den zweiten Goldesel Wochenrückblick und -ausblick. Hiermit wollen wir euch bestmöglich über die aktuelle Lage an den Finanzmärkten informieren, die wichtigsten Themen am Markt kurz und übersichtlich einordnen und euch unsere Einschätzung sowie unseren Ausblick & Fahrplan zum Start der neuen Handelswoche mit auf den Weg geben.

1.) Marktübersicht & -einschätzung

In der vergangenen Handelswoche gab es relativ wenig konjunkturelle News und auch die Berichtssaison ist nahezu vorbei. Im Vorfeld des in der kommenden Woche stattfindenden Zinsentscheids der FED in den USA und der Verbraucherpreisdaten, gab es größtenteils Gewinnmitnahmen in den relevanten Indizes.

Wir haben auf Wochensicht im Dax rund – 1,1 %, im S&P 500 – 3,4 % und im Nasdaq – 3,6 % verloren.

1.1.) News / Konjunktur – Highlight: Erzeugerpreisindex USA
Die wohl wichtigste News aus der Woche waren die höher als erwartenden Erzeugerpreise in den USA, die am Freitag veröffentlicht wurden.

  • Erzeugerpreise November: + 0,3 % gegenüber dem Vormonat (Prognose: + 0,2 %)
  • Erzeugerpreise November: + 7,4 % gegenüber dem Vorjahr (Prognose: + 7,2 %)

Auch die sogenannte Kernrate, die die stark schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise ausschließt, fiel mit + 6,2 % über der Prognose von + 5,9 % aus. In Summe ist der Trend bei den Erzeugerpreise weiterhin abwärtsgerichtet, was positiv für die Inflationsentwicklung sein sollte, allerdings verläuft die Abschwächung nicht so schnell wie erwartet. Gepaart mit den zuletzt gemeldeten stark steigenden Lohnkosten (Stichwort: Lohn-Preis-Spirale), sollte somit der Druck auf die Notenbank weiter hoch bleiben, an den Zinserhöhungen festzuhalten. Kommende Woche sind wir erneut etwas schlauer, nachdem wir wissen, wie die Verbraucherpreise und der Zinsentscheid in den USA ausfallen.

FED Watch Tool – 50 Basispunkte Erhöhung weiter wahrscheinlich

1.2.) Markteinschätzung:

Wir hatten vergangene Woche darauf hingewiesen, dass wir aufgrund der Chartsituation (z.B.: S&P500 am Widerstand der übergeordneten Abwärtstrendlinie & 200 Tages-Linie), den zuvor stark gestiegenen Kursen, der für einen Bärenmarkt relativ euphorischen Stimmung, den weiter steigenden Spreads der kurz- und langfristigen Anleiherenditen und auch Indikatoren wie dem Stand des Volatilitätsindex (VIX), eher zu Gewinnmitnahmen raten bzw. zu einem erneut höheren Niveau an Skepsis. Der Markt ist dem gefolgt und der S&P hat beispielsweise in der letzten Woche über 3 % verloren.

Kommende Woche stehen mit den Verbraucherpreisdaten und dem Zinsentscheid der FED zwei wichtige konjunkturelle Events an. Die Wahrscheinlichkeit im Dezember für eine Erhöhung der Zinsen um 50 Basispunkte ist zwar aufgrund der Erzeugerpreise um rund 5 % gesunken, aber sieht immer noch mit rund 78 % relativ wahrscheinlich aus.

Wichtiger werden vermutlich erneut die Aussagen über die zukünftigen Anpassungen. In Summe wird momentan an den Märkten eine Erhöhung bis in den Rahmen von in etwa 5 % eingepreist. Das bedeutet, wir befinden uns eher am theoretischen Ende der starken Zinserhöhungen und der Markt könnte hier, je nach Entwicklung der Verbraucherpreisdaten eventuell ab 2023 andere Themen vermehrt in den Vordergrund rücken.

Die Rezessionsängste rücken die vergangenen Tage zudem wieder in den Fokus. Eventuell werden positive Wirtschaftsdaten dann zukünftig auch erneut positiv von den Märkten aufgenommen. Das wäre ein durchaus konstruktiver Weg.

Der Markt wirkt erneut ziemlich nervös und noch nicht bereit für die nächste, größere Aufwärtsbewegung. Ein Indiz hierfür ist auch das Verhalten der potentiellen Leader-Aktien, die zum großen Teil zuletzt an wichtigen Ausbruchsniveaus standen, aber größtenteils im Anschluss erneut stark abverkauft wurden. Für uns Trader bedeutet so ein Verhalten, dass wir uns weiter eher in kleineren Zeitfenster bewegen sollten und auch Gewinne eher absichern und Verluste eher begrenzen sollten. Beispiele für dieses Verhalten waren in den USA beispielsweise Enphase oder auch Aehr Systems.

