0 Euro Depotgebühr: flatex startet Angriff aufs Vorsorgedepot
flatexDEGIRO hat sein Angebot für das geförderte Altersvorsorgedepot vorgestellt: Core, Plus und Flex. Im günstigsten Modell fallen keine Depotgebühren…
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Das Wichtigste in Kürze
- Drei Depot-Modelle: flatexDEGIRO bietet das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 in den Varianten Core, Plus und Flex an.
- Core ohne Depotgebühr: Im Core-Modell fallen 0 Euro Depotgebühr und Orderprovision an, die TER ist ab dem sechsten Jahr auf 0,07 Prozent pro Jahr gedeckelt.
- Bis zu 540 Euro Zulage: Die Förderung sieht bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr vor, dazu 300 Euro pro Kind und 200 Euro Berufseinsteiger-Bonus.
flatexDEGIRO stellt sein Vorsorgedepot vor – ein Jahr vor dem Start
Noch bevor die staatliche Förderung privater Altersvorsorge überhaupt läuft, macht flatexDEGIRO den ersten großen Vorstoß: Am 24. September 2026 hat der Onlinebroker sein Angebot für das kommende Altersvorsorgedepot vorgestellt. Auf flatex.de sind drei Varianten beschrieben, die ab dem geplanten Förderstart am 1. Januar 2027 verfügbar sein sollen: das Standarddepot Core, das Standarddepot Plus und das Altersvorsorgedepot Flex.
Mit diesem Schritt positioniert sich flatexDEGIRO ungewöhnlich früh in einem Markt, der erst durch die Reform der privaten Altersvorsorge entsteht. Die rechtliche Grundlage ist der Regierungsentwurf zum pAV-Reformgesetz vom 15. Dezember 2025, den der Bundestag am 27. März 2026 in geänderter Form weitergegeben hat. Wer heute als erster Bankkunde ein fertiges Produkt präsentiert, kann Sparer binden, bevor andere Anbieter ihre Depots auf den Markt bringen. Genau diese Rechnung scheint flatex mit dem Vorstellungszeitpunkt aufzugehen: Wer sich jetzt mit den Modellen vertraut macht, denkt beim Start der Förderung womöglich zuerst an flatex.
Die drei Varianten sprechen bewusst unterschiedliche Anlegertypen an. Core ist die schlichte Standardlösung für Sparer, die wenig Aufwand wollen. Plus liefert einen festen Mix aus mehreren Anlageklassen. Flex richtet sich an alle, die ihr Depot lieber selbst zusammenstellen. Diese Aufteilung ist kein Zufall, sondern deckt das gesamte Spektrum vom Erstkontakt bis zum erfahrenen Selbstentscheider ab.
Core-Modell: 0 Euro Depotgebühr und TER-Deckel ab Jahr sechs
Im Zentrum des Angebots steht das Standarddepot Core, und hier setzt flatexDEGIRO auf aggressive Konditionen. Im Core-Modell fallen 0 Euro Depotgebühr und 0 Euro Orderprovision für Sparpläne und Einmalanlagen an. Zusätzlich erstattet flatex die Produktkosten der verwendeten Fonds in den ersten fünf Jahren vollständig. Danach wird die Gesamtkostenquote auf maximal 0,07 Prozent pro Jahr gedeckelt. Das Unternehmen ordnet das Modell damit selbst als eines der günstigsten am deutschen Markt ein.
Für Vorsorgesparer kann das über Jahrzehnte viel Geld ausmachen. Laufende Kosten schmälern jedes Jahr den Zinseszinseffekt, und gerade bei den kleinen monatlichen Beträgen, wie sie im Vorsorgesparen üblich sind, fällt jede feste Gebühr im Verhältnis zur Einzahlung stark ins Gewicht. Wer etwa 100 Euro im Monat einzahlt, für den kann eine Depotgebühr von wenigen Euro pro Jahr prozentual erheblich sein. Ein Verzicht auf diese Gebühren wirkt sich deshalb bei exactly solchen Sparplänen stärker aus als bei großen Einzelorders.
