Drawdown: Was es ist und wie du ihn überlebst
Jeder Trader träumt von einer perfekten Eigenkapital-Kurve (Equity Curve), die wie an der Schnur gezogen von unten links nach oben rechts verläuft. Die Realität an den Finanzmärkten sieht jedoch anders aus: Selbst die besten Trading-Strategien der Welt erleben Phasen, in denen das Konto Rücksetzer erleidet, den sogannanten Drawdown.
Wer versteht, wie man einen Drawdown richtig berechnet, emotional bewältigt und mathematisch übersteht, unterscheidet den langfristig erfolgreichen Profi vom gescheiterten Börsen-Anfänger. In diesem Kapitel der Goldesel Akademie erfährst du alles, was du über diesen entscheidenden Risikofaktor wissen musst.
Was ist ein Drawdown im Trading?
Ein Drawdown beschreibt den Rückgang deines Kontostands (oder des Werts deines Depots) von einem Höchststand bis zu einem nachfolgenden Tiefststand, bevor ein neuer Höchststand erreicht wird. Er wird in der Regel als prozentualer Verlust gegenüber dem letzten Allzeithoch deines Depots angegeben.
Beträgt dein Depotwert am Hoch 10.000 EUR und verliert während eines massiven Rücklaufs am Markt 3.500 EUR so liegt der Drawdown bei 35 %.
Wichtig: Ein Drawdown ist kein Verlust, der durch den Ausstieg aus einem einzelnen Trade entsteht, sondern betrachtet das Gesamtdepot über einen gewissen Zeitraum. Erst wenn dein Konto ein neues Allzeithoch erreicht, gilt der Drawdown als vollständig beendet („Recovery Phase“).
Die wichtigste Kennzahl: Der Maximale Drawdown (Max Drawdown)
In der Welt des systematischen Handels und der Fondsanalyse gibt es eine Kennzahl, die oft noch wichtiger ist als die jährliche Rendite: der maximale Drawdown (Maximum Drawdown / MDD).
Der maximaler Drawdown zeigt den historisch größten prozentualen Verlust, den ein Konto oder ein Handelsansatz in der Vergangenheit von der Spitze bis zum Tal erlitten hat.
Warum ist der Max Drawdown so entscheidend?
- Stresstest für die Psyche: Wenn du weißt, dass deine Strategie in den letzten 5 Jahren einen maximalen Drawdown von 25 % hatte, bist du mental darauf vorbereitet, wenn dein Depot aktuell 15 % im Minus liegt. Du weißt, dass es noch weiter Berg ab gehen kann, kennst aber auch den maximalen Verlust der in der Vergangenheit erreicht wurde. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Drawdown diesmal nicht noch größer werde kann – insbesondere wenn die Strategie auf nur 5 Jahre in die Vergangenheit getestet wurde.
- Risiko-Rendite-Vergleich: Eine Strategie mit 30 % Jahresrendite und 10 % maximalem Drawdown ist meilenweit besser als eine Strategie mit 40 % Rendite, die aber zwischendurch einen Drawdown von 60 % durchmachen musste.
Wie lässt sich der Drawdown berechnen?
Die Formel zur Berechnung des prozentualen Drawdowns ist extrem einfach:
Höchststand – Tiefststand / 100 = Drawdown
Wie in unserem Beispiel also: 10.000 EUR – 6.500 EUR = 3.500 / 100 = 35 %.
Dein aktueller Drawdown beträgt somit 35 %. Erst wenn dein Kontostand wieder über 10.000 EUR steigt, ist der Drawdown vorüber.
Die Asymmetrie: Warum tiefe Drawdowns dein Konto zerstören
Wie wir bereits in Phase 1 gelernt haben, erfordert jeder prozentuale Verlust einen überproportional höheren Gewinn, um wieder auf den Ausgangswert zu kommen. Nochmal zur Erinnerung:
- 10 % Drawdown: erfordern 11,1 % Gewinn zur Erholung.