Vergleich der Indizes Seit Januar 2022

Der folgende Chart zeigt eine Übersicht über die relative Entwicklung der wichtigsten Indizes seit Jahresanfang. Auffällig ist hier die weiter anhaltende Stärke im Hang Seng und CSI300 aufgrund der zunehmenden Meldungen von Lockerungen der strengen COVID-19 Maßnahmen.

2.) Chartsituation

Aufgrund der weiterhin hohen Anzahl an Einfluss- und Belastungsfaktoren (Krieg, Inflation, Rezession, ..), hilft es, sich die aktuelle Situation in den relevanten Indizes genauer anzusehen, um eine möglichst emotionslose Einschätzung zu treffen. Es ist wichtig, die übergeordnete Richtung der Indizes immer im Blick zu behalten und wichtige Zonen helfen hier, um auch die Investitionsquote für Einzelinvestments aus den einzelnen Indizes einzuordnen und für sich selbst zu bestimmen.

DAX -charttechnische Einordnung

DAX:

Nachdem Anfang November der Abwärtstrend und auch die 200 Tages-Linie nach oben verlassen wurden, zeigt sich der Deutsche Leitindex weiterhin relativ stark und robust. Meldungen zu Lockerungen in China helfen vielen Aktien aus dem DAX aufgrund des hohen China-Exposures ebenfalls. **Die 14.600 Punkte bleiben jedoch eine ziemlich harte Nuss und zudem wurde vergangene Woche die 20 Tages-Linie nach unten verlassen. Ein positives Signal bahnt sich durch das Kreuzen der 50 Tages-Linie mit der 200 Tages-Linie an (Golden Cross). **

Wo sind die nächsten Unterstützungszonen?

  • 14.149 Punkte
  • 13.930 Punkte (ebenfalls 50 Wochen-Linie)
  • 13.540 Punkte / 200 Tages-Linie / 50 Tages-Linie
  • 13.380 Punkte
  • 13.000 Punkte

Wo ist die nächste Widerstandszone?

  • Rund 14.600 Punkte (ist ebenfalls das 61,8er Retracement der Abwärtsbewegung seit Jan. 2022)
  • 14.800 Punkte
  • 15.000 Punkte

NASDAQ:

Nasdaq – charttechnische Einordnung

Weiterhin relativ schwache Performance im Vergleich zu anderen Indizes (Dow Jones, S&P, ..). Kämpft zurzeit mit der 200 Wochen-Linie, die vergangene Woche erneut als Support gedient hat.

Wo sind die nächsten Unterstützungszonen?

  • 11.400 Punkte / 200 Wochen-Linie / 50 Tages-Linie
  • 11.000 Punkte
  • 10.700 Punkte
  • 10.434 Punkte

Wo ist die nächste Widerstandszone?

  • 11.700 Punkte
  • rund 12.000 – 12.200 Punkte
  • 200 Tages-Linie
  • 13.000 Punkte

S&P500:

S&P 500 – charttechnische Einordnung

Der weltweite Leitindex hat erneut an der Schlüsselzone, die durch die 200 Tages-Linie und die übergeordnete Abwärtstrendlinie definiert wird, nach unten gedreht.

Wo sind die nächsten Unterstützungszonen?

  • 3.900 Punkte
  • 50 Tages-Linie
  • 3.700 Punkte

Wo ist die nächste Widerstandszone?

  • 4.000 Punkte
  • 200 Tages-Linie
  • 4.100 Punkte / Abwärtstrendlinie
  • 4.170 Punkte
  • 4.300 Punkte

3.) Marktstimmung / Sentiment

Sentiment Indikator

Zur Bestimmung der allgemeinen Stimmung am Markt bzw. dem Sentiment haben wir einen eigenen Indikator entwickelt, der analog zu dem bekannten Fear & Greed Index die Stimmung am Markt einordnen soll. Wir analysieren jede Woche für dich eine Vielzahl an Indikatoren und das Resultat ist die folgende Übersicht.

Das Sentiment am Markt kann oftmals bei einer Übertreibung nach unten (Panik) oder nach oben (Euphorie) als Kontraindikator verwendet werden.

Vergangene Woche haben wir auf die für einen Bärenmarkt fast euphorische Stimmung hingewiesen und auch, dass wir uns im Verlauf an den aus diesem Bärenmarkt hervorgehenden Stimmungshoch befanden. Dieser Kontraindikator hat erneut gut funktioniert. Nach den jüngsten Gewinnmitnahmen sind wir nun erneut eher im neutralen Bereich unterwegs.

Goldesel Indikator

Wir haben zur weiteren Unterstützung einen neuen Chart zur Einordnung der Marktstimmung bzw. des Sentiments für dich ergänzt. Im folgenden Diagramm findest du einen Verlauf unseres Goldesel-Indikators zur besseren Einordnung der Stimmung am Markt. Je mehr Daten wir sammeln, umso besser kann uns dieser Verlauf unterstützen.