Ein Vorbehalt gehört dazu: Die Kostenrechnung enthält die marktüblichen Spreads nicht. Diese Spannen zwischen Kauf- und Verkaufspreis fallen beim Handel mit Wertpapieren zusätzlich an. Auch die Höhe der Produktkosten-Erstattung in den ersten fünf Jahren hängt davon ab, welche Fonds im Depot liegen. 0 Euro Depotgebühr heißt also nicht, dass die Anlage komplett kostenlos ist. Wer genau rechnen will, muss Spreads, Fondsproduktkosten und TER zusammen betrachten.
Plus und Flex: fertiger Mix oder 25 eigene Positionen
Wer keine eigenen Anlageentscheidungen treffen will, findet im Standarddepot Plus eine fertige Lösung. Das Modell kombiniert einen weltweiten Aktien-Baustein mit Euro-Anleihen und einer Gold-Komponente. Damit sind die drei wichtigsten Anlageklassen für langfristige Vermögensbildung in einer standardisierten ETF-Lösung enthalten: Aktien für Rendite, Anleihen für Stabilität und Gold als Beimischung. Der Sparer muss sich um die Gewichtung nicht kümmern, das übernimmt das Modell.
Mehr Kontrolle bietet das Altersvorsorgedepot Flex. Hier stellen Anleger ihr Portfolio selbst zusammen und können dabei bis zu 25 Positionen aus einem Universum geeigneter ETFs und Fonds auswählen und kombinieren. Die Auswahl ist damit deutlich größer als in den beiden Standarddepots. Der Preis dafür: Die Verantwortung für Gewichtung und Diversifikation liegt beim Sparer selbst. Wer sich mit ETFs auskennt, bekommt Spielraum; wer unsicher ist, ist mit Core oder Plus besser bedient.
Für flatexDEGIRO ist die Dreiteilung ein bewusster Spagat zwischen zwei Kundengruppen. Core und Plus sprechen Einsteiger an, die eine fertige Lösung suchen, während Flex erfahrene Anleger ansprechen soll, die auch heute schon beim Broker selbst entscheiden, was sie kaufen. Das Altersvorsorgedepot ergänzt das klassische Trading-Geschäft damit um ein langfristiges Spargeschäft mit regelmäßigen Einzahlungen – und um Kundenbeziehungen, die über Jahrzehnte laufen können.
Bis zu 540 Euro Zulage: So fällt die Förderung aus
Der eigentliche Anreiz hinter dem neuen Produkt ist die staatliche Förderung. Nach den Berechnungsgrundlagen von flatexDEGIRO können Sparer bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr erhalten. Die Staffelung sieht 50 Cent Zuschuss pro eingezahltem Euro bis zu 360 Euro im Jahr vor, danach 25 Cent bis zu 1.800 Euro Einzahlung im Jahr. Der Maximalbetrag von 540 Euro Zulage ist also erst bei einer Jahreszahlung von 1.800 Euro ausgeschöpft.
Dazu kommen weitere Zuschüsse: Eltern erhalten zusätzlich 300 Euro pro Kind, für Berufseinsteiger unter 25 Jahren ist ein einmaliger Bonus von 200 Euro geplant. Ein Sparer mit Kind könnte die Zulage damit auf bis zu 840 Euro pro Jahr summieren, ohne die mögliche Sonderausgabenabzugsfähigkeit. Voraussetzung ist, dass das Geld in ein zertifiziertes Altersvorsorgedepot fließt, wie es flatexDEGIRO ab dem geplanten Start am 1. Januar 2027 anbieten will.
Noch ist der Rahmen nicht endgültig. Der Gesetzentwurf wurde am 15. Dezember 2025 von der Bundesregierung beschlossen und vom Bundestag am 27. März 2026 mit Änderungen versehen. Die Bundestagsberatungen zeigen, dass die abschließende Ausgestaltung der Förderung vom weiteren Gesetzgebungsprozess abhängt. Die Zahlen, mit denen flatexDEGIRO rechnet, basieren auf dem aktuellen Stand des Entwurfs.