- 20 % Drawdown: erfordern 25,0 % Gewinn.
- 50 % Drawdown: erfordern 100,0 % Gewinn (Verdopplung!).
- 70 % Drawdown: erfordern 233,3 % Gewinn.
Ab einem Verlust von etwa 20 % bis 25 % greift die „mathematische Falle“ voll zu. Wenn du die Drawdown Trading-Mechanik verstehst, wird klar: Das primäre Ziel deines Risikomanagements ist es nicht, Drawdowns komplett zu verhindern (das ist unmöglich), sondern tiefe Drawdowns frühzeitig abzufedern!

4 Schritte: So überlebst und steuerst du einen Drawdown
Wenn du dich mitten in einer Verlustphase befindest, solltest du nach einem klaren Notfall-Protokoll vorgehen:
- Halbiere dein Risiko pro Trade: Wenn du normalerweise 1 % deines Kontos pro Trade riskierst, reduziere dein Risiko im Drawdown temporär auf 0,5 % oder 0,25 %. Das bremst den weiteren Verfall deines Kontos drastisch ab.
- Überprüfe deine Strategie vs. Marktphase: Passt dein Handelsansatz aktuell überhaupt zum Marktumfeld? (Z. B. Trendfolge-Strategien in einer zähen Seitwärtsphase).
- Pausen einlegen & Mental-Reset: Trading im tiefen Drawdown führt oft zu „Rache-Trading“ (Revenge Trading), um Verluste krampfhaft zurückzuholen. Schließe die Plattform für ein paar Tage und gewinne Abstand.
- Fokussiere dich auf die Ausführung, nicht aufs Geld: Bewerte deine Leistung nicht nach dem Tages-GuV (Gewinn und Verlust), sondern danach, ob du deine Strategie zu 100 % befolgt hast.
Zusammenfassung: Das solltest du mitnehmen
- ✅ Völlig normal: Ein Drawdown gehört zum Trading wie das Tanken zum Autofahren. Entscheidend ist die Kontrolle über dessen Tiefe.
- ✅ Der Max Drawdown zählt: Kenne den historischen maximalen Drawdown deiner Strategie, um mentale Stärke in Schwächephasen zu bewahren.
- ✅ Gefährliche Asymmetrie: Je tiefer dein Konto fällt, desto schwieriger wird der Weg zurück zum Allzeithoch.
- ✅ Bremse einlegen: Reduziere im Drawdown deine Positionsgrößen, um dein Kapital und deine Psyche zu schützen.

Häufige Fragen
Was ist ein Drawdown im Trading?
Ein Drawdown beschreibt den prozentualen Rückgang deines Kontostands oder Depotwerts von einem Höchststand (Allzeithoch) bis zu einem nachfolgenden Tiefststand. Erst wenn ein neues Hoch erreicht wird, gilt die Erholungsphase (Recovery Phase) als beendet.
Was unterscheidet den maximalen Drawdown (Max Drawdown) vom normalen Drawdown?
Der maximale Drawdown gibt den historisch größten prozentualen Verlust an, den ein Handelskonto oder eine Strategie von der Spitze bis zum Tiefpunkt erlitten hat. Er dient als Stresstest für das Risikomanagement und die mentale Belastbarkeit des Traders.
Wie wird der Drawdown berechnet?
Der prozentuale Drawdown berechnet sich aus dem Depotwert am Hoch - dem Rücklauf bis zum Tief geteilt durch 100.
Wie sollte man sich während einer Drawdown-Phase verhalten?
Risikio redzieren, Strategie überprüfen, Marktphase bewerten und anschließend gegebenfalls eine Pause einlegen. Außerdem sollte man seine Trades in einer solchen Phase nur danach bewerten, ob sie nach Strategie gehandelt wurden oder nicht. Es geht nicht um den erzielten Gewinn.