Wichtig sind weiterhin die äußeren Punkte, die als Kontraindikator verwendet werden können (Bereich 65 – 70 als möglicher Umkehrpunkt einer Aufwärtsbewegung und der Bereich < 10 als möglicher Umkehrpunkt einer Abwärtsbewegung).

4.) Fahrplan / Ausblick

Kommende Woche stehen die am Dienstag anstehende Veröffentlichung der Verbraucherpreisindizes in Deutschland & den USA sowie der Zinsentscheid der FED (Mittwoch) und der EZB (Donnerstag) im klaren Fokus. Die Erhöhung seitens der FED um 50 Basispunkte scheint ausgemacht zu sein, aber die Marktreaktion vorherzusagen bleibt äußerst schwierig. Eins ist klar und zwar, dass erneut mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen ist. Dies gilt es auch in seinem Tradingdepot zu berücksichtigen. Ein wenig Risiko aus dem Depot zu nehmen und die Cashquote zu erhöhen ist vermutlich ein probates Mittel im Vorfeld der Termine.

Im Anschluss an die FED-Sitzung und die Verbraucherpreise rückt dann gegen Ende des Jahres auch erneut das sogenannte “Window-Dressing” in den Vordergrund für viele Fondsmanager. Was steckt dahinter?
Üblicherweise versuchen viele Fonds ihre “Schaufenster” kurz vor dem Jahresabschluss aufzuhübschen. Zum einen ist es oftmals zu beobachten, dass in diesem Jahr bereits gut gelaufenen Aktien, gerade gegen Jahresende, noch einmal einen Schub nach oben erhalten. Viele Fondsmanager decken sich mit diesen Titeln ein, um sich nach außen mit diesen Aktien zu profilieren, obwohl viele von der gesamten Aktienperformance gar nichts mitgenommen haben. Zum anderen werden viele Fonds diese Aktien auch nicht vor dem Jahresende mehr verkaufen, um ebenfalls sagen zu können, in den besten Aktien in 2022 dabei gewesen zu sein. Darüber hinaus werden viele schlechte Performer gegen Jahresende noch aus dem Depot von vielen Fondsmanager verkauft. Dieses Phänomen sollten wir Trader nicht übergewichten, aber definitiv im Kopf behalten für die letzten Wochen im Jahr und Trendfolge-Trading (bezogen auf die Performance von Einzelaktien in 2022) steht im Fokus zum Jahresende, um hiervon ggf. zu profitieren.

Antizyklisch kann man das Phänomen “Window-Dressing” ebenfalls verwenden. Ganz konkret habe ich hier beispielsweise den bestgelaufenen Sektor in den USA (Traditionelle Energie / Öl) im Blick. Ich könnte mir vorstellen, dass durch den oben beschriebenen Effekt, einzelne Öl-Aktien aus den USA noch einmal kurz nach oben laufen zum Jahresende hin. Genau diesen Moment könnte man eventuell für einen Short-Einstieg über den Jahreswechsel nutzen in einzelnen Öl-Aktien, insofern der Ölpreis auch weiter in Richtung Süden läuft.

Rein charttechnisch bleibt es im weltweiten Leitindex S&P500 spannend, ob wir die 200 Tages-Linie zurückerobern können oder nach der FED-Sitzung ggf. die 3.900 Punkte unterschreiten und in Richtung 50 Tages-Linie laufen.

4.1.) Termine:

  • Dienstag: Verbraucherpreisindex Deutschland (Nov)
  • Dienstag: ZEW – Konjunkturerwartungen Deutschland (Dez)
  • Dienstag: Verbraucherpreisindex – USA (Nov)
  • Mittwoch: Zinsentscheidung der Fed
  • Donnerstag: Zinsentscheidung der EZB
  • Donnerstag: Erstanträge Arbeitslosenhilfe USA
  • Donnerstag: Philly Fed Herstellungsindex USA (Dez)
  • Freitag: Einkaufsmanagerindex (EMI) Verarbeitendes Gewerbe Deutschland (Dez)
  • Freitag: Verbraucherpreisindex (VPI) EU (Nov)

4.2.) Earnings

Earnings in der kommenden Woche unter anderem melden Adobe und Oracle


Nächste Woche stehen unter anderem die Zahlen einiger Cloud-Unternehmen wie Oracle & Adobe auf der Agenda. Aus dem Halbleitersektor ist Photronics noch interessant und für den IT-Dienstleistungssektor liefert Accenture als Branchenprimus am Freitag Zahlen. Diese könnten auch für die deutschen IT-Dienstleister relevant sein.

Solltet ihr Fragen oder Anregungen zu dem neuen Wochenausblick haben, schreibt uns gerne eine E-Mail oder in Discord.

Wir wünschen euch noch einen schönen Sonntag, tollen 3. Advent und wie gewohnt: Good Trades!

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