Was das Angebot für Sparer und die flatex-Aktie bedeutet
Für Sparer ist das Core-Modell vor allem wegen der niedrigen ausgewiesenen Kosten interessant. Wichtig bleibt der Blick aufs Kleingedruckte: 0 Euro Depotgebühr und 0 Euro Orderprovision bedeuten nicht, dass die Anlage insgesamt kostenfrei ist. Spreads bleiben bestehen, und ab dem sechsten Jahr hängt die tatsächliche Belastung von der TER-Deckelung und den gewählten Produkten ab. Ein Vergleich mit anderen Anbietern sollte deshalb neben der TER auch die Produktauswahl, die Flexibilität bei Umschichtungen und die Bedingungen der einzelnen Modelle umfassen.
Für flatexDEGIRO ist das Altersvorsorgedepot eine Erweiterung des Geschäftsmodells über den klassischen Wertpapierhandel hinaus. Regelmäßige Sparpläne in einem geförderten Depot könnten zu stabilen Einzahlungsströmen und langfristig gebundenem Kundenvermögen führen – ein Gegenstück zum aktiven Trading, das von Marktschwankungen und Transaktionsfrequenz abhängt. Wie viele Kunden das Angebot tatsächlich nutzen und welches Anlagevolumen sich aufbaut, dazu hat das Unternehmen zum Start noch keine Zahlen genannt.
Aus Sicht der Anleger ergibt sich dadurch eine doppelte Perspektive. Wer 2027 in ein gefordertes Depot einzahlen will, bekommt mit Core, Plus und Flex drei konkrete Optionen, die sich in Aufwand und Gestaltungsfreiheit unterscheiden. Wer in der flatex-Aktie investiert ist oder es erwägt, sollte beobachten, wie sich das Neugeschäft entwickelt: Der wirtschaftliche Erfolg des Produkts wird sich erst über die kommenden Jahre zeigen, wenn die ersten Fördergelder fließen und die Kundenzahlen des Vorsorgedepots sichtbar werden.
Quellen & weiterführende Berichte
Häufige Fragen
Wann startet das flatex Altersvorsorgedepot?
Das Angebot soll ab dem geplanten Start der staatlichen Förderung am 1. Januar 2027 verfügbar sein. flatexDEGIRO hat die drei Modelle Core, Plus und Flex bereits am 24. September 2026 vorgestellt.
Welche Kosten fallen im Core-Modell an?
Im Core-Modell verlangt flatexDEGIRO 0 Euro Depotgebühr und 0 Euro Orderprovision für Sparpläne und Einmalanlagen. In den ersten fünf Jahren werden die Produktkosten der Fonds erstattet, danach ist die TER auf 0,07 Prozent pro Jahr gedeckelt. Marktübliche Spreads bleiben davon ausgenommen.
Wie hoch ist die staatliche Zulage im Altersvorsorgedepot?
Nach den Berechnungsgrundlagen von flatexDEGIRO sind bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr möglich: 50 Cent pro eingezahltem Euro bis 360 Euro, danach 25 Cent bis zu einer Einzahlung von 1.800 Euro. Eltern erhalten zusätzlich 300 Euro pro Kind, Berufseinsteiger unter 25 Jahren 200 Euro einmalig.
Was unterscheidet die Modelle Plus und Flex?
Plus kombiniert einen weltweiten Aktien-Baustein mit Euro-Anleihen und Gold in einem festen Mix. Flex erlaubt eigene Portfolios mit bis zu 25 Positionen aus einem Universum geeigneter ETFs und Fonds.
Ist das Gesetz zur Altersvorsorgeförderung schon beschlossen?
Nein. Der Regierungsentwurf vom 15. Dezember 2025 wurde vom Bundestag am 27. März 2026 mit Änderungen versehen. Die endgültige Ausgestaltung hängt vom weiteren Gesetzgebungsprozess ab.