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Lars Weigand in Börsennews

16.06.2023 12:50

Blogartikelbild Formwechsel bei dieser Green-Energy-Aktie?

Formwechsel bei dieser Green-Energy-Aktie?

Insbesondere der Bereich der erneuerbaren Energien ist bereits seit Monaten in aller Munde. Zuletzt haben die Aktien aus dem Sektor jedoch etwas korrigiert, nachdem sich die Energiekrise aufgrund des Ukraine-Kriegs wieder etwas gelegt haben und die Preise für Energie zurückgegangen sind.

Vor einigen Wochen hatte bereits ein deutscher Player aus diesem Bereich für Aufsehen gesorgt. Die Encavis AG gab bekannt, man werde der Hauptversammlung vorschlagen, in diesem Jahr keine Dividende zu zahlen. Das Unternehmen möchte die vorhandene Liquidität vollständig für das zukünftige Wachstum nutzen und hält diesen Schritt daher für angemessen – auch im Sinne der Aktionäre, wie Vorstandssprecher Christoph Husmann erklärte. Der Kurs der Encavis-Aktie war daraufhin zweistellig eingebrochen.

Aktienverlinkung: DE0005760029

Letzte Woche hatte nun auch ein weiteres deutsches Unternehmen aus diesem Sektor eine Ad-hoc-Meldung veröffentlicht, die für eine heftige Kursbewegung gesorgt hatte. Die familiengeführte ABO Wind AG hatte bekanntgegeben, dass man sich intensiv mit einem Wechsel der Gesellschaftsform von einer AG hin zu einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) beschäftige. Der Kurs der ABO Wind-Aktie war nach der Meldung zeitweise um über 15 % gefallen. Worum geht es hier genau und was sollte ich als Aktionär jetzt beachten?

Der Chart der ABO Wind AG – Quelle: stock3.com

AG oder KGaA

ABO Wind ist seit der Gründung in Familienbesitz der beiden Gründerfamilien Bockholt und Ahn. Der Wechsel von einer GmbH in eine AG fand im Jahr 2001 statt. Nun soll die Gesellschaftsform erneut gewandelt werden. Die Gründer müssen sich allerdings nun den Vorwurf gefallen lassen, man würde seinen Einfluss und seine Gesellschaftsanteile auf Kosten der Aktionäre nicht abgeben wollen.

Wo ist denn nun genau der Unterschied der beiden Gesellschaftsformen? Wir wollen hier nicht zu tief einsteigen, aber der entscheidende Unterschied ist die Tatsache, dass es bei einer KGaA einen sogenannten Komplementär gibt, der die Geschäfte des Unternehmens führt. Wer die Mehrheit der Aktien hält, ist in dieser Gesellschaftsform für die Entscheidungsprozesse unrelevant – egal wie gering der Aktienanteil des Komplementärs am Unternehmen ist bzw. wird. Der Komplementär haftet für die Gesellschaft allerdings persönlich, besitzt im Gegenzug aber auch die Entscheidungsgewalt, welche bei der AG hingegen bei der Hauptversammlung liegt.

Die Hauptversammlung hat bei der KGaA also weniger Mitspracherecht als bei der AG, aber sie ist weiterhin wichtig, sie billigt beispielsweise die Jahresabschlüsse.

Dr. Jochen Ahn – Gründer, Vorstandsmitglied und Mehrheitsaktionär

Die Hauptversammlung ist zwar weiterhin wichtig, verliert aber deutlich an Einfluss auf die Entscheidungsprozesse im Unternehmen. Wie ABO Wind nun verkündete, will man in Zukunft weitere Kapitalerhöhungen durchführen, um auf dem aktuellen Wachstumspfad zu bleiben bzw. um das Wachstum weiter auszubauen. Damit die Gründer in der aktuellen Gesellschaftsform die Mehrheit der Stimmanteile behalten könnten, dürfte das Unternehmen allerdings nur noch maximal 300.000 Aktien ausgegeben. Weitere Kapitalerhöhungen sind also nur bei einem Formwechsel zu einer KGaA möglich, ohne dass die Gründer ihre Entscheidungsgewalt verlieren.

Unternehmenspräsentation zur Formwandlung

Am 13. Juni gab es nun eine Unternehmenspräsentation zur geplanten Formwandlung, auf der Aktionäre und Medienvertreter dem Unternehmen und dem anwesenden Gründer Dr. Jochen Ahn Fragen stellen konnten.

Unsere persönlichen Interessen als Gründer und Mehrheitsaktionär sind zweitranging (…)

Dr. Jochen Ahn – Gründer, Vorstandsmitglied und Mehrheitsaktionär

Das Goldesel Team war für euch bei der Präsentation dabei. Hier nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse:

Durch Dr. Jochen Ahn wurde hervorgehoben, dass die ABO Wind AG die Wachstumspotenziale der nächsten Jahre nutzen möchte. Bis zum Jahr 2027 erwartet ABO Wind im “Best-Case-Szenario” einen Jahresüberschuss von 50 Millionen EUR. Gleichzeitig möchte der Vorstand allerdings auch die bisherige Struktur und das Unternehmensphilosophie eines familiengeführten Unternehmens beibehalten. Dies kann jedoch nur gewährleistet werden, wenn die Gründerfamilien ihre Stimmrechtsanteile bewahren können. Und dieser Spagat zwischen einem familiengeführten Unternehmen bei gleichzeitiger Nutzung der maximalen kapitalmarktbedingten Möglichkeiten kann nur durch eine KGaA genutzt werden.

Wo ist nun der Hacken? Auf die Aktionäre wurde nur wenig eingegangen und dies vermutlich nicht ohne Grund. Hier äußerte sich das Unternehmen dahingehend, dass man als Aktionär weiterhin von der guten operativen Entwicklung der ABO Wind profitieren könne. Allerdings teilte das Management des Unternehmens mit, in den nächsten Jahren sei mit jährlichen Verwässerungen in Höhe von 2-3 % pro Jahr zu rechnen. Im Gegenzug verliert man an Mitspracherecht – kann wie vom Vorstand dargestellt aber noch den Jahresabschlüsse billigen – und gegebenenfalls an der Performance der Aktie weiter partizipieren.

Darüber hinaus präsentierte Dr. Jochen Ahn eine Liste an Unternehmen, die ebenfalls als KGaA gelistet sind (u.a. Fresenius und Merck). Ob dies einen Formwechsel nun rechtfertigt, bleibt fraglich. Die Antworten auf die zuvor ans Unternehmen übermittelten Fragen wurden ebenso wie die einleitende Erklärung abgelesen.

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Fazit

Als Aktionär sollte ich mir die Fragen stellen, ob die bereits angekündigten Verwässerungen in den nächsten Jahren durch die in Aussicht gestellten Wachstumspläne ausgeglichen werden können beziehungsweise, ob das Unternehmen trotzdem in der Lage sein wird, für mich als Aktionär eine Outperformance zu erzielen.

Die Tatsache, dass die Gründerfamilien nach wie vor Mehrheitseigentümer sind, ist bei den genannten Nachteilen natürlich auch ein Vorteil, da davon auszugehen ist, dass die Gründer weiterhin ein Eigeninteresse an steigenden Aktienkursen haben und sie ihr Unternehmen weiter voranbringen wollen.

Verständlicherweise wollen die Gründer die Entscheidungsgewalt über ihr Unternehmen nicht einfach abgeben. Sie haben es schließlich über Jahre mühsam aufgebaut und sind zurecht stolz auf ihren Erfolg. Weitere Kapitalerhöhungen aber nur auf dem Rücken der Aktionäre und Kleinaktionäre durchzuführen, ist aber wohl auch nicht der glücklichste Weg – zumindest für den Großteil der Aktionäre. Die Kursreaktion nach der Ad-hoc-Meldung spricht hier für sich. Nun muss jeder Aktionär entscheiden, ob er den Weg mit dem zukünftig vermutlich als ABO Wind KGaA genannten Unternehmen weitergehen möchte.

Unabhängig davon zeigt dieser Schritt einmal mehr, welches Potenzial aktuell im Markt für erneuerbare Energien zu stecken scheint. Nach Encavis hat mit ABO Wind nun das nächste Unternehmen weitere Schritte eingeleitet, um massiv Kapital investieren zu können. Das Wachstum der Branche scheint weiter ungebrochen zu sein.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert: Encavis AG

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